{"id":889,"date":"2015-04-25T21:27:53","date_gmt":"2015-04-25T19:27:53","guid":{"rendered":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=889"},"modified":"2015-05-08T21:36:22","modified_gmt":"2015-05-08T19:36:22","slug":"wenn-ein-mensch-gestorben-ist-wie-gehen-wir-mit-dem-toten-um-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/stillgeboren.de\/?p=889","title":{"rendered":"Wenn ein Mensch gestorben ist &#8211; wie gehen wir mit dem Toten um?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/TauschBickeln.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-470 size-full\" src=\"http:\/\/stillgeboren.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/TauschBickeln.jpg\" alt=\"TauschBickeln\" width=\"151\" height=\"238\" \/><\/a>Untersuchungen haben dann jedoch folgendes ergeben:<\/p>\n<p>Frauen, die Gelegenheit hatten, das tote Kind noch einmal- zu sehen, vielleicht auch zu ber\u00fchren oder zu streicheln und ihre Gef\u00fchle von Schmerz, Trauer und Wut zuzulassen und auch hierbei Hilfe bekamen, f\u00fchlten sich weniger lange von Trauer belastet.<\/p>\n<p>So unterst\u00fctzt das Pflegepersonal heute Mutter und V\u00e4ter, Abschied von ihrem Kind zu nehmen. Ein Arzt in einer Frauenklinik:<\/p>\n<p>Nach unseren Erfahrungen m\u00f6chte etwa ein Drittel aller Frauen ihr Kind sehen oder m den Arm nehmen. Ein weiteres Drittel betrachtet oder ber\u00fchrt ihr totes Kind auf unser eindringliches Zuraten hm. Das letzte Drittel will das Kind nicht sehen, betrachtet es aber h\u00e4ufig am n\u00e4chsten Tag in unserer Begleitung oder will jedenfalls eine Fotographie anschauen (Gottfried Lutz und Barbara K\u00fcnzer-Riebel, Nur ein Hauch Leben].<\/p>\n<p>Mit sehr viel W\u00fcrde, Zeit und Achtung war es einer Freundin von uns m\u00f6glich, ihr totgeborenes Baby zu verabschieden. So konnten sie und ihr Mann trotz des Schmerzes um den Verlust auch das Wunder dieses Lebens sp\u00fcren:<\/p>\n<p>\u00bbAn einem Morgen in der 21. Schwangerschaftswoche leitete die Hebamme die Geburt ein. Noch me habe ich so wahnsinnige Schmerzen gehabt. Doch endlich gleitet sie, unsere Tochter, aus mit hinaus. Sie ist tot.<\/p>\n<p>Mein Mann und ich betrachten den kleinen K\u00f6rper mit Scheu und doch voller Neugier. Anfangs getrauen wir uns kaum, ihn zu ber\u00fchren. Ich ermuntere Bern, meinen Mann. das Kind aufzunehmen und mir auf die Brust zu legen. Der kleine K\u00f6rper ist noch ganz warm, k\u00fchlt dann aber erstaunlich schnell ab. Alles an diesem Kind ist perfekt ausgebildet. Es ist ein wundersch\u00f6nes M\u00e4dchen. unvorstellbar, da\u00df sie nicht leben kann. Die Haut ist extrem d\u00fcnn, durchsichtig fast, schmettelingsartig fein. An mehreren Stellen hat sich die Haut dunkelviolett verf\u00e4rbt, wie wenn sich das M\u00e4dchen an etwas gesto\u00dfen hatte. Die Augen sind geschlossen. Wir legen den kleinen K\u00f6rper so auf meine Ernst, da\u00df es bequem auf die Seite liegt. Die winzig kleinen, perfekten H\u00e4nde legen sich mit den Handinnenfl\u00e4chen nach oben und bilden eine schalenartig Form. Wir entdecken kleinste Handlinien, und das ber\u00fchrt uns tief. Die \u00d6hrchen liegen dicht am K\u00f6pfchen an. Das Kind h\u00f6rte selbst etwa eine Woche T\u00f6ne. Ich lie\u00df es h\u00e4ufig Mozarts Wiegenlied h\u00f6ren. Noch einmal spielen wir ihr dieses Lied. Wir streichelten das Kind, dankten ihm f\u00fcr seis Dasein, f\u00fcr die Freude, die es uns gebracht hat, f\u00fcr die Hoffnung, die es leben lie\u00df. Wir danken ihm auch f\u00fcr seine Sch\u00f6nheit und versuchen unter all dem Schmerz anzunehmen. da\u00df es nicht lange leben wollte.<\/p>\n<p>Die Hebamme ist w\u00e4hrend die ganzen Zeit mit uns, teilt mit uns die Freude und den Schmerz. Sie hat es mir erm\u00f6glicht, das Kind daheim zu geb\u00e4ren und mm zu verabschieden.<\/p>\n<p>Nach zwei, die Stunden nehmen wir Abschied. Die letzte Blicke, das letzte Wort, die letzte Ber\u00fchrung und ein letzter Dank. Beni hat die marmorierte. wundersch\u00f6ne Schachtel, die ich von einer Reise aus Venedig mitgebracht habe, mit Papier ausgelegt, und wir legen unser Kind hinein. Die Hebamme nimmt das Kind mit in das Geburtshaus und wird den Leichnam dort aufbewahren, solange, bis wir den Krematorionsschein bekommen und das Kind in das Krematorium bringen k\u00f6nnen. Es ist mir selbst wichtig zu wissen, wo das Kind<\/p>\n<p>bis zur Verbrennung aufbewahrt wird.<\/p>\n<p>Ein paar Tage sp\u00e4ter gehen die Hebamme und ich zum Bestattungsinstitut. Das M\u00e4dchen tragen wir in die Schachtel wohlbeh\u00fctet mit uns. Dei Mann vom Bestattungsinstitut \u00fcbergibt uns den kleinsten Sarg, den sie haben. Ei ist schneewei\u00df. F\u00fcr Kinder haben sie wei\u00dfe S\u00e4rge. Wir sagen das Kind ein. Ich nehme es behutsam aus die Schachtel. Es sieht immer noch wundersch\u00f6n aus, tiefgeforen ist es nun. Doris, die Hebamme, sagt, sie hatte es manchesmal betrachtet. Das empfinde ich schon. Ich bette das M\u00e4dchen in den wei\u00dfen Satin des Sarges.<\/p>\n<p>&#8218;Wir fahren in das Krematorium. Hier mu\u00df ich den Sarg abgeben. unser M\u00e4dchen wird morgen kremiert. Da es mir, trotz intensivster Bem\u00fchungen meinerseits, nicht gestattet wild, bei der Kremation dabei zu sein, zeigt mir die Mann, die die Kremation vornehmen wird, die Leichenhalle, wo das Kind aufbewahrt wild, und die Krematorions\u00f6fen. Ich bin ihm daf\u00fcr dankbar, so kann ich morgen das Geschehen besser in Gedanken begleiten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag holen dann mein Mann und ich die Urne ab. Auf dem Karton steht: Dubs, M\u00e4dchen, Nummer 100007. Unser M\u00e4dchen! Wir fahren zu uns nach Hause und glauben das kleine T\u00e4nnchen aus, das ich aus dem Wald geholt und in unserem Garten gepflanzt habe, als ich die Gewi\u00dfheit hatte, da\u00df ich schwanger bin.<\/p>\n<p>Es ist schon sehr gewachsen. Dann gehen wir in den Wald und suchen uns eine sch\u00f6ne Stelle aus mit viel Licht und Blick ins Weite, etwas erh\u00f6ht. In die N\u00e4he steht eine gro\u00dfe, alte Tanne, sie soil das kleine T\u00e4nnchen und unser M\u00e4dchen besch\u00fctzen. Wir graben ein Loch, legen die Asche von unserem M\u00e4dchen hinein und setzen das T\u00e4nnchen. Die Kerzen brennen an ihrem Grab, und Beni und ich beten ein Vaterunser.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Daniela Tausch-Flammer, Lis Bickel<br \/>\n\u201cWenn ein Mensch gestorben ist &#8211; wie gehen wir mit dem Toten um?\u201d, S. 94 ff .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Untersuchungen haben dann jedoch folgendes ergeben: Frauen, die Gelegenheit hatten, das tote Kind noch einmal- zu sehen, vielleicht auch zu ber\u00fchren oder zu streicheln und ihre Gef\u00fchle von Schmerz, Trauer und Wut zuzulassen und auch hierbei Hilfe bekamen, f\u00fchlten sich weniger lange von Trauer belastet. 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