{"id":513,"date":"2015-04-25T14:43:11","date_gmt":"2015-04-25T12:43:11","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=513"},"modified":"2015-05-02T14:43:22","modified_gmt":"2015-05-02T12:43:22","slug":"die-trauer-zulassen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=513","title":{"rendered":"Die Trauer zulassen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #990066; font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"><b>Aus \u201cJa\u201d zur Trauer, hei\u00dft \u201cja\u201d zum Leben, Hrg. S\u00f6nke Kriebel<\/b><\/span><b><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Die Trauer zulassen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Traurig zu sein, geh\u00f6rt zu unserem menschlichen Leben genauso wie gl\u00fccklich zu sein. Trauer &#8211; das ist eine normale, ja, im besten Sinne des Wortes sogar eine \u201callt\u00e4gliche\u201d Lebenserfahrung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Allerdings: F\u00fcr jeden einzelnen, von Trauer bewegten Menschen ist diese tiefe seelischen Ersch\u00fctterung alles andere als allt\u00e4glich. Vielmehr wird Trauer als Ausnahme- oder Grenzsituation erfahren; sie gilt als \u201canormale\u201d in dem Sinne, da\u00df sie den vermeintliche normalen Lebensrhythmus st\u00f6rt. Die Folge dieses Verst\u00e4ndnisses von Trauer als einem unnat\u00fcrlichen St\u00f6rfaktor ist der Versuch, die mit der Trauer verbundenen ganz unterschiedlichen Gef\u00fchle so in den Griff zu bekommen, da\u00df sie das \u201cnormale\u201d Leben eben nicht allzu sehr behindert. Doch l\u00e4ngst wissen wir, da\u00df wir ein Recht auf Trauer haben: unterdr\u00fcckte, verdr\u00e4ngte Trauer macht krank &#8211; seelisch und k\u00f6rperlich. Und noch mehr: Traue dar nicht nur, sie mu\u00df erlebt, durchlitten und meist auch gezeigt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">\u201cTrauer zuzulassen\u201d, bedeutet daher auch, einen sehr schweren &#8211; aber viel h\u00e4ufiger, als in der Regel wahrgenommen, vorkommenden &#8211; Lebensabschnitt positiv zu gestalten; positiv f\u00fcr das \u00dcberwinden dieser Phase und f\u00fcr die \u201c neue Zeit danach\u201d. Was hei\u00dft \u201ctrauern\u201d in diesem positiven Sinn? Die Trauer ist ein Schmerz, der immer dann empfunden wird, wenn Menschen einen Verlust erleiden: der Tod eines nahestehenden Angeh\u00f6rigen, eines Freundes l\u00f6st einen solchen Trauerschmerz aus. Grunds\u00e4tzlich aber tritt Trauer keineswegs ausschlie\u00dflich im Zusammenhang mit dem Tod auf. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Die heilende Funkton der Trauer wird heute oftmals weitestgehend \u00fcbersehen. In Gegenteil gilt gerade demjenigen die allgemeine Anerkennung, der sein Traurigkeit verbirgt: So erscheint es erstrebenswert, sich am offenen Grab \u201ctapfer zu halten\u201d, sprich : nicht oder zumindest nicht laut zu weinen oder zuklagen. Auch ein Hinterbliebener, der \u201cgefa\u00dft\u201d auf die Todesnachricht reagiert, erregt Bewunderung. In der Tat kommt Au\u00dfenstehende eine solch verhaltene Reaktion gelegen: Trauernde, die mit ihren Gef\u00fchlen hinter dem viel beschworenen Berg halten &#8211; das hei\u00dft: die nicht offen weinen, klagen aggressiv und ungerecht sind, die nicht t- manchmal bis zur Ersch\u00f6pfung des Zuh\u00f6rers &#8211; \u00fcber den verlorenen Menschen sprechen, Erinnerungen aufw\u00e4rmen usw. , Trauernde also, die noch im Ausname fall von der R\u00fccksichtnahme auf ihre Mitwelt bestimmt sind, wirken auf ihre Umgebung zun\u00e4chst angenehm und \u201cunproblematisch\u201d. Doch weder dem Betroffenen selbst noch den Angeh\u00f6rigen, Freunden oder Gekannte hilft diese \u201cBeherrschung\u201d auf Dauer wirklich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">In anderen Kulturen, vor allem fr\u00fcheren Zeiten, wu\u00dften die Menschen um die Gefahren verdr\u00e4ngter Trauer ebenso wie um die Heilkraft von Riten, in denen Empfindungen oder Trauer ihren vollen Ausdruck fanden:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Das Kulturgut Trauer: Von ganzen Herzen klagen d\u00fcrfen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Die Geschichte der Trauer ist so alt wie die Menschheit selbst. Zeugnisse f\u00fcr die Pflege umfangreicher Trauerbr\u00e4uche sind eindrucksvoll in den Tempeln und Gr\u00e4bern des Alten \u00c4gypten dargestellt oder etwa in den Schriften altgriechischer Philosophen und Dichter. Die \u00fcber Jahrtausende gepflegte Tradition der totenklage und die sich seit Jahrhunderten bew\u00e4hrende \u201cInstitution\u201d der Klageweiber unterstreicht die Bedeutung durchlebter oder besser gesagt: aus-, \u201cheraus\u201d gelebter Trauer. Allerdings setzt die quasi \u00f6ffentliche Pflege von Zeremonien wie der Totenklage ein Verh\u00e4ltnis zum Tod voraus, das heute kaum mehr auffindbar ist: ein offenes Annehmen des Todes &#8211; als Bestandteil des Lebens n\u00e4mlich. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Im Gegensatz dazu z\u00e4hlt der Tod heute vielfach zu den gesellschaftlichen Tabus, zu den Themen also, \u201c\u00fcber die man nicht spricht\u201d.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">In unser vermeintlich hoch entwickelten, zivilisierten Kultur pr\u00e4gen die Ablehnung des Todes und das Nichtwahr-haben-Wollen seine letztendlich immer siegenden \u00dcbermacht auf die Art und Weis des Trauern. Die medizinischen Mitte, die der Mensch einsetzt, um den Tod auszuweichen, sind immens. So hochentwickelt die Gesellschaft des 20 Jahrhunderts mithin auf anderen Gebieten sein mag. das Kulturgut Trauer ist ihr verlorengegangen. \u201cVon ganzen Herzen klagen zu d\u00fcrfen\u201d ist daher leider kein allgemein anerkannter Ausdruck von Trauerf\u00e4higkeit, aber: \u201cVon ganzem Herzen klagen zu d\u00fcrfen\u201d ist ein notwendige Voraussetzung f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung einer enormen seelischen Ersch\u00fctterung.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus \u201cJa\u201d zur Trauer, hei\u00dft \u201cja\u201d zum Leben, Hrg. S\u00f6nke Kriebel Die Trauer zulassen Traurig zu sein, geh\u00f6rt zu unserem menschlichen Leben genauso wie gl\u00fccklich zu sein. Trauer &#8211; das ist eine normale, ja, im besten Sinne des Wortes sogar eine \u201callt\u00e4gliche\u201d Lebenserfahrung. 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