{"id":292,"date":"2015-04-26T21:19:45","date_gmt":"2015-04-26T19:19:45","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=292"},"modified":"2015-04-26T21:19:45","modified_gmt":"2015-04-26T19:19:45","slug":"bestattungskultur-im-wandel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=292","title":{"rendered":"Bestattungskultur im Wandel"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_293\" aria-describedby=\"caption-attachment-293\" style=\"width: 100px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/InesBauschkekl.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-293 size-full\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/InesBauschkekl.jpg\" alt=\"InesBauschkekl\" width=\"100\" height=\"116\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-293\" class=\"wp-caption-text\">Ines Bauschke<\/figcaption><\/figure>\n<p>aus dem Gemeindebrief der St. Paulus Gemeinde Buchholz i.d.N.<br \/>\nOktober\/November 2004<\/p>\n<p>Die Erwartungen an eine Bestattung wandeln sich. Vor allem das in Nordrhein-Westfalen im Juni 2003 neu verabschiedete Bestattungsgesetz hat eine F\u00fclle von Diskussionen und Ver\u00f6ffentlichungen zur Folge gehabt. Nordrhein-Westfalen hatte\u00a0 als erstes deutsches Bundesland die Sargpflicht aufgehoben. Die Evangelische Kirche\u00a0 in Deutschland (EKD) hat als Reaktion ein Diskussionspapier mit dem Titel &#8222;Herausforderungen evangelischer Bestattungskultur&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Auch der L\u00fcneburger\u00a0\u00a0 Superintendent Hans-Hermann Jantzen machte in diesem Jahr das Thema &#8222;Bestattungskultur im Wandel&#8220; zum Schwerpunktthema seiner Reise durch seinen Sprengel.<\/p>\n<p>Der kirchliche Auftrag, die Toten zu bestatten, sei nicht an eine bestimmte Bestattungsform gebunden, sofern die Toten an einem \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen und gekennzeichneten Ort beerdigt w\u00fcrden, erl\u00e4utert Jantzen in einem Interview mit der Evangelischen Zeitung. Auch das\u00a0 Diskussionspapier der EKD konstatiert, dass sich aus der Bibel keine bestimmte Begr\u00e4bnisform zwingend ableiten lasse. Wichtig an einer christlichen Bestattung sei, die Totenw\u00fcrde zu achten und zu wahren. Dar\u00fcber hinaus sei zu erkennen, da\u00df die zunehmende Individualisierung sich auch auf die Friedhofskultur auswirke: &#8222;Es gibt eine zunehmende Enttabuisierung und Entkrampfung der Gesellschaft im Umgang mit dem Tod. Immer mehr Menschen wollen eine ganzheitliche Begleitung des Sterbens. Alte Formen wie Aufbahrung und Aussegnung, gemeinsames Waschen und Bekleiden der Leiche sind zunehmend erw\u00fcnscht.&#8220; Das Diskussionspapier ermutigt die Kirchen, die W\u00fcnsche von Hinterbliebenen positiv aufzunehmen, wenn diese an der Gestaltung der Trauerfeier mitwirken und sie nach ihren Bed\u00fcrfnissen mitgestalten m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig \u00e4u\u00dfert sich das EKD-Papier kritisch gegen\u00fcber der zunehmenden Zahl anonymer Beerdigungen: &#8222;Je st\u00e4rker sich die demographische Entwicklung in Richtung Vergreisung verschiebt und je kr\u00e4ftiger die Individualisierung die Einpersonenhaushalte f\u00f6rdert, desto h\u00e4ufiger enden Menschen in der &#8218;anonymen Trinit\u00e4t des Alters&#8216;: einsames Leben, sang- und klang- loses Sterben und unkenntliches Grab.&#8220;<\/p>\n<p>Einerseits seien anonyme Beerdigungen besonders kosteng\u00fcnstig, weil sie keine Grabpflege n\u00f6tig machten; andererseits wollten alte Menschen den Jungen keine Last sein und ihnen keine Grabpflegeverpflichtungen auferlegen. Allerdings sei es seelsorgerlich und psychologisch nachgewiesen, da\u00df Hinterbliebene, die einer anonymen Beerdigung zugestimmt h\u00e4tten, sp\u00e4ter erhebliche Probleme mit der &#8218;Ortlosigkeit der Trauer&#8216; bek\u00e4men. Ein konkreter Erinnerungsort, ein Grabstein habe f\u00fcr viele Menschen helfende Bedeutung. Vorsichtig positiv \u00e4u\u00dfert sich das Diskussionspapier auch gegen\u00fcber der Friedwald-Konzeption, nach der die Urne eines Verstorbenen unter einem Baum in einem solchen Friedwald beerdigt werden k\u00f6nne &#8211; solange die B\u00e4ume \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich und durch eine Namensplakette identifizierbar seien. Eine prinzipielle Unvereinbarkeit zwischen christlichen Einsichten \u00fcber die W\u00fcrde des Menschen im Tod und einer Bestattungsform im Friedwald erkennt die EKD-Studie nicht. Auch Hans-Hermann Jantzen gibt zu, da\u00df sich die Kirchen und die Friedwald GmbH, die demn\u00e4chst in Bispingen einen Friedwald einrichten will, nach anf\u00e4nglichem Misstrauen angen\u00e4hert haben. An der Attraktivit\u00e4t dieser neu eingerichteten Friedw\u00e4lder zeige sich, da\u00df die weithin \u00fcbliche strenge Reglementierung der Gestaltungsrichtlinien auf den Friedh\u00f6fen \u00fcberwunden werden m\u00fcsse. Auch auf ihren Friedh\u00f6fen m\u00fcsse die Kirche mehr &#8222;Kundenfreundlichkeit&#8220; zeigen, um auf dem &#8222;Markt&#8220; zu bestehen, so der Landessuperintendent.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00a9 Pastorin Ines Bauschke,<br \/>\nSt. Paulus Gemeinde Buchholz i.d.N<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>aus dem Gemeindebrief der St. Paulus Gemeinde Buchholz i.d.N. Oktober\/November 2004 Die Erwartungen an eine Bestattung wandeln sich. 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