{"id":312,"date":"2015-04-26T21:34:42","date_gmt":"2015-04-26T19:34:42","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=312"},"modified":"2015-04-26T21:37:21","modified_gmt":"2015-04-26T19:37:21","slug":"unser-marienkaefer-torben-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=312","title":{"rendered":"Unser Marienk\u00e4fer  Torben"},"content":{"rendered":"<p><strong>M<\/strong>\u00a0 anchmal denke ich. es geht schon wieder<br \/>\n<strong>A<\/strong>\u00a0\u00a0 lles hat eine andere Bedeutung<br \/>\n<strong>R<\/strong>\u00a0 ache gibt es nicht, denn es gibt keine Schuld<br \/>\n<strong>I<\/strong> \u00a0\u00a0 n meinem Herzen wirst Du immer sein<br \/>\n<strong>E<\/strong>\u00a0\u00a0 rfahrungen mache mich reicher<br \/>\n<strong>N<\/strong>\u00a0 iemals werd&#8216; ich Dich vergessen<br \/>\n<strong>B<\/strong> \u00a0 ei wieder wirst Du in mir sein<br \/>\n<strong>K<\/strong>\u00a0\u00a0 eine Hoffnung, da\u00df alles wieder wird wie vorher<br \/>\n<strong>\u00c4<\/strong>\u00a0 nderungen bestimmen Deinen Tod<br \/>\n<strong>F<\/strong>\u00a0 riede ist es, wonach ich mich sehne<br \/>\n<strong>E<\/strong>\u00a0 ifersucht hat ein neues Gesicht<br \/>\n<strong>R<\/strong>\u00a0 uhe empfinde ich an Deinem Grab<br \/>\n<a href=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/a_Sternschnuppe_13.gif\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-313 alignright\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/a_Sternschnuppe_13-300x255.gif\" alt=\"a_Sternschnuppe_13\" width=\"300\" height=\"255\" \/><\/a><\/p>\n<p>geboren am 15. Dezember 1997<\/p>\n<p>gestorben am 17. Dezember 1997<\/p>\n<p>Mit Tr\u00e4nen habe ich Dich begr\u00fc\u00dft und mit noch mehr Tr\u00e4nen verabschiedet. Du wurdest alles andere als erhofft, ja eigentlich warst Du am Anfang noch nicht einmal erw\u00fcnscht. Pl\u00f6tzlich hast Du Dich in unser Leben gedr\u00e4ngt, zu einem Zeitpunkt der ung\u00fcnstiger nicht h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. An einem Samstagmorgen machte ich mehr aus Neugier einen Schwangerschaftstest. Eigentlich konnte es gar nicht sein und doch pl\u00f6tzlich &#8211; von einer Minute auf die andere \u00e4nderte &#8211; sich unser gesamtes Leben. Im Nachhinein war es gut, da\u00df ich in diesen Augenblick noch nicht ermessen konnte wie gravierend, einschneidend und unvergleichbar sich tats\u00e4chlich unser Leben \u00e4ndern sollte.<\/p>\n<p>Nach vielen, vielen Gespr\u00e4chen, nach allen F\u00fcr und Wi<a href=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/marinis.gif\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-314 alignright\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/marinis-240x300.gif\" alt=\"marinis\" width=\"240\" height=\"300\" \/><\/a>der haben wir uns bewu\u00dft f\u00fcr Dich entschieden. Sp\u00e4ter habe ich mir oft die Frage gestellt, ob dieses Abw\u00e4gen \u00fcber Dein Leben Dich bewogen hat, so schnell wieder von uns zu gehen, aber wahrscheinlich suche ich einfach nur nach Erkl\u00e4rungen, die mir niemand geben kann.<\/p>\n<p>Die Schwangerschaft hast Du mir und uns nicht leicht gemacht. Die ersten zw\u00f6lf Wochen habe ich mich so oft im Badezimmer aufgehalten, da\u00df Dein Vater dort Bilder aufh\u00e4ngen wollte, damit ich es etwas wohnlicher habe. Aus Angst, da\u00df sich nun bald unser Leben \u00e4ndern w\u00fcrde, sind wir von einer Verabredung zur n\u00e4chsten gehetzt; auch ein Vorwurf, den ich mir sp\u00e4ter immer wieder gemacht habe. Bei den \u00fcblichen Vorsorgeuntersuchungen war immer alles in bester Ordnung. Bis heute l\u00e4uft mir bei dieser Formulierung ein kalter Schauer \u00fcber den R\u00fccken. \u201cAlles in bester Ordnung\u201d &#8230; Unterleibschmerzen wurden vom Arzt als bedeutungslos abgetan und da Du mein erstes Kind warst, schenkte ich dieser Diagnose nur zu gern Glauben. In der 19. Schwangerschaftswoche machtest Du Dich durch kr\u00e4ftige Tritte &#8211; die mir manchmal den Atem nahmen &#8211; bemerkbar und wir waren so unendlich gl\u00fccklich und so unendlich naiv. Nie habe ich mir Gedanken gemacht, da\u00df ich nur wenig Zeit mir Dir verbringen durfte.<\/p>\n<p>An einem Sonntagabend in der 24. Schwangerschaftswoche bekam ich heftige Unterleibsschmerzen, die, wie wir sp\u00e4ter erfuhr, bereits Wehen waren. Heute &#8211; zweieinhalb Jahre nach Deinem Tod &#8211; kann ich noch immer nicht glauben, da\u00df ich selbst an diesem Abend keinen Verdacht hatte. Am darauffolgenden Montag, den 15 Dezember 1997, ging ich zu meinem Frauenarzt, da zu den Schmerzen noch ein minimaler Blutverlust eintrat. Trotz meiner Schilderung lie\u00df man mich noch fast zwei Stunden im Wartezimmer sitzen. Bei der anschlie\u00dfenden Untersuchung stellte der Arzt einen ge\u00f6ffneten Muttermund von drei Zentimetern fest. Der Arzt erkl\u00e4rte mir, da\u00df ich sofort ins Krankenhaus Barmbek m\u00fc\u00dfte, wenn Du \u00fcberhaupt noch eine Chance haben solltest. Aus der Praxis haben wir Deinen Vater angerufen, der mich in L\u00fcneburg abholte und mit uns nach Hamburg fuhr. Dort ging alles schrecklich schnell. Zwei \u00c4rzte teilten uns mit, da\u00df es jetzt zur Geburt kommen w\u00fcrde und das ein positiver Ausgang mehr als fraglich w\u00e4re. Keiner konnte und wollte uns sagen, ob und wenn wie lange Du \u00fcberleben w\u00fcrdest. Nach dieser Nachricht lie\u00dfen uns die \u00c4rzte f\u00fcr einen kurzen Moment allein. Dein Vater und ich lagen uns in den Armen und wir konnten nicht glauben, was dort um uns herum geschah.<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden, um 16.00 Uhr, warst Du da und nach einem kurzen Schrei wurdest Du gleich zur Neonatologie gebracht, so da\u00df wir Dich nicht sehen konnten. Du lebst, Du hast geschrieben, wir fragten uns, ob nicht doch noch alles gut werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Als ich Dich das erstemal sah, konnte ich nicht glauben das Du in mir warst und das Du, wo Du doch so perfekt, ja so vollst\u00e4ndig aussahst, mit Deinem Leben so k\u00e4mpfen mu\u00dftest. Ganze 790g bei 35 cm, ein Ebenbild Deines Vaters, ganz klein, so zart, so wunderbar. Wir gaben Dir den Namen Torben, so wie ich es mir gew\u00fcnscht hatte. Aufgrund des hohen Risikos durften wir Dich nicht ber\u00fchren, sondern nur vor dem Inkubator sitzen und leise mit Dir sprechen. Wir haben Dir von uns erz\u00e4hlt und versucht, Dich zum K\u00e4mpfen zu bewegen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten zwei Tage waren gepr\u00e4gt von Hoffen, Glauben, Verzweiflung, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Jedesmal, wenn wir Dich besuchten, gab es neue Nachrichten und jedesmal st\u00fcrzten wir in eine Berg- und Talfahrt der Gef\u00fchle. In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 1997 weckte mich gegen 02.00 Uhr eine Schwester, ein Anruf aus der Neonatolgie f\u00fcr mich. Der diensthabende Arzt erkl\u00e4rte mir, da\u00df eine Hirnblutung aufgetreten sei, die schlimmste aller Nachrichten, und ich wu\u00dfte aus vielen Gespr\u00e4chen mit dem Pflegepersonal, da\u00df dies kaum noch Platz f\u00fcr Hoffnung bleiben lie\u00df. Kurze Zeit danach kam Dein Vater, zu diesem Zeitpunkt bekamst Du schon Medikamente gegen die Schmerzen. Die \u00c4rztin sagte uns ohne Besch\u00f6nigungen, da\u00df Du nun sterben w\u00fcrdest und forderte uns auf, und gab uns damit die M\u00f6glichkeit, Dich in unseren Armen einschlafen zu lassen. So durften wir Dich zum ersten- und auch zum letzen Mal ber\u00fchren, Deinen Duft in uns aufnehmen in der Gewi\u00dfheit, da\u00df dieser Augenblick mit Dir f\u00fcr die restliche Zeit unseres Lebens reichen mu\u00dfte. Wir sind unendlich froh, da\u00df wir Dich begr\u00fc\u00dfen und verabschieden durften; Dich in den Armen halten konnten, als Du von uns gingst.<\/p>\n<p>Du bist gestorben; leise, ruhig, fast heimlich. Noch lange sa\u00dfen wir so bei Dir, bis wir sp\u00fcrten, wenn wir jetzt nicht gehen, gehen wir nie. Eine junge Schwester hat Dich in den Arm genommen, Dir einen Ku\u00df gegeben und Dich wieder in den Inkubator gelegt. Dies geschah so liebevoll, sanft und selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df wir es bis heute nicht fassen konnten und dieser Schwester, dessen Name wir nicht kennen, immer dankbar sein werden f\u00fcr diese stumme Anteilnahme und den w\u00fcrdevollen Umgang mit Dir.<\/p>\n<p>Warum Du so fr\u00fch meinen sch\u00fctzenden Bauch verlassen hast, ist nie gekl\u00e4rt worden. Die \u00c4rzte in Barmbek rieten uns von einer Obduktion ab, da keine Hinweise auf evtl. Fehlbildungen zu finden waren und Dein K\u00f6rper somit unangetastet bleiben konnte.<\/p>\n<p>Die darauf folgende Zeit liegt immer noch unter einem dichten Schleier; alles war sinn- und hoffnungslos, leer, kalt und grausam. Es verging kein Tag, an dem ich mich nicht fragte, wozu und warum es weiter geht. Diese unendliche Traurigkeit werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen und die Einsicht, da\u00df Machtlosigkeit und Selbstaufgabe nicht immer nur etwas f\u00fcr die Anderen ist. f<\/p>\n<p>Zwei Monate nach Deinem Tod sind wir zu den Verwaisten Eltern gekommen. Dort konnten wir Dir einen Raum geben und offen \u00fcber Dich sprechen, ohne Gefahr zu laufen, nicht verstanden zu werden. Durch die Gruppe haben wir gelernt, uns mit uns und Deinem Tod auseinanderzusetzen, und das es immer Menschen gibt, die uns verstehen, annehmen und zu uns halten, egal wie es uns geht, vor allem, wenn es uns gerade schlecht geht.<\/p>\n<p>Nach st\u00e4ndigen Selbstvorw\u00fcrfen, nach ewigen Fragen ohne Antwort, nach einer harten Zeit intensiver Trauerarbeit bin ich davon \u00fcberzeugt, da\u00df jeder Mensch auf dieser Welt seine Aufgabe hat; unser Torben hat diese Aufgaben in 36 Stunden erledigt und daf\u00fcr danken wir ihm.<\/p>\n<p>Im August 1999 wurde, nach einer komplizierten Schwangerschaft, unser zweiter Sohn, Leif Marten, geboren. Wir werden ihn in dem Bewu\u00dftsein aufwachsen lassen, da\u00df er einen gro\u00dfen Bruder hat, der auf ihn aufpa\u00dft und der zu unserer Familie geh\u00f6rt. Der Geburtstag von Torben sowie sein Todestag geh\u00f6ren genau so zum Lauf des Jahres, wie der Gang zum Friedhof und die vielen kleinen Dinge, die uns an ihn sichtbar und unsichtbar erinnern. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke, ja sogar von ihm spreche. Er ist bei mir fast so, als k\u00f6nnte ich ihn sp\u00fcren, aber nach der Zeit, die vergangen ist, tut es nicht mehr ganz so doll weh.<\/p>\n<p>Die Babygruppe, der wir uns damals angeschlossen haben, gibt es mittlerweile nicht mehr, aber zwischenzeitlich sind daraus echte Freundschaften entstanden. Menschen, die auch heute noch mit uns \u00fcber Torben sprechen und die es nicht leid sind uns zuzuh\u00f6ren. Einer dieser ganz besonderen Menschen gilt dieser Bericht, verbunden mit einem herzlichen Dank f\u00fcr alles, was Du f\u00fcr mich getan hast; f\u00fcr alles, wozu Du mich ermutigt hast; da\u00df Du immer an mich geglaubt hast und immer f\u00fcr mich da bist und warst.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Danke Pirko<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Annette N.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00a0 anchmal denke ich. es geht schon wieder A\u00a0\u00a0 lles hat eine andere Bedeutung R\u00a0 ache gibt es nicht, denn es gibt keine Schuld I \u00a0\u00a0 n meinem Herzen wirst Du immer sein E\u00a0\u00a0 rfahrungen mache mich reicher N\u00a0 iemals werd&#8216; ich Dich vergessen B \u00a0 ei wieder wirst Du in mir sein K\u00a0\u00a0 eine &hellip; <a href=\"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=312\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Unser Marienk\u00e4fer  Torben<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[24,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/312"}],"collection":[{"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=312"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/312\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":317,"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/312\/revisions\/317"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=312"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=312"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/stillgeboren.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=312"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}