{"id":521,"date":"2015-04-25T14:49:18","date_gmt":"2015-04-25T12:49:18","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=521"},"modified":"2015-05-02T14:49:47","modified_gmt":"2015-05-02T12:49:47","slug":"fruehtod-schattendasein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=521","title":{"rendered":"\u201cFr\u00fchtod\u201d &#8211; Schattendasein"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"><b>von Mag. Christine Fleck-Bohaumilitzky <\/b><\/span><b><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Der Tod am Beginn des Lebens f\u00fchrt im Ansehen unserer Gesellschaft ein Schattendasein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Wenn vom Tod eines Kindes die Rede ist, gelten die Aufmerksamkeit und das Mitgef\u00fchl meist jenen Eltern, die ihre Kinder durch eine Krankheit oder einen Unfall verloren haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Jedes Jahr sterben in Deutschland 4500 Kinder w\u00e4hrend der ersten Wochen oder gar in den ersten Stunden nach der Geburt. Ungef\u00e4hr 2500 Kinder kommen tot zur Welt. Jedes Jahr erleiden sch\u00e4tzungsweise 450 000 Frauen eine Fehlgeburt.- Von diesen Schicksalen spricht kaum jemand!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Der Tod im Mutterleib und das Sterben kurz nach der Geburt werden meistens totgeschwiegen, man spricht von einem Mi\u00dfgeschick, von einer Fehlleistung der Natur. Durch eine neue Schwangerschaft k\u00f6nne das alles wieder wettgemacht werden. Es wird oft nicht wahrgenommen, da\u00df Familien F\u00f6ten, Embryos und Totgeborene genauso betrauern wie andere Kinder auch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Die moderne medizinische Versorgung in den Geburtskliniken Deutschlands steht oft in krassem Widerspruch zur seelischen Begleitung, die Eltern von fehl-, fr\u00fch- oder totgeborenen Kindern erfahren, besser gesagt nicht erfahren. Die Entbindung des Todes ist f\u00fcr viele \u00c4rzte und Hebammen eine narzi\u00dftische Kr\u00e4nkung, die schnell wieder ungeschehen gemacht werden soll.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Viele Frauen und M\u00fctter mit Fehl- und Totgeburten f\u00fchlen sich schuldbewu\u00dft, weil sie als Tr\u00e4gerinnen des Lebens versagt haben. Sie sind f\u00fcgsam und stellen keine Fragen. Meist wollen sie schnell und schmerzlos den Tod im eigenen Leib loswerden , um ihn zu vergessen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Die qu\u00e4lenden Fragen, die Selbstvorw\u00fcrfe, die Schuldgef\u00fchle, die Trauer kommen erst sp\u00e4ter, zu einem Zeitpunkt, wo es meist zu sp\u00e4t ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Was war mit meinem Kind? Was ist mit ihm geschehen? Ist es in der Pathologie? Ist es \u201cmedizinischer Sonderm\u00fcll\u201d? Den Variationen der Alptr\u00e4ume um einen Tod am Anfang des Lebens sind keine Grenzen gesetzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">In einer Zeit, in der oft vom \u201cSchutz\u00a0 und von der W\u00fcrde des ungeborenen Lebens\u201d die Rede ist, bilden trauerfeindliche Bestattungsgesetze einen krassen Gegensatz. Wenn Frauen nach einer gl\u00fccklosen Schwangerschaft rechtzeitig zum Fragen ermutigt w\u00fcrden, wenn Frauen auch diesen verlorenen Kindern einen Grabplatz geben d\u00fcrften, k\u00f6nnten sie ihre gestorbenen Hoffnungen besser betrauern und begraben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Wenn ein Kind um die Geburt herum stirbt, stellte sich f\u00fcr die in der Geburtshilfe T\u00e4tigen die besondere Aufgabe der Begleitung der Geschwister und der Eltern. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn sie den Eltern Weggef\u00e4hrten auf einem schmerzhaften St\u00fcck ihres Lebensweges w\u00e4ren. Die Eltern und Geschwister brauchen in dieser Zeit besonders menschliche W\u00e4rme, Kontakt und tiefes Interesse. F\u00fcr die begleitenden Menschen ist es oft schwierig, mit den Trauernden umzugehen, da ihre eigene Trauer anger\u00fchrt werden kann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Bei \u00c4rzten, Hebammen und Krankenschwestern bleibt oft ein Gef\u00fchl von Unverm\u00f6gen, weil sie nicht in der Lage waren, das Leben des Kindes zu retten. F\u00fcr sie ist es dann wichtig, \u00fcber ihre Schuldgef\u00fchle zu reden und sich bewu\u00dft zu machen, da\u00df sie alles in ihrer Macht Stehende getan haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Wichtig\u00a0 ist es, da\u00df die Eltern in einer liebevoll und w\u00fcrdevoll gestalteten Atmosph\u00e4re von ihrem Kind Abschied nehmen k\u00f6nnen &#8211; was leider nicht immer geschieht. Eine brennende Kerze im Raum und eine Blume k\u00f6nnen f\u00fcr die Eltern sehr viel bedeuten. Die Eltern, Geschwister, vielleicht auch Gro\u00dfeltern, andere Verwandte und Freunde brauchen viel Zeit, um von dem toten Kind Abschied zu nehmen, um es zu sehen, zu ber\u00fchren und im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Der perinatale Tod eines Kindes ist eine tiefgreifende Krisenerfahrung f\u00fcr die Eltern. Es ist wichtig f\u00fcr sie, ihre Trauer ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, wie z. B. durch Weinen, Schreien, durch Sich-zur\u00fcck-Ziehen, &#8230; .<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Namensgebung und Erinnerungsst\u00fccke<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Wichtig ist es auch, da\u00df die Eltern gefragt werden, welchen Namen sie ihrem Kind gegeben haben. Die Namensgebung symbolisiert die Anerkennung des gestorbenen Kindes als Individuum. Mit dem Aussprechen des Namens kann oft auch der Tod des Kindes als ein Verlust benannt werden. Bedauerlich ist bislang bei Totgeburten, da\u00df staatliche Urkunden das Kind ohne Namen lassen, es wird lediglich \u201cTotgeburt m\u00e4nnlich \/ weiblich\u201d in die Urkunde eingetragen. Das zur Zeit geltende Personenstandsgesetz besagt:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Totgeborene Babys unter 500 g gelten als Fehlgeburten und werden standesamtlich nicht registriert. Totgeborene Babys \u00fcber 500 g werden ins Sterbebuch eingetragen, erhalten jedoch keine Geburtsurkunde, keine Sterbeurkunde, nur eine Todesbescheinigung. Bis zum 30.06.1998 enthielt diese keine Namensangabe, nur den Vermerk, ob dieses Kind m\u00e4nnlich oder weiblich war. Seit dem 01.07.1998 werden auch totgeborenen Kinder ins Geburtsbuch, und auf Antrag der Eltern mit Vornamen, eingetragen (Vgl. Merkblatt von RAin Lehmitz).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Hingewiesen werden soll in hier auch auf die M\u00f6glichkeit im Raum der katholischen Kirche, ein zumindest kirchliches offizielles Dokument zu bekommen, das die Existenz und auch den Namen des Kindes festh\u00e4lt und \u00f6ffentlich w\u00fcrdigt. Ein Eintrag ins Sterbebuch der Pfarrei [beim jeweiligen Jahrgang des Sterbefalls als \u201cEintrag ohne laufende Nummer\u201d] ist hier ohne Schwierigkeit\u00a0 &#8211; auch noch viel sp\u00e4ter &#8211; m\u00f6glich: Er kann Grundlage eines offiziellen Auszugs aus dem Sterbebuch sein, der vom Pfarrer mit Siegel und Unterschrift beglaubigt werden kann. (Information v. Msrg. Ludwig R\u00f6hrl, Matrikelamt M\u00fcnchen)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Beim fr\u00fchen Tod eines Kindes gibt es wenige Gegenst\u00e4nde, die die Eltern an ihr verstorbenes Kind erinnern. Solche Erinnerungsgegenst\u00e4nde k\u00f6nnen eine gro\u00dfe Hilfe f\u00fcr die Eltern sein, um den sonst unsichtbaren Tod des Kindes sichtbar werden zu lassen. In der Klinik k\u00f6nnte viel dazu beigetragen werden, da\u00df die Eltern solche Symbole bekommen. Es kann eine Hilfe sein, Eltern zu fragen, ob sie ein Foto von ihrem Kind haben m\u00f6chten (bzw. eines zu machen und aufzubewahren &#8211; f\u00fcr den Fall, da\u00df Eltern sp\u00e4ter danach fragen). Es gibt noch andere Erinnerungsst\u00fccke, die den Eltern mitgegeben werden k\u00f6nnen, wie z. B. eine Haarlocke des Kindes, das Namensarmband oder ein Hand- und Fu\u00dfabdruck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Beerdigung und Grab \u2014 Orte der Trauer<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Wichtig ist, da\u00df Eltern Hilfen f\u00fcr die Gestaltung der Beerdigung erhalten. Nicht selten ist der Tod ihres Kindes, der erste, den sie im engeren Familienkreis erleben, so da\u00df sie \u00fcber die Gestaltungs- und Wahlm\u00f6glichkeiten bei einer Begr\u00e4bnisfeier nicht informiert sind. Wichtig ist, die Geschwister zu fragen, ob sie an der der Beerdigung teilnehmen m\u00f6chten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">F\u00fcr die Eltern ist es hilfreich, wenn sie in passender Weise darauf hingewiesen werden, wie wichtig ein Grab als Ort der Trauer sein kann. Das Kind sollte m\u00f6glichst nicht anonym bestattet werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Das Bed\u00fcrfnis, den Ort zu kennen an dem das Kind begraben ist, wird von vielen Eltern benannt. Und diejenigen Eltern, deren Kind nicht bestattet wurde, suchen oft viele Jahre sp\u00e4ter nach einem Ort f\u00fcr ihre Trauer. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Einige Beispiele f\u00fcr positive Erfahrungen im Bereich \u201cOrte der Trauer\u201d:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Eltern in Braunschweig haben im Herbst 1993 eine Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr totgeborene Kinder gestaltet, die sie als einen \u201cOrt zum Trauern und zum Abschiednehmen\u201d sehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">In Augsburg gibt es seit dem 28. September 1994 dank der \u201cInitiative Kindergrab am Augsburger Hermanfriedhof\u201d ein eigenes Grabfeld, das von der katholischen Gesamtkirchengemeinde zur Verf\u00fcgung gestellt wurde, um die Bestattung von Kindern, die durch Fehlgeburt, Totgeburt oder fr\u00fches Sterben in der Neugeborenenzeit ums Leben kommen, zu erm\u00f6glichen. Auch wird hier in besonderer Weise auf individuelle Situationen eingegangen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Die Stadt Kempten hat 1996 zwei Grabfelder f\u00fcr totgeborene Kinder bzw. gestorbene Fr\u00fchgeburten .<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Seit dem 1. April 1994 ist die Grenze des Geburtsgewichtes von totgeborenen Kindern, ab dem sie bestattet werden m\u00fcssen, von 1000 g auf 500 g herabgesetzt worden. Dies bedeutet, da\u00df viele Eltern nun ohne die bisher notwendige \u00dcberwindung von b\u00fcrokratischen Hindernissen ihre Kinder beerdigen k\u00f6nnen. Auch Kinder, die weniger als 500 g wiegen, k\u00f6nnen bestattet werden, dazu bedarf es je nach Bundesland verschiedener Bescheinigungen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">In Bayern ist die gesetzliche Regelung [Gesetz zur \u00c4nderung des Bayerischen Bestattungsgesetzes vom 10. August 1994 &#8211; GVBl S.770] ebenso ge\u00e4ndert worden, da\u00df totgeborene Kind ohne R\u00fccksicht auf ihr Gewicht bestattet werden k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Hier zeigt sich aber oft, da\u00df Eltern in ihrer Situation weder das Wissen um diese Regelung haben, noch die Kraft sie f\u00fcr ihr Kind &#8211; und auch f\u00fcr sich und ihre Trauer einzufordern<\/span>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Mag. Christine Fleck-Bohaumilitzky Der Tod am Beginn des Lebens f\u00fchrt im Ansehen unserer Gesellschaft ein Schattendasein. Wenn vom Tod eines Kindes die Rede ist, gelten die Aufmerksamkeit und das Mitgef\u00fchl meist jenen Eltern, die ihre Kinder durch eine Krankheit oder einen Unfall verloren haben. 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