{"id":677,"date":"2015-05-03T17:16:09","date_gmt":"2015-05-03T15:16:09","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=677"},"modified":"2015-05-03T17:16:43","modified_gmt":"2015-05-03T15:16:43","slug":"folgeschwangerschaft-florian","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=677","title":{"rendered":"Folgeschwangerschaft &#8211; Florian"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><b>von Kathrin Demleitner<\/b><b><\/b><\/p>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"><b>Er geh\u00f6rt zu uns<\/b><\/span><b><\/b><\/p>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Allerheiligen. Die katholische Kirche gedenkt ihrer Verstorbenen. Gleichzeitig beginnt mit dem ersten November jene graue, tr\u00fcbe, nasskalte Zeit, die so auf das Gem\u00fct schl\u00e4gt &#8211; Totenmonat eben.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Ich stehe am Grab meines Sohnes. Ich bin schwanger, an meiner Hand unser gut einj\u00e4hriges \u201eNachfolgebaby\u201c. Der Herr gibt, der Herr nimmt &#8211; wer k\u00f6nnte die Worte des Pfarrers besser nachempfinden als ich? Maximilian ist gestorben, als er eigentlich anfangen sollte zu leben. In der 41. Schwangerschaftswoche, genau drei Tage nach dem errechneten Geburtstermin, war er tot. Keine Herzt\u00f6ne mehr, kein Zappeln mehr in meinem Bauch, nichts. Ausgerechnet die Nabelschnur, lebensnotwendig f\u00fcr den kleinen Mensch, hat dieses sein Leben beendet, zog sich zu um seinen Hals. F\u00fcr meinen Mann und mich hat unser Kind gelebt, auch wenn es tot zur Welt kam. Er war diese 40 Wochen lang Teil unseres Lebens, unserer Gef\u00fchle und Gedanken. Er war unsere Hoffnung, unsere Zukunft. Mit ihm starb ein Teil dieser Hoffnung und Zukunft, vor allem starb das Vertrauen, das Gedankenlose, die vermeintliche \u201eEs-wird-schon-gut-gehen\u201c-Sicherheit. Wir haben um das M\u00e4xchen getrauert, jeder auf seine Art. Wir haben den Schmerz gesp\u00fcrt und aushalten m\u00fcssen, die Leere, die Sehnsucht, die Wut. Auch heute noch, nach fast drei Jahren &#8211; ist es wirklich schon so lange her? &#8211; gibt es Momente der unendlichen Trauer, manchmal v\u00f6llig ohne jeden \u00e4u\u00dferen Anla\u00df. Das M\u00e4xchen und sein Tod geh\u00f6ren zu unserem Leben dazu, er geh\u00f6rt zu uns.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Allerheiligen ist der Tag, den wir seinem Andenken gewidmet haben. Ein bisschen bunter und fr\u00f6hlicher als \u00fcblich versuchen wir, das Grab zu gestalten &#8211; aber kann es ein kindgerechtes Grab \u00fcberhaupt geben? Ich empfinde das einfach nur als eine Grausamkeit.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Letztes Jahr im Sommer, eineinhalb Jahre nachdem wir das M\u00e4xchen verloren hatten, ist Florian geboren, gesund und munter, und doch hat auch er etwas von unserer, meiner Trauer mitbekommen. Er hat mit mir \u00fcber drei\u00dfig Vorsorgeuntersuchungen mitgemacht, er hat meine Angst vor einer notwendigen Penicillinbehandlung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten gesp\u00fcrt, er hat das permanente Hineinhorchen und Warten auf auch nur allerkleinste Bewegungen erlebt, er ist in einer dauernden Anspannung in meinem Bauch gewachsen. Als Florian dann endlich da war &#8211; wieder eine Woche zu sp\u00e4t! &#8211; ist zwar nat\u00fcrlich viel von dieser Angst, es k\u00f6nnte wieder etwas schief gehen, von mir abgefallen, aber die Angst um mein Kind ist mir geblieben. Was gibt es da schlie\u00dflich nicht noch alles: Herzfehler, Lungensch\u00e4den, bislang noch unzureichend erforschte Enzym- und Stoffwechselkrankheiten, Gendefekte, pl\u00f6tzlicher Kindstod&#8230; Ich musste erst wieder zu mir selbst und dann zu meinem lebenden Kind finden, bevor ein weitgehend angstfreies, entspanntes und harmonisches Miteinander m\u00f6glich war. Heute, bei der zweiten \u201eFolgeschwangerschaft\u201c, wird mir klar, wir sehr unter Druck alle Beteiligten von Anfang an bei Florians Entstehen und Wachsen waren. Alleine schon bis ich \u00fcberhaupt wieder schwanger war, war eine unglaublich belastende Zeit, die Schwangerschaft selbst war neben dem psychischen Stress nach der Totgeburt alles andere als komplikationslos &#8211; ich bin froh, dass wir diese Zeit \u00fcberstanden haben, dass wir sie letztendlich gut \u00fcberstanden haben.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Jetzt bin ich das dritte Mal schwanger. V\u00f6llig ungeplant hat sich dieses Kind in unser Leben geschmuggelt. Zwar wollten wir noch ein drittes Kind, aber nicht so schnell. Ich wollte, nachdem Florian abgestillt war, erst wieder ein wenig Zeit f\u00fcr mich selber haben, vor allem auch k\u00f6rperlich hatte ich mich auf eine Ruhephase eingestellt. Florian war ein sehr anstrengendes Baby, erst nachdem ich krank geworden war, haben wir wirklich eingegriffen. Diese neue Situation, in der wir alle viel zufriedener waren und es nach wie vor sind, wollte ich erst einmal ein bisschen genie\u00dfen, mit dem Florian zusammenwachsen und mich dann auf ein neues Kind einstellen. Da war ich dann schon wieder schwanger. Erst wollte ich es gar nicht wahrhaben, inzwischen freue ich mich so auf den Zwerg, dass ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen kann. Und die Schwangerschaft selber war bisher auch so grundverschieden von den vorhergehenden, dass ich richtig zuversichtlich bin. Nat\u00fcrlich habe ich auch um dieses Kind Angst, je n\u00e4her der Termin r\u00fcckt, um desto mehr, aber zum einen lenkt der Florian so ab, fordert seine Rechte und Bed\u00fcrfnisse ein, dass meine Schwangerschaft eher nebenbei und viel selbstverst\u00e4ndlicher stattfindet, zum anderen ist der kleine Mann selbst ja das tagt\u00e4gliche Beispiel f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Ende. Komplikationen gab es bisher auch keine, ich nehme \u201enur\u201c die \u00fcblichen Vorsorgeuntersuchungen, allerdings immer mit Ultraschall, wahr &#8211; manchmal denke ich, dass das dicke Ende schon noch kommen wird, denn bei dem M\u00e4xchen hatte ich auch eine vollkommen reibungslose Schwangerschaft hinter mir und nicht sozusagen schon etwas \u201eabgeleistet\u201c wie bei dem Florian. An Solche mehr oder weniger idiotischen Gedanken lernt man, sich zu gew\u00f6hnen, weil sie einfach immer wieder kommen. Auch das geh\u00f6rt dazu.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Ich stehe an M\u00e4xchens Grab. In mir ist eine merkw\u00fcrdige Mischung aus Trauer, Schmerz, Angst, Hoffnung, Freude und sogar einem kleinen St\u00fcck Vertrauen. Ich wei\u00df nicht, ob ich den Tod meines Kindes verarbeitet habe, ob ich dar\u00fcber hinweg bin, wie man so sagt. Ich wei\u00df nur, dass ich trotz der immer wiederkehrenden Trauer meinen Frieden damit gemacht habe, dass mein Sohn eben nicht neben mir steht und meine Hand h\u00e4lt, sondern wir ihn hier beerdigt haben. Geblieben ist meine Liebe und Sehnsucht nach ihm, ein St\u00fcck Leere und ein sehr gro\u00dfes Bewusstsein um das Geschenk des Lebens. Mein Leben ist ein anderes, ich bin eine Andere, seit ich meinen Sohn tot zur Welt gebracht habe &#8211; und seit ich meinen zweiten Sohn lebend geboren habe. Ich wei\u00df auch nicht, warum das alles so passiert ist, wie es passiert ist, aber ich bin sicher, dass ein tieferer Sinn dahintersteckt, ohne dass ich in der Lage bin, ihn zu erkennen.<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"><b>F\u00a0 <\/b>reude: endlich bist Du da<br \/>\n<b>L\u00a0 <\/b>iebe<br \/>\n<b>O\u00a0 <\/b>hne Angst geht es nicht<br \/>\n<b>R\u00a0 <\/b>uhe ist ein Fremdwort<br \/>\n<b>I\u00a0 \u00a0 <\/b>ch mu\u00df Dich und mich erst finden<br \/>\n<b>A\u00a0 <\/b>nfang<br \/>\n<b>N\u00a0 <\/b> ie vergesse ich das M\u00e4xchen\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/span><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">November 2000<\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"><b>F\u00a0 <\/b>reude w\u00e4chst<br \/>\n<b>o\u00a0 <\/b>hne \u00dcberhand zu gewinnen<br \/>\n<b>L\u00a0 <\/b>iebe f\u00e4ngt an<br \/>\n<b> G\u00a0 <\/b>r\u00f6sser zu werden<br \/>\n<b>E\u00a0 <\/b>rinnerungen werden wach:<br \/>\n<b>S\u00a0 <\/b>o war`s beim M\u00e4xchen auch<br \/>\n<b>C\u00a0 <\/b>ourage manchmal<br \/>\n<b>H\u00a0 <\/b>offnung immer<br \/>\n<b>W\u00a0 <\/b>issen<br \/>\n<b> A\u00a0 <\/b>bsolute Sicherheit gibt es nicht<br \/>\n<b>N\u00a0 <\/b>ie verzweifeln<br \/>\n<b>G\u00a0 <\/b>l\u00fcck gibt es auch f\u00fcr uns<br \/>\n<b>E\u00a0 <\/b>in Kind, eine<br \/>\n<b>R\u00a0 <\/b>ichtige Familie<br \/>\n<b>S\u00a0 <\/b> cheint Wirklichkeit werden zu k\u00f6nnen, die<br \/>\n<b>C\u00a0 <\/b>hancen stehen gut, sagen die \u00c4rzte<br \/>\n<b>H\u00a0 <\/b>elfen mit eindeutigen Untersuchungsergebnissen<br \/>\n<b>A\u00a0 <\/b>ber das Aber bleibt<br \/>\n<b>F\u00a0 <\/b>ingerzeige immer noch auf den<br \/>\n<b>T\u00a0 <\/b> od \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/span><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\"> \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 26.01.1999<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kathrin Demleitner Er geh\u00f6rt zu uns \u00a0 Allerheiligen. 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