{"id":281,"date":"2015-04-26T21:07:18","date_gmt":"2015-04-26T19:07:18","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=281"},"modified":"2015-04-26T21:09:00","modified_gmt":"2015-04-26T19:09:00","slug":"naeheres-ueber-die-bestattung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=281","title":{"rendered":"N\u00e4heres \u00fcber die Bestattung"},"content":{"rendered":"<p>Sobald wir eine Bindung zu unserem Kind empfinden, ist es ganz nat\u00fcrlich, dass wir es, auch wenn es nicht lebend zur Welt kam, im Todesfall mit Ehrfurcht und W\u00fcrde behandelt wissen wollen. F\u00fcr Eltern, die ihr Kind kennen lernen konnten, wird es oft selbstverst\u00e4ndlich, es bestatten zu lassen. Ein Vater, der anfangs gar nicht sicher war, ob er sich einlassen wollte, sagte danach:<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3466343895\/stillgeboren-21\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-full wp-image-208 alignright\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/GuteHoffnung.gif\" alt=\"GuteHoffnung\" width=\"93\" height=\"140\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es ist jetzt gar keine Frage mehr, dass ich mein Kind sehen musste, und es ist gar keine Frage, dass es beerdigt werden muss.<\/p>\n<p>Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Bestattung, so schwer sie auch empfunden werden mag, die meisten Betroffenen in ihrer Trauerarbeit weiterbringt. Das Begr\u00e4bnis ist wie ein Meilenstein auf dem Trauerweg. F\u00fcr die meisten Menschen ist es tr\u00f6stlich zu wissen, wo ihr Kind begraben ist. Es ist gut, einen Platz zu haben, wo sie ihre Trauer hintragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich musste schon allen Mut zusammennehmen, um zu sagen, dass ich mir w\u00fcnsche, dass unser winziges Kind beerdigt wird. Auf mein wiederholtes Fragen wurde mir gesagt, dass ein Baby unter 500 Gramm nicht beerdigt werden k\u00f6nne. Es sei ein \u00bbAbortabfallprodukt\u00ab, und ich habe keine Verf\u00fcgungsgewalt dar\u00fcber. Erst sp\u00e4ter erfuhr ich, dass es nicht stimmt. Es muss nicht, kann aber beerdigt werden. Als ich dies erfuhr, war es jedoch daf\u00fcr zu sp\u00e4t. Ich habe lange gebraucht, um dar\u00fcber hinwegzukommen. Immer wieder hat es an mir genagt, haben mich die Gedanken verfolgt: Was ist jetzt mit meinem Kind? Wo ist es jetzt? Und so ganz schlimm der Gedanke, es ist vielleicht irgendwo im Abfalleimer gelandet.<\/p>\n<p>Viele Eltern, mit denen ich sprach, hatten \u00e4hnliche Bef\u00fcrchtungen. Eine w\u00fcrdevolle Behandlung ihres Kindes war ihnen ganz wichtig. Ein Paar setzte sogar durch eine einstweilige Verf\u00fcgung des Regierungspr\u00e4sidenten die Bestattung seines Babys durch. Wo eine Beerdigung entgegen des eigenen Wunsches nicht m\u00f6glich war, hinterlie\u00df dies oft f\u00fcr lange Zeit eine offene Wunde. &#8211;<\/p>\n<p>Je mehr wir das Begr\u00e4bnis oder die Trauerfeier mitgestalten, desto bedeutungsvoller und somit hilfreicher sind sie auf unserem Weg. Manchmal wollen uns wohlmeinende Menschen hier \u00bbsch\u00fctzen\u00ab, indem sie anbieten, \u00bbdiese Dinge\u00ab f\u00fcr uns zu erledigen. Doch wenn wir unsere Entscheidung getroffen haben, sollten wir uns nicht beirren lassen und so viel wie m\u00f6glich selbst tun.<\/p>\n<p>Eine Schw\u00e4gerin versuchte mir einzureden, ich solle mich doch nicht auch noch mit der Beerdigung belasten, sie w\u00fcrden mir das gerne abnehmen. Aber f\u00fcr mich war es ganz wichtig, dabei zu sein und zu helfen, die Feier mitzugestalten. Es war der letzte Liebesdienst, den ich meinem kleinen Engel erbringen konnte, und mein ganz bewusster Abschied von ihm.<\/p>\n<p>Es kann f\u00fcr eine Mutter bedeutungsvoll sein, ihr Kind selbst in seinen Sarg zu legen. In dem australischen Film Auch Babys sterben, lie\u00df die Mutter der kleinen Cosma ihr verstorbenes Kind mehre Tage hintereinander bringen und lernte ihr Baby wirklich kennen in der Gegenwart seiner drei kleinen Geschwister. Am Ende bettete sie Cosma pers\u00f6nlich auf einem weichen Lammfell in den kleinen wei\u00dfen Sarg im Beisein ihrer eigenen Mutter und des f\u00fcrsorglichen Trauerteams.<\/p>\n<p>Wenn Dinge so geschehen, wie sie unserem tiefsten Inneren entsprechen, dann gibt es vielleicht selbst in der schlimmsten Situation unseres bisherigen Lebens so etwas wie ein \u00bbGut\u00ab. Sich daf\u00fcr einzusetzen ist lohnenswert.<\/p>\n<p><strong>Bestattungsm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht die M\u00f6glichkeit, ein Reihengrab oder ein Privatgrab f\u00fcr eine bestimmte Zeit zu kaufen oder ein Baby im Familiengrab zu bestatten. Auf manchen Friedh\u00f6fen gibt es Kinderreihengr\u00e4ber, mancherorts, wie z.B. auf dem Katholischen Friedhof Augsburg, sogar ein liebevoll angelegtes Grabfeld f\u00fcr nicht bestattungspflichtige Kinder. Auf Wunsch der Eltern erledigen Bestattungsunternehmen alle beh\u00f6rdlichen und kirchlichen Formalit\u00e4ten und besorgen eine Grabst\u00e4tte, es sei denn, sie wollen diese lieber selber aussuchen. Bestatter handeln auch eigenst\u00e4ndig, wenn Menschen, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, sich an den Entscheidungen nicht beteiligen k\u00f6nnen. Doch wo immer m\u00f6glich sollten Eltern in das Ritual einer Beerdigung einbezogen und ihre Eigeninitiative gef\u00f6rdert werden. Dies hat sich f\u00fcr die Trauerverarbeitung als positiv erwiesen.<\/p>\n<p><strong>Kosten f\u00fcr eine Bestattung<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts des Todes eines Kindes mag es banal wirken, \u00fcber die Kosten einer Bestattung zu sprechen. Doch ist es vorgekommen, dass die Erf\u00fcllung von Herzensw\u00fcnschen der Eltern an ihrer Scheu scheiterten, materielle Dinge anzusprechen.<\/p>\n<p>Als unser Kind tot geboren wurde, waren wir in einer finanziellen Notlage. Ich hatte es gerne bestatten lassen, f\u00fcrchtete aber, dass eine Beerdigung zu teuer sein wurde. Da ich mich sch\u00e4mte, nach den Kosten zu fragen, \u00fcberlie\u00dfen wir die Abwicklung schlie\u00dflich der Krankenhausroutine.<\/p>\n<p>Je nach Art des Begr\u00e4bnisses und der Region betragen die Kosten einer Beerdigung f\u00fcr ein tot geborenes Baby zwischen DM 500,\u2014 und 2.500,\u2014 (inkl. Grabst\u00e4tte). Es spielt eine gro\u00dfe Rolle, ob man auf dem Land oder in der Stadt wohnt, und nat\u00fcrlich gibt es Preisunterschiede von Unternehmen zu Unternehmen. Lobenswerterweise werden die Kosten f\u00fcr Kinderreihengr\u00e4ber mancherorts von den Gemeinden oder der Kirche getragen, und ein mir bekannter Bestatter beerdigt Kleinstbabys sogar kostenlos.<\/p>\n<p>Mit wachsendem Bewusstsein auch von Seiten der Kommunalpolitiker f\u00fcr die besondere Situation verwaister Eltern bleibt zu hoffen, dass in Zukunft Elternfreundliche \u00c4nderungen von Friedhofssatzungen erwirkt werden. Leider hat die Gesundheitsreform Eltern von Totgeborenen und &#8211; nach der Geburt sterbenden Kindern benachteiligt: Das Sterbegeld, das : zuvor einen Teil der Begr\u00e4bnisausgaben deckte, wurde ersatzlos gestrichen. In Notf\u00e4llen \u00fcbernimmt das Sozialamt auf Antrag die Kosten f\u00fcr das Begr\u00e4bnis.<\/p>\n<p><strong>Wenn ein eigenes Grab nicht gew\u00fcnscht oder m\u00f6glich ist<\/strong><\/p>\n<p>Eine Bestattung mit Grab zu haben entspricht nicht den W\u00fcnschen und Grundeinstellungen aller Menschen. Manche w\u00fcrden z.B. liebe die Asche ihres Kindes an einem Ort der Sch\u00f6nheit verteilt wissen. . Dies ist laut unserer Gesetzgebung leider nicht m\u00f6glich, au\u00dfer auf See oder im Ausland. Etliche Menschen wollen, zumindest zun\u00e4chst einmal, kein eigenes Grab. Manche Eltern \u00fcbergeben ihr totes Kind f\u00fcr Forschungszwecke der Pathologie, die sich dann um ein Begr\u00e4bnis k\u00fcmmert. Mancherorts gibt es zentrale Gr\u00e4ber f\u00fcr Totgeborene. Auf den . Friedh\u00f6fen einiger gr\u00f6\u00dferer St\u00e4dte k\u00f6nnen tote Babys auf Wunsch im einem anonymen Grabfeld beerdigt werden.<\/p>\n<p>Vom kirchlichen Krankenhaus, in dem ich in den USA arbeitete wurde ein Teil des Krankenhausparks zur Bestattung fehlgeborener Kinder freigegeben. Bei der Einweihungsfeier wurde ein Stein aufgestellt zum Gedenken an alle Kinder, die einen unzeitigen Tod erlitten haben. (Sr. Jane Marie)<\/p>\n<p>Das anonyme Beilegen eines Babys im Grab eines unbekannten gerade zu beerdigenden Verstorbenen, wie es jahrzehntelang praktiziert wurde ist, soweit ich das in Erfahrung bringen konnte, nicht mehr zul\u00e4ssig und zumindest f\u00fcr die Trauerverarbeitung auch nicht w\u00fcnschenswert. Kleine Babys k\u00f6nnen aber dem Grab eines geliebten Familienangeh\u00f6rige beigelegt werden. Manchen ist dies eine gro\u00dfe Beruhigung. Ansonsten kann ein Ersatzritual Eltern Trost geben.<\/p>\n<p>Die Idee, ein Ritual zu schaffen, hat uns sehr gut gefallen. Wir wollen, noch bevor wir umziehen, zu dem Massengrab fahren, um von dort etwas Erde zu holen. Dann wollen wir dann auf unserem Grundst\u00fcck am neuen Wohnort f\u00fcr Philip einen Baumpflanzen. Ich brauche einen On, an den ich immer wieder gehen kann, wenn schon kein Grab vorhanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a9 Hannah Lothrop<br \/>\nGute Hoffnung &#8211; J\u00e4hes Ende<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sobald wir eine Bindung zu unserem Kind empfinden, ist es ganz nat\u00fcrlich, dass wir es, auch wenn es nicht lebend zur Welt kam, im Todesfall mit Ehrfurcht und W\u00fcrde behandelt wissen wollen. F\u00fcr Eltern, die ihr Kind kennen lernen konnten, wird es oft selbstverst\u00e4ndlich, es bestatten zu lassen. 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