Kategorie-Archiv: Sammlungen

Nachdenken

Es wird schon wieder
wieder
wieder wie was
wieder wie vorher
es wird nie wieder wie vorher
irgendwann wird es
aber nicht
wieder

07.02.1998

Für andere warst Du niemals wirklich da
sie kennen Dich nicht
sie vermissen Dich nicht
keiner spricht von Dir
niemand wagt Deinen Namen zu sagen
sie werden es niemals verstehen
damit lassen sie Dich
ein zweites Mal sterben

07.03.1998

© Pirko Lehmitz

Licht

Ein Licht anzünden
nur für Dich
der Schein strahlt durch die Herzen
der Raum leuchtet warm
Deine Augen durfte ich niemals leuchten sehen
dafür mußten sie auch nie weinen
ich weine für uns beide
Du sahst so friedlich aus
als ich Dich in meinen Armen hielt
so lange Du lebtest waren wir nie getrennt
ich hatte Dich ganz für mich allein
vielleicht vermisse ich Dich deshalb so sehr

 24.11.1997

Als Du gingst
war nur Finsternis um mich herum
auf meinem Weg durch die Einsamkeit
dem Licht entgegen
spüre ich wieder die Sonne auf meiner Haut
sie wärmt und gibt mir Kraft
seit ich weiß
Du hast mich nicht verlassen
sondern führst mich durch mein Leben
trage ich die Sonne in meinem Herzen
freue mich über jeden Tag
und bin Dir dankbar daß Du bei mir bist
ohne Dich
wäre mir das Leben verborgen geblieben

12.03.1998

Durch’s Fenster strahlt der Sonnenschein
in mein Zimmer und mein Herz hinein
draußen ein Stiefmütterchen ganz eifrig nickt
über meinen Bett Deinen kleiner Holzbär wippt
er lacht mit mutig an
vor Glück bin ich fast bang
wie ein Engel hast Du über mich gewacht
an meinem Bett gesessen stets die ganzen Nacht
zu keiner Zeit war ich allein
Du bleibst für mich mein Sonnenschein

Ostermontag, den 13.04.1998

Kurze flinke Beine
krabbeln mutig über Kinderfinger
wer hat nicht sie nicht gezählt
die schwarzen Punkte
des roten Krabbelkäfers
wie kleine Zauberwesen
entfalten sie unter ihrem kugeligen Rücken
ihre Flügel
und entfliehen in den Sommerhimmel

 In Gedenken an Torben 29.07.1998

©Pirko Lehmitz

Weg

Ich möchte Dir so gerne versprechen
daß ich aufhöre zu weinen
doch ich weiß nicht wann
daß ich wieder lachen werde
doch ich weiß nicht worüber
daß ich wieder Klavier spielen werde
doch ich weiß nicht für wen
daß ich wieder hoffen werde
doch ich weiß nicht worauf

Bitte sei mir nicht böse
aber eines verspreche ich Dir jetzt und heute
Du wirst immer in meinem Herzen bleiben
und ich werde Dir und Deinem Großvati
noch etwas Zeit für Euch geben
denn ich darf Deinen Vati nicht alleine lassen

20.12.1997

Plötzlich wurde es Nacht
mitten an einem schönen Sommertag
das Licht erlosch
Dunkelheit und Kälte
wo eben noch Glück und Leben
in mir
um mich herum
nur Lähmung und Schweigen
ohne Dich wage ich keinen Schritt
um nicht noch tiefer
in der Dunkelheit zu versinken
bitte führe mich aus der Finsternis
zurück ins Leben
zeige mir den Weg
damit die Sonne wieder aufgeht
ich wieder wage zu leben
ganz neu

02.01.1998

Explodiert
wie ein Vulkan
die Sonne verfinstert sich
rote leuchtende Lava strömt heraus
keiner kann sie aufhalten
sie ebnet sich ihren Weg
auch dort wo vorher keine Wege waren
sie verwüstet alles
kein Stein bleibt auf dem anderen
Trostlosigkeit
mit bloßen Händen
gegen die schwarze Masse
mühsamer Versuch den Berg abzubauen
und im nächsten Augenblick
bricht er wieder aus
Sinnlosigkeit
nie
nie wieder wird es so wie vorher sein
der Weg aus der schwarzen Wüste
in die grüne Landschaft
ist einsam steinig und weit

26.01.1998

wendytrauerbildkl
Wendy Hasler

Geöffnet hast Du mir so viele Türen
aber auf einmal glaube ich zu spüren
diese führt mich

zu meinem Ziel
aber vielleicht erwarte ich auch zuviel

Eine Reise in das innere Ich
kaum wiedererkannt habe ich mich
vielleicht werde ich mich ganz verlieren
der Weg mich zu Dir führen

Was auch immer geschieht mit mir
gefaßt sein werde ich auf das Hier
werde es geschehen lassen
auch wenn es kaum zu fassen

Durch die Hölle muß ich geh’n
um auf eigenen Beinen zu steh’n
die Dunkelheit umgibt mich sanft
vielleicht verliere ich auch meinen Kampf

Der Tod hat seinen Schrecken verloren
nur weil ich Dich geboren
und Du bist dabei gleich gegangen
wie soll ich mich je wieder fangen

Meine Zukunft hast Du mitgenommen
meine Träume sind davon geschwommen
bringst Du sie mir zurück
damit ich wieder empfinden kann das Glück

16.06.1998

Für Monika

Du hast es gesehen
ganz deutlich
das Licht am Ende des Tunnels
es hat Dir den Weg durch die Nacht gezeigt

Aber plötzlich wurde es ausgeblasen
ein kleiner Windhauch
und es erlosch
er kam aus dem Nichts

Als es erlosch
hattest Du das Gefühl
Deine Zukunft
kaum geboren
starb mit ihm

Laß es uns wieder anzünden
meine Hände werden ihm Schutz geben
es wird wieder leuchten
Dich weiter auf Deinem Weg
durch die Finsternis begleiten
um Dich sicher ans Ziel zu führen

Vertraue darauf
das Licht wird Dir helfen
sie wieder zu finden
Deine Zukunft
sie war nur ganz kurz hinter einer Wolke entschwunden

Denn ich vertraue
ganz fest darauf
wir werden ihn hier
zu Ende gehen
gemeinsam
jeder seinen Weg

09.07.1998

© Pirko Lehmitz

Angst

Jedes Mal habe ich Angst
Angst es wird nicht mehr aufhören
Angst ich werde aufgeben
Angst da ist keine Hand die mich herauszieht
Angst alles egal zu sein
Angst es irgendwann zu ersehnen

© Pirko Lehmitz 02.12.1997

Am Abgrund spazieren
ein kleiner Schritt in die Unendlichkeit
was hält mich ihn nicht zu gehen
Freiheit
unendliche Freiheit
keine Erwartungen mehr erfüllen
keine Rechenschaft geben
nicht mehr allein sein
einfach nur schweben
unter mir gibt der Boden nach
warum sollte ich mich festhalten
wer kann mir verbieten
mich einfach fallen zu lassen
warum den mühsamen Weg nach Hause suchen
wenn der schnelle mich direkt zu Dir führt

© Pirko Lehmitz 03.12.1997

Ich höre sie rufen
leise aber unüberhörbar
willenlos folge ich ihrer Stimme
Stufe für Stufe steige ich hinab
in die Dunkelheit
halte inne
versuche umzudrehen
doch ich werde gepackt
und im Sturzflug in die Tiefe gerissen

© Pirko Lehmitz 13.02.1998

Ich habe Angst
Angst vor mir selbst
Angst den Weg nicht zu Ende zu gehen
Angst die Einsamkeit nicht mehr ertragen zu können
Angst den Spiegel zu durchbrechen
und in die Unendlichkeit zu fallen

© Pirko Lehmitz 23.05.1998

Die Tür fällt ins Schloß
der Riegel wird herumgerissen
dunkles kaltes Verließ
gebaut aus den Mauern meiner Angst
bewacht durch mich selbst
nur ich kann mich wieder entlassen
wo finde ich den Schlüssel
den Schlüssel zu mir selbst
der mich die vielen verriegelten Türen
aufschließen läßt
damit die Sonnenstrahlen
mir den Weg nach oben zeigen
heraus aus meiner Einsamkeit

© Pirko Lehmitz 26.02.1998

Wie ein Luftballon der in den Himmel steigt
der Weg zu Dir ist so unendlich weit
den Himmel einfach nur berühren
um dann ganz fest zu spüren
so wie wir einander kennen
wird uns nichts mehr trennen
in meinem Herzen werde ich Deine Stimme immer hören
unsere Gemeinsamkeit kann keiner stören

Wenn ich die Angst erst überwinden kann
um auszubrechen aus dem dunklen Bann
werden meine Tränenströme schwinden
und ich meinen Weg ganz sicher finden
durch die Nacht dem Licht entgegen
begleiten wirst Du mich auf meinen Wegen
an Deiner Hand laß ich mich führen
um das Glück ganz intensiv zu spüren
das Wissen wie kostbar ist das Leben
hat mir erst Dein Tod gegeben

© Pirko Lehmitz 31.05.1998

 

Spuren im Sand


Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

SpurenimSandklAls das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn: “Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?”

Da antwortete er: “Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.”

 Margaret Fishback Powers
Copyright ©1964 Margaret Fishback Powers
Copyright © der deutschen Übersetzung 1996 Brunnen Verlag Gießen.
www.brunnen-verlag.de

Joseph von Eichendorff

Im April 1815 hatte Eichendorff in Breslau Luise von Larisch geheiratet, noch im gleichen Jahr wurde sein erster Sohn Hermann geboren, 1817 der zweite Sohn Rudolf, 1819 die Tochter Therese und 1821 die Tochter Agnes, die jedoch im folgenden Jahr starb.

Auf meines Kindes Tod

Das Kindlein spielt draußen im Frühlingsschein
Und freut sich und hatte so viel zu sehen,
Wie die Felder schimmern und die Ströme gehen
Da sah der Abend durch die Bäume herein,
der alle die schönen Bilder verwirrt.
Und wie es nun ringsum so stille wird,
Beginnt aus den Tälern ein heimlich Singen,
Als wollt’s mit Wehmut die Welt umschlingen,
die Farben vergeh’n und die Erde wird blaß.
Voll Staunen frag’s Kindlein: ach, was ist das?
Und da legt sich träumend in’s säuselnde Gras;
Da rühren die Blumen ihm kühle an’s Herz
Und lächelnd fühlt es so süßen Schmerz,
Und die Erde, die Mutter so schön und bleich,
Küßt das Kindlein und läßt’s nicht los,
Zieht es herzinnig in ihren Schoß
Und bettet es drunten gar warm und weich
Still unter Blumen und Moos.

Und was weint ihr, Vater und Mutter, um mich?
In einem viel schöneren Garten bin ich,
der ist so groß und weit und wunderbar.
Viele Blumen steh’n dort von Golde klar
Und schöne Kindlein mit Flügeln schwingen.
Auf und nieder sich drauf und singen.
Die kenn’ ich gar wohl aus der Frühlingszeit,
Wie sie zogen über Berge und Täler weit.
Und mancher mich da aus dem Himmelblau rief,
wenn ich drunten im Garten schlief.
Und mitten zwischen den Blumen und Scheinen
Steht die schönste von allen Frauen,
ein glänzend Kindlein an ihrer Brust.
Ich kann nicht sprechen und auch nicht weinen,
nur singen immer und wieder dann schauen
still vor großer, seliger Lust.

Joseph von Eichendorff

Auf den Tod meines Kindes

Freuden wollt’ ich dir bereiten,
zwischen Kämpfen, Lust und Schmerz
Wollt’ ich traulich dich geleiten
Durch das Leben himmelwärts.

Doch du hast’s allein gefunden.
Wo kein Vater führen kann,
durch die ernste, dunkle Stunde
Gingst du schuldlos mir voran.

Wie das Säuseln leiser Schwingen,
draußen über Tal und Kluft,
Ging zur selben Stund ein Singen
Ferne durch die stille Luft.

Und so fröhlich glänzt’ der Morgen
S war als ob das Singen sprach:
Jetzo lasset alle Sorgen,
Liebet ihr mich, so folgt mir nach!

2
Ich führt’ dich oft spazieren
In Winter-Einsamkeit,
kein Laut ließ sich da spüren,
Du schöne, stille Zeit!

Lenz ist’s nun, Lerchen singen
Im Blauen über mir ,
Ich weine still  sie bringen
Mir einen Gruß von dir.

3.
Die Welt treibt fort ihr Wesen,
Die Leute kommen und gehen,
Als wärst du nie gewesen,
Als wäre nichts gescheh’n.

Wie sehn’ ich mich auf’s neue
Hinaus in Wald und Flur!
Ob ich mich gräm’, mich freue,
Du bleibst mir treu, Natur.

Da klagt vor tiefem sehnen
Schluchzend die Nachtigall,
Es schimmern rings von Tränen
Die Blumen überall.

Und über alle Gipfel
Und Blütentäler zieht
Durch stillen Waldes Wipfel
Ein heimlich Klagelied.

Da spür’ ich s recht im Herzen,
dass du’s, Herr, draußen bis
Du weiß’s, wie mir von Schmerzen
Mein Herz zerrissen ist!

4.
Von fern die Uhren schlagen,
Es ist schon tiefe Nacht,
Die Lampe brennt so düster,
Dein Bettlein ist gemacht.

Die Winde nur noch gehen
Wehklagend um das Haus,
Wir sitzen einsam drinnen
Und lauschen oft hinaus.

Es ist, als müsstest leise3
Du klopfen an die Tür,
Du hätt’st dich nur verirret,
Und kämst nun müd’ zurück.

Wir armen, armen Toren!
Wir irren ja im Graus
Des Dunkels noch verloren ‘
Du fandest längst nach Haus.

5.
Dort ist so tiefer Schatten,
Du schläfst in guter Ruh,
Es deckt mit grünen Matten
Der liebe Gott dich zu.

Die alten Weiden neigen
Sich auf dein Bett herein,
Die Vöglein in den Zweigen
Sie singen treu dich ein.

Und wie in goldnen Träumen
Geht linder Frühlingswind
Rings in den stillen Bäumen
Schlaf wohl, mein süßes Kind!

Mein liebes Kind Ade!
Ich konnt’ Ade nicht sagen
Als sie dich fortgetragen,
vor tiefem, tiefem Weh.

Jetzt auf lichtgrünem Plan
Stehst du im Myrtenkranze
Und lächelst aus dem Glanze
Mich still voll Mitleid an.

Und Jahre nah’n und geh’n,
Wie bald bin ich verstorben
O bitt’ für mich da droben,
dass wir uns wiederseh’n!

Joseph von Eichendorff

 

Renate Salzbrenner

1992 nahm sich der Sohn Christian mit 27 Jahren das Leben. Nach dem Tod ihres Sohnes fand Renate Salzbrenner Hilfe in eine Selbsthilfegruppe, für Eltern, die ihr Kind durch Suizid verloren. Später leistete sie eigenen Einsatz in der Bamberger Gruppe “Trauer nach Suizid” und bietet heute noch Seminare und Einkehrtage für trauernde Eltern nach dem Suizid ihres Kindes an. Seit 1995 hat sie mehrere Bücher, sowohl Gedichte als auch Berichte veröffentlicht, darunter auch “Auf einen Regenbogen” Gedichte zur Trauer und Hoffnung, woraus diese Gedichte stammen.

Im Land der Trauer

Im Land der Trauer
will die Nacht
nicht mehr aufwachen.
Mond und Sterne haben
längst ihr Leuchten
eingestellt.
Selbst die Schatten
gingen in der Finsternis
verloren.
Schwarze Gräser
säumen unseren Weg,
den wir nicht sehen.

Doch jede Hand,
die man uns entgegenstreckt,
verwandelt
sich in Licht.

Was ich verlor


Als du starbst,
verlor ich meine Neugier.
Jemanden wie du
wird mir nicht mehr begegnen.
Auf wen sollte ich warten?

Als du starbst,
verlor ich meine Unbefangenheit,
diesen Glauben an:
Es wird schon wieder.
Schrieb sich in meine Haut:
Nie wird es wieder!
Als du starbst,
verlor ich miene Jugend.
Beugte sich mein Körper,
wuchs der Erde entgegen,
zu der er mal wird.

Als du starbst,
verlor ich meine Ängste.
Jeden Tag nehme ich
wie meinen letzten
Schlafe abends ein
mit meinen kargen Träumen

Meine beiden Gesichter


Meine beiden Gesichter
Geht es dir gut,
werde ich gefragt
im Vorübergehen.
Doch, gut, sage ich
und zeige
das passende Gesicht:
mein gutgehendes Gesicht.

Mein anderes Gesicht
verberge ich liebevoll
unter meiner Kleidung.
Zuhause ziehe ich
mich aus.
Dann darf es
seine Trauer tragen.

Hermann Hesse

Jetzt bist du schon gegangen, Kind,
Und hast vom Leben nichts erfahren,
Indes in unseren welken Haaren
Wir Alten noch gefangen sind.
Ein Atemzug, ein Augenspiel,
Der Erde Luft und Licht zu schmecken,
War Dir genug und schon zu viele;
Du schliefest ein ,nicht mehr zu wecken.
Vielleicht in diesem Hauch und Blick
Sind alle Spiele, alle Mienen
Des ganzen Lebens dir erschienen,
Erschrocken zogst du dich zurück.
Vielleicht wenn unsre Augen, Kind,
Einmal erloschen, wird uns schienen,
Sie hätten von der Erde, Kind,
Nicht mehr gesehen als die deinen.

Gedichte – Einsendungen

Das Licht

Ich sah einen Kleinen Jungen, der trug eine Kerze. Ich fragte ihn: “Wo ist denn das Licht her?”

Da blies er es aus und fragte zurück: “Kannst Du mir sagen, wo es nun hingegangen ist?”
                               Hassan v. Basra

 

Tränen als Hilfe Seelisches Leid,
als Ausdruck von Mitgefühl ,Mitleid und Mitfreude,
Tränen der Trauer und Rührung,
der Freude und des Glücks kurz:
Tränen als Ausdruck von Gefühlen ,
ihrer brauchen wir uns nicht zu schämen ,
wir sollten sie ruhig fließen lassen .

       Anne Burda.

Mein lieber Yannick

Ich kenne dein Gesicht –
ohne je die Farbe deiner Augen gesehen zu haben.

Ich spüre noch immer Deine Berührungen –
ohne daß mich deine kleinen Hände
je gestreichelt haben.

Ich sehe deinen kleinen Mund vor mir –
ohne daß ich ihn je Mama sagen hörte.

Ich hielt dich in meinem Arm –
ohne dich je in den Schlaf gewiegt zu haben.

Ich habe dich geboren –
ohne dir Leben geschenkt zu haben.

Manja

Ich suche Dich

Ich suche Dich.
Wenn nachts die Sterne am Himmel stehn. Mir ist, als müsste ich unter alle den Sternen auch Deinen sehn.
Und eh am morgen die Sonne erwacht, hab ich voll Trauer schon an Dich gedacht.

Ich suche Dich.
Im Frühling, wenn die Blumen blühen, die Vögel lustig durch die Lüfte ziehen.
Wenn weisse Wolken ziehn am Himmelsbogen, wenn in des Sommers Glut die Ähren wogen.

Ich suche Dich.
Wenn dann im Herbst die Früchte reifen, die kalten Winde über Stoppeln streifen, wenn weisse Flocken fallen sacht, beim Kerzenschimmer in der Heiligen Nacht.
Ich suche Dich, bis ich Dich wieder find, im Himmel droben, mein geliebtes Kind.

Simone Woehner

Erinnerung

Tautropfen spiegeln sich im Mondlicht
und ich sehe darin lachende Kinderaugen
wie sie mir zublinzeln.

In ihnen erkenne ich die Freuden einer gemeinsamen Zeit,
die uns durch nichts zu nehmen ist.

Ich erinnere mich an Deine Lebenslust
und lächle bei dem Gedanken an Deine Ungeduld.

Für mich halte ich diese Erinnerung wach
und auch die Trauer nimmt Dich nicht von mir.

Du bist ein Teil meines Lebens
und der Gedanke an Dich stimmt mich glücklich
auch wenn Du durch die Erinnerung lebst.

Simone Woehner

Still, seid leise,
es waren Engel auf der Reise.
Sie wollten ganz kurz bei Euch sein,
warum sie gingen, weiss Gott allein.

Sie kamen von Gott,
dort sind sie wieder,
wollten nicht auf unsre Erde nieder.

Ein Hauch nur bleibt von ihnen zurück.
in Euren Herzen ein großes Stück.
Sie werden jetzt immer bei Euch sein,
vergesst nie, sie waren so klein.

Geht nun ein Wind, an mildem Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.

Und wenn ihr fragt,
wo mögen sie sein?
Ein Engel ist niemals allein.

Sie können jetzt alle Farben sehn
und barfuss durch die Wolken gehen.
Vielleicht lassen sie sich hin und wieder
bei den Engeskindern nieder.

Und wenn ihr sie auch sehr vermisst
Und weint, weil sie nicht bei Euch sind,
so denkt, im Himmel wo es sie nun gibt
erzählen sie stolz:

wir werden geliebt

Simone Woehner

Der Himmel ist hell, der Himmel ist blau
und irgendwie, das weiss ich genau,
irgendwo da oben und ganz bestimmt nicht allein,
irgendwo da oben musst Du sein;
auf einer Wolke oder so, aber ganz bestimmt dort oben irgendwo.

Simone Woehner

 Du fehlst mir so sehr,
wie ein Traum mir fehlt,
den du nicht träumen kannst,
weil du aufwachen musst.
Auch Dich
habe ich nicht zu Ende geträumt.

Stark!

Es war ein Kampf,von Anfang an.
Stark muüßte ich sein,wenn auch allein.
Stark war ich,besiegte auch dies.
Dachte ich.
Doch verlor auch Dich!
Ich liebe Dich mein Sohn!

Stefanie

Für Julia (6 Jahre) und Tobias (4 Jahre)
gestorben am 28.06.2002

ALLEIN

Allein aufstehen –
Ohne den Duft verschwitzter Wuschelköpfe in meinem Bett
Allein frühstücken –
Ohne Nutellabrot und Sprudeltablette mit Strohhalm
Allein bügeln
Ohne Höhlenbauer und Trampolinspringer
Allein auf den Markt gehen
Ohne gelbe Rüben und Gelbwurst zu bekommen
Allein tanzen
Ohne dass jemand mitmacht
Allein Petterson und Findus anschauen
Ohne dass zwei Blondschöpfe quietschen vor Vergnügen
Allein auf dem Sofa Sitzen
Zwei Bärchen auf dem Sessel gegenüber
Ohne meine süßen auf dem Schoß
Nicht mehr ganz so allein,
wenn mein Schatz nach Hause kommt,
und ich mit ihm über Euch reden kann,
über’s Kuscheln, Frühstücken, Vorlesen,…
als Ihr noch da ward.

17.10.2002

Hoffnung

Wird er wirklich eines Tages gehen
der Schmerz
der mein Begleiter ist
so lange schon
und doch so kurz

Wird er sich verziehen
der Nebel
der mich oft noch
Dinge unwirklich wahrnehmen läßt
mich Menschen ungerecht behandeln läßt

Wird er sich legen
der Sturm
der mir ins Gesicht bläst
mich auf der Stelle treten läßt
und mich zurückwirft

Wird es eines Tages tauen
das Eis
das mich frieren läßt
von innen

Wird es geschehen
daß es anders wird
ganz anders
nicht ein bißchen
nicht manchmal
sondern immer

Wird meine Hoffnung sich erfüllen
Hoffnung mit dem Namen Gott
niemand sonst
kann den Tod überwinden…

Birgit, Dezember 2004

Für die, die immer fragen, was los ist mit mir…..

Es ist nicht, daß ich nicht glücklich bin
Es ist nicht, daß ich nicht lachen kann
Das ist es nicht

Es ist nicht, daß ich die Sonne nicht sehe
und nicht den Mond und die Sterne bewundere
in der Nacht
Das ist es nicht

Es ist nicht, daß ich nicht dankbar bin
für alles, was mir Gott geschenkt hat
Das ist es nicht

Doch es ist diese Traurigkeit
die tief in meinem Herzen weilt
die sich den Weg nach draußen sucht
und mich manchmal zusammenbrechen läßt

Es ist dieser Teil von mir
der niemals sein wird
wie er war
weil er schon
mit meinem Sohn
gegangen ist

So mein Freund
erwarte nicht
daß ich dieselbe werde
die ich war
das ist es nicht
was ich will….

Birgit, 2004

For sure

For sure I will be walking
with you here by my side
I`m with you now
for all my days
and with you every night

For sure I will be missing you
and this will be for ever
if someone asks
“When will this end?”
then I will answer
“Never!”

For sure, my son,
I love you
more than this life I live
But I will keep on walking
I got something to give

And that`s the love you showed me
that I would never know
if I had never met you
my son
I love you so!

Birgit, 2002

Pressemitteilung Nr. 80/05

Mutterschutzrechtlicher Sonderkündigungsschutz nach medizinisch-indizierter Einleitung der Geburt

Die schwangere Klägerin arbeitete seit dem 15. September 2002 in der Rechtsabteilung der Beklagten. Der voraussichtliche Entbindungstermin sollte der 1. Mai 2003 sein. Anlässlich einer Vorsorgeuntersuchung im Dezember 2002 wurde eine Funktionsstörung der Nieren des ungeborenen Kindes festgestellt (sog. Potter-Syndrom), die zum sicheren Tod des Kindes noch während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt geführt hätte. Auf ärztlichen Rat wurden am 26. Dezember die Wehen medikamentös eingeleitet. Am 28. Dezember brachte die Klägerin einen toten Jungen mit einem Gewicht von 600 Gramm zur Welt. In der Todesbescheinigung ist angegeben, dass das Kind in der Geburt verstorben ist. Die Klägerin teilte am 30. Dezember 2002 der Beklagten mit, die Schwangerschaft sei abgebrochen worden und das Kind gestorben. Die Beklagte kündigte mit Schreiben vom 5. März 2003 das Arbeitsverhältnis der Klägerin fristgemäß. Mit ihrer Klage hat sich die Klägerin gegen diese Kündigung mit dem Hinweis gewandt, diese sei nach § 9 Abs. 1 MuSchG unzulässig. Die Beklagte hat die Auffassung vertreten, der Sonderkündigungsschutz für Mütter finde vorliegend keine Anwendung, weil auch ein medizinisch indizierter Schwangerschaftsabbruch keine “Entbindung” im Sinne des Gesetzes sei.

Die Vorinstanzen haben die Klage abgewiesen. Auf die Revision der Klägerin hat das Bundesarbeitsgericht der Klage stattgegeben.

Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 MuSchG ist die Kündigung gegenüber einer Frau während einer Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung unzulässig. Eine Entbindung im Sinne der Norm ist ua. in Anlehnung an entsprechende personenstandsrechtliche Bestimmungen (§ 21 Abs. 2 PStG iVm. § 29 Abs. 2 PStV) dann anzunehmen, wenn die Leibesfrucht ein Gewicht von mindestens 500 Gramm hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind lebend oder tot geboren wird. Das gilt auch bei einer medizinisch indizierten vorzeitigen Beendigung der Schwangerschaft. Dies entspricht dem Sinn und Zweck von § 9 Abs. 1 MuSchG, ua. einen Schutz für die durch die Schwangerschaft und den Geburtsvorgang entstehenden Belastungen der Frau zu gewähren.

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 15. Dezember 2005 – 2 AZR 462/04 -

Vorinstanz: LAG München, Urteil vom 14. Juli 2004 – 5 Sa 241/04