{"id":274,"date":"2015-04-26T20:59:18","date_gmt":"2015-04-26T18:59:18","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=274"},"modified":"2015-04-26T21:00:07","modified_gmt":"2015-04-26T19:00:07","slug":"%ef%bb%bftrauern-hat-seine-zeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=274","title":{"rendered":"\ufeffTrauern hat seine Zeit"},"content":{"rendered":"<h2>Abschiedsrituale beim fr\u00fchen Tod eines Kindes<\/h2>\n<h5>Von Michaela Nijs<\/h5>\n<p><strong>Ausz\u00fcge zusammengstellt von Pirko Silke Lehmitz<\/strong><\/p>\n<h5><strong>1.Ritual, Definition und Wirkung<\/strong><\/h5>\n<p><strong>\u00a0a) Definition f\u00fcr ein Ritual<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3801712397\/stillgeboren-21\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-209 alignright\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nijs-205x300.jpg\" alt=\"Nijs\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nijs-205x300.jpg 205w, http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Nijs.jpg 237w\" sizes=\"(max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a><\/strong><br \/>\nDie amerikanische Psychotherapeutin T. Rando definiert ein Ritual als ein spezifisches Verhalten oder eine spezifische Handlung , die bestimmten Gef\u00fchlen und Gedanken des\/der Vollziehenden als Einzelner oder als Gruppe symbolischen Ausdruck verleiht. Das Hinaus-Setzen von emotionalen Erlebnisinhalten kann f\u00fcr einen Trauernden befreiend wirken, insbesondere, wenn der Tod eines geliebten Menschen mit traumatischen Erfahrungen verbunden war. Oft fehlen die Worte, um den Schmerz mitzuteilen; dann k\u00f6nnen Symbole und symbolische Handlung helfen, ohne Worte ein Br\u00fccke zu anderen Menschen zu schlagen. Rando weist in ihrer Definition auf ein weiters Charakteristikum von Ritualen hin: sie k\u00f6nnen einmal stattfinden, wie zum Beispiel eine Beerdigung, sie k\u00f6nnen jedoch auch wiederholt werden oder \u00fcber eine gewisse Zeit fortlaufen vollzogen werden. Dies zeigt die vielf\u00e4ltigen m\u00f6glichen Variationen von Ritualen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 b) Gebrauch des Begriffes Ritual in diesem Buch<\/strong><br \/>\nEin Abschiedsritual ist eine bewu\u00dft vorbereitete und vollzogene symbolische Handlung, die Gef\u00fchle und Gedanken des Trauernden ausdr\u00fcckt. Diese Handlung ist individuell gestaltet, ihr Inhalt wird gepr\u00e4gt durch die Bed\u00fcrfnisse und \u00dcberzeugungen des trauernden Menschen. Elemente aus \u00fcberlieferten Ritualen k\u00f6nnen enthalten sein, eine symbolische Handlung kann auch ohne Anlehnung an Traditionen gestaltet werden. Bei der Vorbereitung und dem Vollzug des Abschiedsrituals dient keine Suggestion oder Manipulation durch andere Menschen statt, das Ritual wird in Freiheit vollzogen. Es kann ein einmaliges Geschehen sein, es kann in derselben Form mehrmals wiederholt werden oder ein fortlaufenden Charakter haben. Die symbolische Handlung ist herausgehoben aus der Routine des Alltags und kann mit Erfahrungen des Au\u00dfer-Gew\u00f6hnlichen verbunden sein. Ein Ritual spricht den ganzen Menschen an, indem es die Aktivit\u00e4t von K\u00f6rper, Seele und Geist f\u00f6rdert. Ein Ritual wirkt auf verschiedenen ebenen interaktiv. Der Vollzug einer symbolischen Handlung kann eine heilende Wirkung f\u00fcr den Vollziehenden haben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 c) Rituale als Orientierungshilfe<\/strong><br \/>\nWenn ein trauernder Mensch vor dem Vollzug eines Abschiedsrituals ein Ziel beschreibe kann, das er unter andrem auch mit Hilfe des Rituals erreichen m\u00f6chte, kann dieses Ziel eine Orientierung in schwierigen Zeiten bieten. Klare Ziele f\u00fcr Rituale bedeuten nicht, da\u00df quantitativ erfa\u00dfbare Leistungen als eine Zieldefinition dienen. Es geht um eine generelle Wegrichtung, nicht um Stationen, die erreicht werden sollen. Eine Mutter kann sich zum Beispiel entscheiden, daran zu arbeiten, wie sie das Gedenken an ihr gestorbenes Kind mehr in ihr Leben integrieren kann. Diese Mutter hat ein klares Ziel: sie m\u00f6chte ihre Erfahrungen mit dem Leben einbeziehen. Dieses Ziel l\u00e4\u00dft jedoch offen, welche Wege und Um-Wege gew\u00e4hlt werden und wie die Wegstationen aussehen werden. Das Ziel gibt Orientierung, und gleichzeitig l\u00e4\u00dft es den Menschen in seinen Entscheidungen frei. Zu diesem frei-lassenden Element der Rituale kommt noch ein weiterer wesentlicher Aspekt hinzu: die Kreativit\u00e4t, das sch\u00f6pferische Gestalten. Gerade bei den Abschieds-Ritualen, die im vorliegenden Buch dargestellt werden, ist das kreative Element sehr wichtig. W\u00e4hlt eine Mutter zum Beispiel den fortlaufenden Brief an ihr verstorbenes Kind als seinen m\u00f6glichen Weg zur besseren Integration ihrer Erfahrungen, dann wird sie nicht jeweils zu Beginn des Schreibens genau definieren, was sie schreiben will. Da das Scheiben ein kreativer Proze\u00df? Ist, wird sie m\u00f6glicherweise Gef\u00fchle verbalisieren, die ihr vorher nicht bewu\u00dfte waren, oder sie Zusammenh\u00e4nge zwischen fr\u00fcheren Erlebnissen und gegenw\u00e4rtigen Situationen erkennen, die sie auf einer Intellektuellen Ebene vorher nicht hatte sehen k\u00f6nnen. Sich dem Flu\u00df des Schreibens anzuvertrauen, ohne dabei die Kontrolle durch das Ich zu verlieren \u2013 das ist sch\u00f6pferische Gestaltung von Abschiedshandlungen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 d)Heilende Wirkung<\/strong><br \/>\nBeim Vollzug eines Rituals erfolgt ein R\u00fcckbezug auf das, was n\u00e4hrt und heilt. Diese N\u00e4hrende verstehe ich im \u00fcbertragenden Sinn als eine Quelle der Lebenskraft, vielleicht auch als einen imaginativen Ort, an dem ein Mensch sich r\u00fcckbesinnen kann auf seine wahren Lebensimpulse. Die Annahme dieser kraftspendenen und damit heilenden Wirkung von Ritualen geh\u00f6rt zu den Grundlagen des vorliegenden Buches.<br \/>\nDie amerikanische Psychotherapeutin Achterberg beschreibt die Wirkungen, die Rituale f\u00fcr den einzelnen und f\u00fcr die Gemeinschaft haben k\u00f6nnen: \u201eRituale dienen als Wegweiser und Verhaltensma\u00dfst\u00e4be in Krisenzeiten, wenn K\u00f6rper, Geist oder Seele angegriffen sind. Der Akt des Rituals erm\u00f6glicht es den Menschen, Erfahrungen miteinander zu teilen und einander sichtbar zu unterst\u00fctzend. \u201eDie wesentliche psychologische Wirkung des Rituals liegt darin, da\u00df es Menschen durch schwierige Zeiten geleitet, Sterbend, Schwerkranke, Menschen in emotionalen Krisen. Das Ritual liefert eine Landkarte f\u00fcr das unsichtbare, unbekannte und nicht vermessen Territorium, das sie durchschreiten\u201c.<br \/>\nAls weitere Wirkungen von Ritualen nennt Achterberg die Minderung des Gef\u00fchls der Entfremdung von der eigenen Gemeinschaft und die Verminderung von Depressionen und Angst. Die Aufhellung von Depressionen h\u00e4ngt damit zusammen, da\u00df im Ritual die eigene Aktivit\u00e4t des Menschen gefordert ist. Gelingt der Schritt, die Impulse aus dem Denken in eine Handlunge umzusetzen, dann ist der Teufelskreis der depressiven L\u00e4hmung durchbrochen.<br \/>\nEin Mensch kann Hoffnung in einer Krisenzeit erleben, wenn er sp\u00fcrt, da\u00df er sein Hier und Jetzt gestalten kann. Genau diese Gestaltung des \u201ehic et nunc\u201c geschieht im Ritual, der Fokus der Aufmerksamkeit ist auf die Gegenwart gerichtet. Das mach dem Trauernden Mut, da\u00df er auch in Zukunft in der Lage sein wird, sein Leben zu ergreifen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 e) Auseinandersetzung im Tun<\/strong><br \/>\nEs gibt zwei wichtige Elemente einer symbolischen Handlung. Das erste Element ist die Erfahrung, da\u00df die Auseinandersetzung im Tun geschieht. Der aktive Proze\u00df des Ergreifens hilft, die Realit\u00e4t des Todes anzuerkennen und so einen ersten Schritt zu Integration zu leisten. Das zweite Element ist das Bem\u00fchen, die eigenen Erfahrungen in ein Form zu bringen. In einem sch\u00f6pferischen Proze\u00df entsteht etwas Sichtbares. Inneres kann zu einer \u00e4u\u00dferen Gestalt werden, kann ausgedr\u00fcckt werden.<\/p>\n<h4><strong>2.\u201eMementoes\u201c: Erinnerungsst\u00fccke<\/strong><\/h4>\n<p>Wenn ein Erwachsener oder ein \u00e4lteres Kind sterben, gibt es viele besondere Gegenst\u00e4nde, die mit Erinnerungen an den Verstorbenen verbunden sind. Ganz anders ist die Situation, wenn ein Kind tot zur Welt kommt, oder um die Geburt herum stirbt. Dann haben die Eltern und die Geschwister oft nur sehr wenige \u201emementoes\u201c. Manche Familien haben keinen einzigen Gegenstand, der sie an das gestorbene Kind erinnert.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 a) \u201eMementoes\u201c als Begleiter in der Trauer<\/strong><br \/>\n\u201eMementoes\u201c k\u00f6nnen auch Gegenst\u00e4nde sein, die mit positiven Erfahrungen w\u00e4hrend der Trauerprozesses verbunden sind. Manchmal sind es Geschenke von Menschen, die die Eltern unterst\u00fctzt haben. Gerade in Krisenzeiten k\u00f6nnen solche \u00dcbergangsobjekte stabilisierend wirken.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 b) Neu geschaffene \u201eMementoes\u201c<\/strong><br \/>\n\u201eMementoes\u201c m\u00fcssen nicht Gegenst\u00e4nde sein, die schon im Besitz der Eltern waren, als das Kind starb. Es k\u00f6nnen ebenso Dinge sein, die nach dem Tod des Kindes geschaffen und gestaltet wurden. Gerade Eltern, die kaum Gegenst\u00e4nde habe, die sie an eine gemeinsame Zeit mit dem Kind erinnern, erleben es oft als sehr hilfreich, wenn sie selbst etwas gestalten k\u00f6nnen, oder wenn sie nach Symbolen und Bildern f\u00fcr ihre Erfahrungen suchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 c) Kerze als Symbol des Gedenkens<\/strong><br \/>\nDie Kerze ist ein Symbol, das die Menschheit schon sehr lange bei Feiern und besonderen Anl\u00e4ssen verwendet. In der christlichen Tradition steht die Kerze in einem engen Zusammenhang mit Weihnachten und Ostern. Aber auch f\u00fcr viele Menschen, die keine Beziehung zur christlichen \u00dcberlieferung haben, ist das Anz\u00fcnden einer Kerze eine wichtige symbolische Handlung, diene besondere, au\u00dfergew\u00f6hnliche Zeit markiert. Kerzen bringen W\u00e4rme und Geborgenheit, die Flamme wird auch als ein Symbol der Liebe gesehen.<\/p>\n<p>Ein Vorschlag als ein Symbol f\u00fcr die Verwendung von Kerzen in einem Ritual w\u00e4re es, eine Kerze w\u00e4hrend der Geburt eines toten Kindes brennen zu lassen und diese Kerze den Eltern dann zu schenken. Hier kann man das Licht verstehen im Sinne einer Begleitung schon w\u00e4hrend der Geburt, eines Empfangens des toten Kindes mit Kerzenlicht auf dieser Welt und einer besonderen Kerze, die die Eltern durch ihre Trauerzeit begleiten kann. Dieser Vorschlag ist inzwischen von einigen Hebammen aufgriffen worden. Sie erz\u00e4hlten, da\u00df sie positive R\u00fcckmeldungen von Eltern bekommen h\u00e4tten, denen sie eine Kerze mit nach Hause gegeben hatten.\u00a0 Sie berichteten auch, da\u00df sie selbst gesp\u00fcrt h\u00e4tten, wie sich die Atmosph\u00e4re im Krei\u00dfsaal ver\u00e4ndert, wenn eine Kerze brennt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 d)Das Fehlen von gemeinsamen Erinnerungen<\/strong><br \/>\nGerade in bezug auf die soziale Interaktion wird deutlich, da\u00df die Situation nach dem perinatalen Tod eines Kindes ein ganz andre ist als die nach dem Tod eines Erwachsenen. Wenn ein Kind um die Geburt herum stirbt, gibt es beinahe keine gemeinsamen Erinnerungen, die die Eltern mit Freunden und Verwandten teilen k\u00f6nnen. Eltern eines fr\u00fch gestorbenen Kinde k\u00f6nnen eben nicht sagen: \u201e Wei\u00dft du noch, wie unser Sohn zum erstem Mal gesessen hat?\u201c Solche geteilten und mitgeteilten Erinnerungen erleichtern den Trauerproze\u00df \u2013 und sie fehlen beim fr\u00fchen Tod eines Kindes.<\/p>\n<h5>3.Jahrestage und andere wichtige Gedenktage<\/h5>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0 a)Meilensteine auf dem Weg durch die Trauer<\/strong><br \/>\nJahrestage k\u00f6nnen ein Anla\u00df sein, auf das vergangene Jahr zur\u00fcckzublicken, vielleicht auch auf die Zeit seit dem Tod des Kindes. Dieser R\u00fcckblick kann hilfreich sein, denn w\u00e4hrend des Durchlebens des Prozesses sehen die Eltern ihre Schritte in Richtung Heilung manchmal nicht. Dies k\u00f6nnen im \u00dcberblick viel deutlicher wahrgenommen werden.<br \/>\nNicht nur der Todestag des Kindes, sondern auch andere Tage k\u00f6nnen f\u00fcr die Eltern die Funktion von Meilenstein den haben: der errechnete Geburtstermin; in folgenden Schwangerschaften die Schwangerschaftswoche, in der das Kind gestorben ist; der eigene Geburtstag, an dem die Eltern sich erinnern, da\u00df das Kind fehlt; und viele ganz individuelle Tage.<\/p>\n<p><strong> b)Muttertag und Vatertag<\/strong><br \/>\nDiese Tage k\u00f6nnen besonders f\u00fcr Eltern, die keine lebenden Kinder habe, schwierige und traurige Tage sein. Fragen der Identit\u00e4t der Eltern k\u00f6nnen in dieser Zeit besonders dr\u00e4ngend werden. In einer Ver\u00f6ffentlichung einer amerikanischen Selbsthilfegruppe beschreibt eine Mutter ihre Gedanken zu diesen Gedenktagen: \u201e Verst\u00e4ndlicherweise sind dies zwei Tage, die von unsrer Gesellschaft bestimmt worden sind, um den Status der Elternschaft zu ehren, wie das sprichw\u00f6rtliche Salz in der unseren Wunde. F\u00fcr diejenigen von uns, die keine \u00fcberlebenden Kinder haben, bringen diese beiden Feiertage auch viele Fragen a die Oberfl\u00e4che. Wird irgend jemand, anerkennen, da\u00df wir Eltern sind? Werden wir uns selbst erlauben, anzuerkennen, da\u00df wir Eltern sind? Sind wir Eltern? Nat\u00fcrlich sind wir es! T\u00f6chter und S\u00f6hne h\u00f6ren nicht auf, T\u00f6chter und S\u00f6hne zu sein, wenn ihre Eltern sterben. Wir sind M\u00fctter und V\u00e4ter, deren Kinder gestorben sind.\u201c<\/p>\n<h5>4. Namensgebung<\/h5>\n<p><strong> a) Anerkennung des Kindes als Individualit\u00e4t<\/strong><br \/>\nDer Name eines Menschen steht in engem Zusammenhang mit der Anerkennung seiner Individualit\u00e4t, seiner Pers\u00f6nlichkeit. Die fragen nach der Identit\u00e4t und den Wesen eines Menschen sind h\u00e4ufig verbunden mit dem Namen, der er tr\u00e4gt. Wistinghausen beschreibt diese Beziehung zwischen dem Namen und dem Wesen eines Menschen folgenderma\u00dfen: \u201cDer Name deutet nicht nur auf den Menschen, sondern er bedeutet den Menschen. Das pers\u00f6nliche Wesen Mensch lebt und webt geheimnisvoll in den Lauten des Namens und \u00e4u\u00dfert sich in ihnen.\u201c<br \/>\nUm ein Gegen\u00fcber pers\u00f6nlich ansprechen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir seinen Namen kennen. In diesem Sinne kann der Name auch als eine Voraussetzung f\u00fcr Begegnung gesehen werden.<br \/>\nEs erscheint uns selbstverst\u00e4ndlich, einem lebend geborenen Kind einen Namen zu geben. Die Frage nach dem Namen ist meist auch ein der ersten Fragen, die Eltern kurz nach der Geburt eines lebenden Kindes von Freunden und Verwandten gestellt werden.<br \/>\nDieser selbstverst\u00e4ndliche Umgang mit dem Namen geht verloren, wenn das Kind tot geboren wird oder kurze Zeit nach der Geburt stirbt. In dieser Situation werden Eltern nur selten gefragt, wie ihr Kind hei\u00dft. Dabei kann die Namengebung gerade beim fr\u00fchen Tod eines Kindes f\u00fcr die Eltern und f\u00fcr alle anderen Beteiligten wichtig Signale setzen. Wenn Eltern einem totgeboren oder perinatal gestorbenen Kind einen Namen geben, machen sie damit deutlich, da\u00df ein Mensch gestorben ist, da\u00df es nicht um den Verlust eines Schwangerschafts-Produktes geht. Diese Anerkennung der Individualit\u00e4t des Kindes geh\u00f6rt wesentlich zu einem w\u00fcrdevollen Umgang mit fr\u00fch gestorbenen Kindern. Fast alle M\u00fctter, die in einer Untersuchung befragt wurden, hatten ihren verstorbenen Kindern einen Namen gegeben. Viele hatten jedoch diesen Namen noch nie einem anderen Menschen gegen\u00fcber ausgesprochen. Die selbstverst\u00e4ndlich frage nach dem Namen kann den Eltern helfen, die Schwelle zu \u00fcberwinden, zum ersten Mal den Namen ihres Kindes andren mitzuteilen.<br \/>\nDa die Eltern so wenige konkrete Erinnerungen an ihr Kind habe, kann die Namensgebung ihnen oft helfen, anzuerkennen, da\u00df sie um einen konkreten Menschen trauern. Der Name kann auch zu einem Symbol f\u00fcr die Existenz des Kindes werden. Gerade bei mehrfachen Verlusten ist es sehr wichtig, zu differenzieren \u2013 die einzelnen Verluste zu benennen, um dann trauern zu k\u00f6nnen. Nachdem Frau S. den Namen ihres Sohnes ausgesprochen hatte, konnte sie um dieses Kind trauern. Es bekam eine Gestalt, w\u00e4hrend vorher alles wie in einem schwarzen Strudel vermischt gewesen war. Mit dem Mitteilen des Namens sind zwei Erfahrungen verbunden: das Kind bekommt eine Identit\u00e4t, durch diese Identit\u00e4t ist es nicht ersetzbar.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0 b) \u201cEndlich was in den H\u00e4nden haben\u201d &#8211; Zur Bedeutung von Dokumenten<\/strong><br \/>\nGerade wenn Eltern ihr totes Kind nicht gesehen haben, suchen sie oft nach \u201cMementoes\u201d, die auf die auf die Existenz ihres Kindes hinweisen. In einer solchen Situation k\u00f6nnen formale Schriftst\u00fccke, die f\u00fcr Au\u00dfenstehende sachlich und k\u00fchl wirken, eine wichtige Rolle spielen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschiedsrituale beim fr\u00fchen Tod eines Kindes Von Michaela Nijs Ausz\u00fcge zusammengstellt von Pirko Silke Lehmitz 1.Ritual, Definition und Wirkung \u00a0a) Definition f\u00fcr ein Ritual Die amerikanische Psychotherapeutin T. 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