{"id":658,"date":"2015-04-24T20:47:06","date_gmt":"2015-04-24T18:47:06","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=658"},"modified":"2015-05-02T20:49:01","modified_gmt":"2015-05-02T18:49:01","slug":"abschied-von-baby-mose-welt-online","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=658","title":{"rendered":"Abschied von Baby Mose Welt online"},"content":{"rendered":"<p>Sichtlich ber\u00fchrt blicken die Trauerg\u00e4ste auf den gerade 60 Zentimeter langen Kindersarg in der Kapelle des Friederikenstifts in Hannover. Als dann die evangelische Landesbisch\u00f6fin Margot K\u00e4\u00dfmann die bewegende Trauerrede f\u00fcr Mose h\u00e4lt, der Anfang Januar tot vor einer Babyklappe gefunden wurde, kommen einigen die Tr\u00e4nen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_659\" aria-describedby=\"caption-attachment-659\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kassmann.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-659\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kassmann.jpg\" alt=\"Ein Bestatter tr\u00e4gt den kleinen Sarg. Neben ihm Margot K\u00e4\u00dfmann. Sie hielt die Trauerfeier in Hannover Foto: AP\" width=\"470\" height=\"313\" srcset=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kassmann.jpg 470w, http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Kassmann-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-659\" class=\"wp-caption-text\">Ein Bestatter tr\u00e4gt den kleinen Sarg. Neben ihm Margot K\u00e4\u00dfmann. Sie hielt die Trauerfeier in Hannover<br \/>Foto: AP<\/figcaption><\/figure>\n<p>K\u00e4\u00dfmann hatte den Sarg und das Blumengebinde selbst ausgesucht. Unter dem Deckel aus Kiefernholz liegt der in ein Frotteetuch eingewickelte Leichnam des S\u00e4uglings, neben ihm ein weinender Engel. Am Freitag ist Mose in einem Gr\u00e4berfeld f\u00fcr Kinder beigesetzt worden. \u201eSo wird er unter Kindern zumindest im Tod geborgen sein\u201c, sagt K\u00e4\u00dfmann.<\/p>\n<p>\u201eWir nehmen Abschied von einem kleinen Menschenkind, dessen kurzer Lebensweg uns alle aufgeschreckt und ersch\u00fcttert hat\u201c, sagt K\u00e4\u00dfmann vor etwa 80 Trauerg\u00e4sten, darunter zahlreiche Pfleger, Ordensleute und \u00c4rzte. Dieser ersch\u00fctternde Tod zum Beginn des neuen Jahres sei eine Mahnung an alle, f\u00fcr die Kleinen einzutreten, ihnen beizustehen, damit keines verloren werde. Auch die Mutter schloss K\u00e4\u00dfmann in ihr Gebet ein. \u201eTr\u00f6ste sie, wenn die Tage f\u00fcr sie trostlos sind\u201c, bat sie. Sie hofft, dass die Mutter des kleinen Mose mit dem Grab einen Ort hat, \u201ean dem sie trauern kann, sollte sie ihn je suchen.\u201c mehr<\/p>\n<p>Spielzeug auf dem Friedhof<\/p>\n<p>Das Grab ist eines unter vielen. Auf dem Friedhof im Ortsteil St\u00f6cken sind S\u00e4uglinge begraben, die noch w\u00e4hrend der Schwangerschaft oder als Fr\u00fchgeborene starben. Auf dem Gr\u00e4berfeld liegt Spielzeug neben einer liebevoll gestalteten winzigen Waldnachbildung mit Tieren und einem Schneemann. Ehe die Grabstelle von Mose geschlossen wird, wirft Margot K\u00e4\u00dfmann eine wei\u00dfe Rose auf den Sarg hinab. Zuvor hatte sie sich pers\u00f6nlich am offenen Sarg von Mose verabschiedet. \u201eDas kleine Gesicht, das nach Erfrieren und Obduktion fast friedlich aussah, eingeh\u00fcllt in ein gr\u00fcnes Frotteetuch, werde ich nicht vergessen.\u201c<\/p>\n<p>Die Landesbisch\u00f6fin hat in den vergangenen Tagen das Schicksal des kleinen Jungen sehr bewegt. Sie ist Schirmherrin des f\u00fcr die Babyklappe zust\u00e4ndigen Hilfsnetzwerkes \u201eMirjam\u201c. Die Hintergr\u00fcnde der Trag\u00f6die sind indes noch unklar. M\u00f6glich sei auch, dass ihn jemand in das rettende Babyk\u00f6rbchen legen wollte und daran gehindert wurde, durch eine St\u00f6rung oder einen mechanischen Defekt, sagte K\u00e4\u00dfmann in ihrer Trauerrede.<br \/>\nBedienung der Babyklappen einfacher machen<\/p>\n<p>Sie will sich mit den Betreibern und Herstellern in den kommenden Tagen zusammensetzen, um die Bedienung der Babyklappen noch einfacher zu machen. Ein Gutachten von Experten des Landeskriminalamtes und der Dekra hatte ergeben, dass sich die Babyklappe nicht entsprechend der Anleitung \u00f6ffnen lie\u00df. Ein zweites Gutachten ist bereits beantragt. Noch ist aber unklar, ob der erst wenige Stunden zuvor geborene Junge auf den eiskalten Stufen vor der Babyklappe gestorben ist, oder vorher bereits tot war.<\/p>\n<p>http:\/\/www.welt.de\/hamburg\/article1542514\/Abschied_vonbrBaby_Mose.html<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">11. Januar 2008, 15:17 Uhr<br \/>\nVon Andre Jahnke<\/p>\n<h2 align=\"CENTER\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"><b>Anprache der Landesbisch\u00f6fin zu Matth\u00e4us 18, Vers\u00a0 14<\/b><\/span><b><\/b><\/h2>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Friederikenstift und Friedhof St\u00f6cken am 11.01.2008<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Liebe Gemeinde,<br \/>\nWir m\u00fcssen heute Abschied nehmen von einem kleinen Jungen, den keiner von uns kannte. Ja, auch seine Eltern, seine Herkunft kennen wir nicht. Und doch hat dieses Kind in den vergangenen Tagen die Herzen vieler Menschen bewegt. Ich habe das gesp\u00fcrt, als jemand anrief und die Bestattung ausrichten wollte, als Menschen Blumen spenden wollten, als jemand angeboten hat, ihm einen Grabstein zu gestalten. Dieses Kind hat Herzen bewegt und Mitmenschlichkeit, ja Liebe zutage treten lassen mitten in allem Entsetzen \u00fcber seinen Tod.<\/span><\/p>\n<p>Im Matth\u00e4usevangelium sagt Jesus: \u201eAlso ist\u00b4s auch bei eurem Vater im Himmel nicht der Wille, dass eins von diesen Kleinen verloren werde\u201c. Immer wieder ist erstaunlich, dass Jesus in einer Gesellschaft, in der Kinder rechtlos waren, ihre W\u00fcrde in den Mittelpunkt stellt. Er sieht sie geradezu als Vorbild. Als Vorbild vor allem, weil sie sich ganz und gar der Liebe Gottes anvertrauen. Ja, weil sie ganz und gar auf Gott und die Liebe der Menschen angewiesen sind.<br \/>\nEin solcher Tod eines v\u00f6llig hilflosen Kindes treibt uns um. Wie konnte Gott das zulassen? Warum war die Mutter derart verzweifelt. Wieso wurde es nicht durch warme Kleidung vor der K\u00e4lte bewahrt?<br \/>\nIch bin \u00fcberzeugt, Gott wollte dieses Kind sch\u00fctzen, ja wollte, dass wir dieses Kind bergen k\u00f6nnen. Keines soll verloren gehen! Das ist immer wieder unser Auftrag, unsere Herausforderung. Dieser ersch\u00fctternde Tod zum Beginn des neuen Jahres ist eine Mahnung an uns alle, f\u00fcr \u201edie Kleinen\u201c einzutreten, ihnen beizustehen, damit keines verloren werde.<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, was sich zugetragen hat in jener Nacht. Viele von uns stellen sich Fragen: War er schon tot, als er abgelegt wurde? Hat ihn jemand in der K\u00e4lte dem Erfrieren \u00fcberlassen? Oder wollte ihn jemand in das rettende Babyk\u00f6rbchen legen und ist daran gehindert worden durch eine St\u00f6rung oder einen mechanischen Defekt? Alle diese Vorstellungen sind ersch\u00fctternd. Wir k\u00f6nnen sie nicht beschwichtigen. Wir k\u00f6nnen sie nicht nachweisen. Sie bleiben zur Zeit Spekulation. Aber sie m\u00fcssen uns dr\u00e4ngen, noch energischer f\u00fcr M\u00fctter und ihre Kinder einzutreten.<\/p>\n<p>Gestern Nachmittag haben wir im kleinsten Kreis am offenen Sarg Abschied genommen. F\u00fcr mich war das ein bewegender Moment. Denn es wurde klar: da geht es nicht um den \u201etoten S\u00e4ugling\u201c, da geht es um einen kleinen Menschen, der gern gelebt h\u00e4tte, der ein Gesicht hat, der in seinem so furchtbar kurzen Leben so viel erlitten hat. Das kleine Gesicht, das nach Erfrieren und Obduktion fast friedlich aussah eingeh\u00fcllt in ein gr\u00fcnes Frotteetuch werde ich nicht vergessen.<\/p>\n<p>Am letzten Sonntag habe ich ihn Mose genannt. Nein, dieser Name ist nicht eingetragen. Dieses Kind hat kein Stammbuch. Doch es sollte gerettet werden wie der kleine Mose in der biblischen Geschichte, den seine Mutter in h\u00f6chster Gefahr einem kleinen K\u00f6rbchen anvertrautet. Aber keine Mirjam konnte mehr f\u00fcr unseren Mose hier im Sarg sorgen. Als rettende H\u00e4nde ihn fanden, war er bereits tot.<\/p>\n<p>Wir haben Mose einen Engel in seinen Sarg gelegt. Ein Engel ist auch auf dem Vorderbild unseres Liedblattes abgedruckt. Er sitzt ist in der Krypta der Stiftskirche zu Fischbeck auf dem Fenstersims zu finden. Und er weint. Urspr\u00fcnglich sa\u00df er auf einem Kindersarg der Familie der Grafen zu Schaumburg. Der weinende Engel &#8211; er weint mit uns um das unvollendete, das Zerbrochene im Leben. Er weint mit uns um dieses Kind.<\/p>\n<p>Ich denke, auch Gott weint mit uns um dieses Kind. Wenn wir es heute w\u00fcrdig bestatten, kommen wir einer Christenpflicht nach. F\u00fcr uns endet die W\u00fcrde des Menschen nicht mit dem Tod. Wir glauben, dass der Name dieses kleinen Jungen, der auf so entsetzliche Weise ums Leben kam, bei Gott in das Buch des Lebens eingeschrieben ist. Wir k\u00f6nnen den kleinen Mose auf einem Gr\u00e4berfeld f\u00fcr Kinder beisetzen, die noch in der Schwangerschaft starben oder als Fr\u00fchgeborene, als Kinder, die bereits geborgen waren in einer Familie. So wird er unter Kindern zumindest im Tod geborgen sein. So wird auch seine Mutter einen Ort haben, an dem sie um ihn trauern kann, wenn sie je diesen Ort sucht.<br \/>\nIm Christentum geh\u00f6rte es von Anfang an dazu, Menschen w\u00fcrdig zu bestatten. Schon Josef von Arimath\u00e4a stellt in der biblischen Erz\u00e4hlung sein Grab zur Verf\u00fcgung, damit Jesus mit W\u00fcrde bestattet werden kann nach diesem so grauenvollen Sterben. Im Urchristentum galt als Kennzeichen, dass jeder, auch der Sklave, die Rechtlose von der Gemeinde, zu der sie geh\u00f6rten, eine solche Bestattung erhielt. Sie gilt als siebtes Werk der Barmherzigkeit Es geh\u00f6rt in christlicher Tradition zu unseren Pflichten, auch unbekannte Tote zu waschen, zu kleiden und zu bestatten.<\/p>\n<p>So wollen wir den kleinen Mose nun begleiten auf dem Weg zu der Geborgenheit in Gottes Liebe mit aller Trauer, dass wir ihm diese Liebe unter uns Menschen nicht geben konnten. Gott weint mit uns. Der Engel weint mit uns. Wir weinen um dieses Kind. Wir vertrauen es der Barmherzigkeit Gottes an, der seinen Namen kennt.<br \/>\nAmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sichtlich ber\u00fchrt blicken die Trauerg\u00e4ste auf den gerade 60 Zentimeter langen Kindersarg in der Kapelle des Friederikenstifts in Hannover. Als dann die evangelische Landesbisch\u00f6fin Margot K\u00e4\u00dfmann die bewegende Trauerrede f\u00fcr Mose h\u00e4lt, der Anfang Januar tot vor einer Babyklappe gefunden wurde, kommen einigen die Tr\u00e4nen. K\u00e4\u00dfmann hatte den Sarg und das Blumengebinde selbst ausgesucht. 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