{"id":702,"date":"2015-05-03T18:01:09","date_gmt":"2015-05-03T16:01:09","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=702"},"modified":"2015-05-03T18:01:09","modified_gmt":"2015-05-03T16:01:09","slug":"joseph-von-eichendorff","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=702","title":{"rendered":"Joseph von Eichendorff"},"content":{"rendered":"<p>Im April 1815 hatte Eichendorff in Breslau Luise von Larisch geheiratet, noch im gleichen Jahr wurde sein erster Sohn Hermann geboren, 1817 der zweite Sohn Rudolf, 1819 die Tochter Therese und 1821 die Tochter Agnes, die jedoch im folgenden Jahr starb.<\/p>\n<p><b><span style=\"font-family: Arial Baltic,sans-serif;\">Auf meines Kindes Tod<\/span><\/b><\/p>\n<p>Das Kindlein spielt drau\u00dfen im Fr\u00fchlingsschein<br \/>\nUnd freut sich und hatte so viel zu sehen,<br \/>\nWie die Felder schimmern und die Str\u00f6me gehen<br \/>\nDa sah der Abend durch die B\u00e4ume herein,<br \/>\nder alle die sch\u00f6nen Bilder verwirrt.<br \/>\nUnd wie es nun ringsum so stille wird,<br \/>\nBeginnt aus den T\u00e4lern ein heimlich Singen,<br \/>\nAls wollt&#8217;s mit Wehmut die Welt umschlingen,<br \/>\ndie Farben vergeh&#8217;n und die Erde wird bla\u00df.<br \/>\nVoll Staunen frag&#8217;s Kindlein: ach, was ist das?<br \/>\nUnd da legt sich tr\u00e4umend in&#8217;s s\u00e4uselnde Gras;<br \/>\nDa r\u00fchren die Blumen ihm k\u00fchle an&#8217;s Herz<br \/>\nUnd l\u00e4chelnd f\u00fchlt es so s\u00fc\u00dfen Schmerz,<br \/>\nUnd die Erde, die Mutter so sch\u00f6n und bleich,<br \/>\nK\u00fc\u00dft das Kindlein und l\u00e4\u00dft&#8217;s nicht los,<br \/>\nZieht es herzinnig in ihren Scho\u00df<br \/>\nUnd bettet es drunten gar warm und weich<br \/>\nStill unter Blumen und Moos.<\/p>\n<p>Und was weint ihr, Vater und Mutter, um mich?<br \/>\nIn einem viel sch\u00f6neren Garten bin ich,<br \/>\nder ist so gro\u00df und weit und wunderbar.<br \/>\nViele Blumen steh&#8217;n dort von Golde klar<br \/>\nUnd sch\u00f6ne Kindlein mit Fl\u00fcgeln schwingen.<br \/>\nAuf und nieder sich drauf und singen.<br \/>\nDie kenn&#8216; ich gar wohl aus der Fr\u00fchlingszeit,<br \/>\nWie sie zogen \u00fcber Berge und T\u00e4ler weit.<br \/>\nUnd mancher mich da aus dem Himmelblau rief,<br \/>\nwenn ich drunten im Garten schlief.<br \/>\nUnd mitten zwischen den Blumen und Scheinen<br \/>\nSteht die sch\u00f6nste von allen Frauen,<br \/>\nein gl\u00e4nzend Kindlein an ihrer Brust.<br \/>\nIch kann nicht sprechen und auch nicht weinen,<br \/>\nnur singen immer und wieder dann schauen<br \/>\nstill vor gro\u00dfer, seliger Lust.<b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><b>Joseph von Eichendorff<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-family: Times New Roman,Times,Times NewRoman,serif;\">Auf den Tod meines Kindes<\/p>\n<p>Freuden wollt&#8216; ich dir bereiten,<br \/>\nzwischen K\u00e4mpfen, Lust und Schmerz<br \/>\nWollt&#8216; ich traulich dich geleiten<br \/>\nDurch das Leben himmelw\u00e4rts.<\/p>\n<p>Doch du hast&#8217;s allein gefunden.<br \/>\nWo kein Vater f\u00fchren kann,<br \/>\ndurch die ernste, dunkle Stunde<br \/>\nGingst du schuldlos mir voran.<\/p>\n<p>Wie das S\u00e4useln leiser Schwingen,<br \/>\ndrau\u00dfen \u00fcber Tal und Kluft,<br \/>\nGing zur selben Stund ein Singen<br \/>\nFerne durch die stille Luft.<\/p>\n<p>Und so fr\u00f6hlich gl\u00e4nzt&#8216; der Morgen<br \/>\nS war als ob das Singen sprach:<br \/>\nJetzo lasset alle Sorgen,<br \/>\nLiebet ihr mich, so folgt mir nach!<\/p>\n<p>2<br \/>\nIch f\u00fchrt&#8216; dich oft spazieren<br \/>\nIn Winter-Einsamkeit,<br \/>\nkein Laut lie\u00df sich da sp\u00fcren,<br \/>\nDu sch\u00f6ne, stille Zeit!<\/p>\n<p>Lenz ist&#8217;s nun, Lerchen singen<br \/>\nIm Blauen \u00fcber mir ,<br \/>\nIch weine still\u00a0 sie bringen<br \/>\nMir einen Gru\u00df von dir.<\/p>\n<p>3.<br \/>\nDie Welt treibt fort ihr Wesen,<br \/>\nDie Leute kommen und gehen,<br \/>\nAls w\u00e4rst du nie gewesen,<br \/>\nAls w\u00e4re nichts gescheh&#8217;n.<\/p>\n<p>Wie sehn&#8216; ich mich auf&#8217;s neue<br \/>\nHinaus in Wald und Flur!<br \/>\nOb ich mich gr\u00e4m&#8216;, mich freue,<br \/>\nDu bleibst mir treu, Natur.<\/p>\n<p>Da klagt vor tiefem sehnen<br \/>\nSchluchzend die Nachtigall,<br \/>\nEs schimmern rings von Tr\u00e4nen<br \/>\nDie Blumen \u00fcberall.<\/p>\n<p>Und \u00fcber alle Gipfel<br \/>\nUnd Bl\u00fctent\u00e4ler zieht<br \/>\nDurch stillen Waldes Wipfel<br \/>\nEin heimlich Klagelied.<\/p>\n<p>Da sp\u00fcr&#8216; ich s recht im Herzen,<br \/>\ndass du&#8217;s, Herr, drau\u00dfen bis<br \/>\nDu wei\u00df&#8217;s, wie mir von Schmerzen<br \/>\nMein Herz zerrissen ist!<\/p>\n<p>4.<br \/>\nVon fern die Uhren schlagen,<br \/>\nEs ist schon tiefe Nacht,<br \/>\nDie Lampe brennt so d\u00fcster,<br \/>\nDein Bettlein ist gemacht.<\/p>\n<p>Die Winde nur noch gehen<br \/>\nWehklagend um das Haus,<br \/>\nWir sitzen einsam drinnen<br \/>\nUnd lauschen oft hinaus.<\/p>\n<p>Es ist, als m\u00fcsstest leise3<br \/>\nDu klopfen an die T\u00fcr,<br \/>\nDu h\u00e4tt&#8217;st dich nur verirret,<br \/>\nUnd k\u00e4mst nun m\u00fcd&#8216; zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wir armen, armen Toren!<br \/>\nWir irren ja im Graus<br \/>\nDes Dunkels noch verloren &#8218;<br \/>\nDu fandest l\u00e4ngst nach Haus.<\/p>\n<p>5.<br \/>\nDort ist so tiefer Schatten,<br \/>\nDu schl\u00e4fst in guter Ruh,<br \/>\nEs deckt mit gr\u00fcnen Matten<br \/>\nDer liebe Gott dich zu.<\/p>\n<p>Die alten Weiden neigen<br \/>\nSich auf dein Bett herein,<br \/>\nDie V\u00f6glein in den Zweigen<br \/>\nSie singen treu dich ein.<\/p>\n<p>Und wie in goldnen Tr\u00e4umen<br \/>\nGeht linder Fr\u00fchlingswind<br \/>\nRings in den stillen B\u00e4umen<br \/>\nSchlaf wohl, mein s\u00fc\u00dfes Kind!<\/p>\n<p>Mein liebes Kind Ade!<br \/>\nIch konnt&#8216; Ade nicht sagen<br \/>\nAls sie dich fortgetragen,<br \/>\nvor tiefem, tiefem Weh.<\/p>\n<p>Jetzt auf lichtgr\u00fcnem Plan<br \/>\nStehst du im Myrtenkranze<br \/>\nUnd l\u00e4chelst aus dem Glanze<br \/>\nMich still voll Mitleid an.<\/p>\n<p>Und Jahre nah&#8217;n und geh&#8217;n,<br \/>\nWie bald bin ich verstorben<br \/>\nO bitt&#8216; f\u00fcr mich da droben,<br \/>\ndass wir uns wiederseh&#8217;n!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><b>Joseph von Eichendorff<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 1815 hatte Eichendorff in Breslau Luise von Larisch geheiratet, noch im gleichen Jahr wurde sein erster Sohn Hermann geboren, 1817 der zweite Sohn Rudolf, 1819 die Tochter Therese und 1821 die Tochter Agnes, die jedoch im folgenden Jahr starb. 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