Archiv der Kategorie: Rituale

Meine Mementos

Als ich vor ein paar Tagen so bei uns durch’s Haus ging fiel mir auf, daß wir fast in jedem Zimmer bis auf Badezimmer und Küche etwas haben, was uns an Tobias erinnert. „Richtige“ Ertobiastopfinnerungsstück haben wir ja leider nicht, da ich Tobias still geboren habe und nichts vorher kaufen wollte. Aber ich habe alles gesammelt, was mich so in den letzten 5 Jahren auf meinen Weg durch die Trauer begleitet hat und mich an Tobias erinnert.

Gleich vor unserem Haus steht eine kleine Blumenschüssel, die ich von einer Freundin zu Tobias ersten Geburtstag bekommen habe mit seinem Namen drauf.  Tobiassternschnuppe Tobiasstern

In unserem Eßzimmer hängt ein Stern mit seinem Namen an der Lampe, den ich vom ersten Gedenkgottesdienst am Candlelighting 1998 mitgenommen habe und am Fenster habe ich ganz oben aus Window-Color eine kleine Sternschnupp e gemalt ebenfalls mit seinem Namen.

MobileIn der Ecke hängt ein Mobile, daß wir mit unser Selbsthilfegruppe für unser Abschiedsritual gebastelt haben. Auf dem ersten Schmetterling steht Tobias drauf, auf den Schmetterlingen darunter Kai und mein Name und dann der, von unserem zweiten Sohn Pascal. Darunter befinden sich kleine Glocken, die wir mit den „Geschenken“, die uns Tobias gebracht hat, beschriftet sind.

Oben auf dem Sekretär stehen die Taufkerzen von Pascal und Gideon sowie eine selbstgemachte Kerze für Tobias, die ich auch zu seinem ersten Geburtstag geschenkt bekommen habe und die ich vor ein paar Wochen im Gottesdienst unserer Gemeinde zum ersten Mal an der Osterkerze entzünden durftKerzeSteine.

Im Wohnzimmer liegt in einem Glasschrank ein kleiner Stein mit seinem Namen, den ich vom Gedenkgottesdienst 2000  Taufkerzenmitgenommen habe. Daneben steht Tobias Geburtstagskerze, die wir immer an seinem Geburtstag anzünden. Diese Kerze haben wir damals auf dem Trauerseminar der Verwaisten Eltern 1997 selber gemacht. Ebenfalls im Wohnzimmer steht sein Stern, der auch vom Trauerseminar stammt. Den haben wir die erste Zeit immer angemacht, wenn wir den Raum betraten. Nun brennt er noch ab und zu.

In unserem Schlafzimmer habe ich Fotos von meinen Männer Tobiasstickbildaufgehängt. In der Mitte hängt ein kleines gesticktes Bild mit Tobias Namen, einem Marienkäfer und einer Blume. Auch dieses Bild habe ich von einer Freundin zu Tobias ersten Geburtstag geschenkt bekommen. Darunter habe ich alle Dinge aufgestellt, die mich irgendwie an ihn erinnern, wie z.B. das einzige Stück, was schon vor seiner Geburt gekauft worden war, nämlich eine kleine Lokomotive als Spardose.Erinnerungsstucke

Im Kinderzimmer von Pascal und Gideon, das war vorher mein WandKinderzZimmer und sollte dann ja das Kinderzimmer von Tobias werden, hatte ich kurz nach dem Tod von Tobias an einer Ecke meine Gedichte, sein Bild, eine Sternschnuppe und so vieles mehr angehängt. Nach zwei Jahren habe ich fast alles abgenommen, da es ja nun das Kinderzimmer von Pascal war. Dort hängt aber immer noch eine Sternschnuppe mit Tobias Namen, die wir auch vonGeburtsanzeigen Trauerseminar haben, ein Namensgedicht für Tobias und ein kleines Bild von ihm. Ebenfalls im Kinderzimmer habe ich die Geburtsanzeigen von Pascal und Gideon in einem Rahmen aufgehängt. Da ich von Tobias leider keine hatte, wir haben uns damals einfach nicht getraut, habe ich eine nachgemacht, so wie ich es damals gerne gemacht hätte. Auch die ist im Rahmen.

Als ich merkte wie viele Sachen hier im Haus für Tobias hängen, erschrak ich zunächst und dachte, na ist das nicht vielleicht doch zu viel? Aber irgendwie finde ich es nicht aufdringlich und es gehört eben zu uns dazu. Nun interessiert mich, ob Ihr es genauso macht, d.h. habt ich auch viele Erinnerungsstück Eurer Kinder zu Hause und was habt Ihr stehen, hängen oder aufgestellt?

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de 25.05.2003

Inzwischen sind wir umgezogen und es hat sich etwas verändert, allerdings nur die Orte, wo sich etwas befindet. Alles ist mitumgezogen. Da wir jetzt aber mehr Platz haben habe ich im Flur, wo die Kinderzimmer abgehen, noch eine Collage aufgehängt. Dort habe ich einige meiner Gedichte und sofern ich es hatte, ein passendes Bild dazu, zusammengestellt.CollageGedichteBilderkl

Einsendungen Rituale

Ich möchte dir von meinem /unserem Ritual erzählen:

Immer wenn wir zusammen (mein Mann, meine Tochter und ich) wegfahren, in Urlaub, oder einen Erlebnispark, wenn meine Tochter Spaß hat und Eis-essen kann und so, dann ist auch immer etwas für Simon „drin“.
Wir bringen aus jedem Urlaub oder besonderem Wochenende etwas für Simon mit, was wir ihm dann irgendwann auf’s Grab stellen. Einmal war es eine Vogelfamilie aus Tripsdrill, ein Metallstecker in Form eines Jungen aus Traunstein, Ein Holzzug mit Wägelchen, die seinen Namen ergeben, aus Speyer. Gestern hat Ina bei einem Luftballonwettbewerb mitgemacht, und auch Simon haben wir einen Luftballon geschickt.

Wenn wir auf dem Friedhof sind, wird eigentlich kaum über oder mit Simon geredet (erhört ja unsere Herzen sprechen…) nur wenn wir gehen,
verabschieden wir uns immer jedesmal gleich: „Tschüss Simon!“

Liebe Grüße,
deine Anke

Hallo Pirko,

wir haben für Matthias auch ein paar „Rituälchen“. Ebenso wie Katja schreibe ich ein Tagebuch weiter.  Darin geht es (leider) in letzter Zeit fast ausschliesslich um meine Gefühle, meine Tränen, meine Trauer,  meine Sehnsucht…

Dann haben wir eine Kerze (mit Regenbogen, Schmetterling, seinem Namen), die wir zum Abendessen anzünden.

Dann gibt es noch ein kleines Ritual an seinem Grab. Auf dem Kreuz ist sein Name eingefräst und iummer wenn ich ihn begrüsse oder weggehe, fahre ich mit meinen Finger seinen Namen nach (klingt vielleicht etwas albern, so fühle ich mich ihm aber näher). Und wir erzählen ihm, was wir so den ganzen Tag gemacht haben und stellen uns vor, was er so macht, ob er bei uns ist….

Lieben Gruß, Annette

hallo pirko
ich habe meinen abschied und mein loslassen und mein lieben meines baby damit gestaltet das ich mein SS tagebuch weitergeführt habe und dort alles reingeschrieben habe was mich bewegt und was ich meinen kind sagen wollte…

jetzt habe ich mir überlegt man kann einen stern taufen lassen auf den name seiner wahl ich wöllte gern so ein stérn für mein baby haben wo ich mir das anschaun kann und mir vorstellen kann das ist mein baby ich konnte nie viel für mein baby aber das wäre noch ein schritt der mir gefallen würden…

ich weiß nicht ob ich dir damit geholfen habe aber das hat mir geholfen

Katja

Liebe Pirko,

wir schauen jeden Abend nach den Sternen und wir haben einen Stern, der ganz hell leuchtet, Maxi-Stern genannt. Und wir winken ihm jeden Abend zu und sagen ihm/ihr, wie sehr wir sie vermissen und uns wünschen, daß es ihr gut geht.

Wir gehen auch immer abends zusammen zu ihrem kleinen Grab und erzählen mit ihr. Alles, was uns bedrückt oder was geschehen ist.

Wie Annette und Katja schreibe ich in meinem Tagebuch weiter und habe noch ein Extra-Buch mit Briefen an Maxi. Ich schreibe ihr jeden Tag einen Brief. – Und dann haben wir das erste Stofftier, das wir ihr gekauf haben, in unserem Bett und  ich schlafe jeden Abend mit diesem Tierchen im Arm ein. (und es war auch mit in Urlaub über den ET)- das tröstet mich ein wenig.

Und jeden Morgen zünde ich vor ihrem Bild ein Teelicht an. Das ist in einer Sternenform drin.

Liebe Grüße, Petra

Liebe Pirko,

…an seinem Geburtstag waren wir noch kurz in der Stadt und haben in einer herrlichen Buchhandlung einen Bummel gemacht. Ich habe das Buch gekauft „Die unsichtbaren Freunde“ von Elisabeth Kübler-Ross. Es ist ein Kinderbuch in dem total schön und auch für Erwachsene lehrreich  von den Freunden in der anderen Welt erzählt wird.

Das mache ich übrigens jedes Jahr an Tom´s Geburtstag. Ich kaufe ein Buch das passend ist und schreibe ihm dort eine Widmung hinein und schreibe auf, was wir an diesem Tag alles gemacht haben. Das ist unser Geburtstagsritual. …

Alles Liebe
und nochmals Danke
Beate

Ich möchte einfach alles aufzuzählen, was uns geholfen hat und heute noch hilft mit Moritz Tod fertig zu werden:

Ich fand es sehr wichtig Moritz zu waschen und schön anzuziehen nachdem er gestorben war. Als er starb, brannte seine Taufkerze. Wir blieben bei ihm bis sie ausbrannte.

Wir pflanzten am Tag vor Moritz Beerdigung einen Birnbaum für ihn in unserem Garten.

Nach Moritz Tod habe ich jeden Abend eine Kerze für ihn angezündet. Wenn wir ins Bett gingen, habe ich sie ausgepustet und mir vorgestellt, ihm dabei ein Küßchen zu geben.

Ich buddele gerne in der Erde von Moritz Grab und habe darüber hinweg auch wieder Lust bekommen meinen Garten zu hegen.

Wir haben ein Moritzecke in unserer Diele. Dort stehen ein Foto von ihm, eine schöne Kerze, Blumen und kleine Geschenke, die die Kinder für ihn basteln.

Wenn es mir sehr schlecht geht lasse ich für Moritz einen Ballon steigen, und schaue ihm ganz lange nach.

Einmal im Monat gehen Bernhard und ich zu unserer Selbsthilfegruppe. Dieser Abend ist ganz Moritz vorbehalten. Es tut mir unendlich gut mit anderen Betroffenen zu sprechen.

Wir wollen in diesem Jahr wieder an einem Trauerseminar im September teilnehmen. Ganz alleine ohne die anderen drei Kinder. Letztes Jahr habe ich dort ein für mich sehr wichtiges Trauerbild gemalt, und Bernhard hat danach das Labyrinth von Chatres als Murmelbahn
nachgebaut.

Im letzten Jahr gestalteten wir mit den Klinikseelsorgerinnen der MHH und der Mutter von Esther am Totensonntag einen Gedenkgottesdienst für die in diesem Jahr dort verstorbenen Kinder. Ich hoffe, daß dieser Gottesdienst für uns zu einem Ritual wird. Wir vier haben es uns zumindest vorgenommen in diesem Jahr wieder eine Andacht zu gestalten.

Wir möchten es versuchen, Moritz Geburtstage weiterhin als Festtage zu gestalten. Ich hoffe, daß wir das schaffen.

Ich finde Rituale sehr wichtig. Sie helfen enorm mit der Trauer zu leben. Ich habe neulich gelesen, daß es in der Schweiz Ritualberater gibt. Vielleicht wird es diesen Beruf auch bald in Deutschland geben. Ich würde das auf jeden Fall begrüßen. Wir haben auch einige Rituale von anderen Trauernden übernommen. Denn auf manche Sachen kommt man alleine einfach nicht.

Claudia Heyden-Rynsch

Robin und Stella gehören nach wie vor zu unserem Leben. Wir sind auch sehr bemüht, beide auch nach ihrem Tod in unserer Familie existent und zugehörig zu wissen und unsere lebenden Kinder sollen und dürfen mit unseren toten Kindern, ihren Geschwistern, aufwachsen.

So wie alle Kinder bekommen auch meine Engelchen ihre ganz persönliche Zeit. Ich bringe sie nach wie vor „ins Bett“.

Natürlich gehen alle Kinder gemeinsam ins Bett, da ja auch alle in einem ähnlichen Alter sind. Alena und Stella trennen nur acht Monate. Stella und Robin trennen 11 Monate und Robin und Timmy trennen nur 17 Monate. Also kein Problem, die Kinder alle zur gleichen Zeit ins Bett zu bringen. So ist auch keines neidisch auf das andere.

So war es, als Robin noch lebte und so ist es auch bis heute geblieben.

Nun, wo es solangsam wieder wärmer ist, fangen wir gegen 18 Uhr mit den Vorbereitungen an. Tim und Alena gehen ins Bad zum Waschen und Zähneputzen.

Timmy kann man nur in der Badenwanne waschen, weil er sonst türmen würde. Keine Ahnung, was er gegen Waschlappen hat?? Aber ich kenne ja das von Robin. Er brauchte auch jeden Abend eine Dusche. Tja, so klein aber doch ihren eigenen Kopf 🙂

Dieses Übel mit der leidigen Wascherei bleibt Robin und Stella erspart. Darum beneidet Alena ihre Engelsgeschwister so manches Mal, wenn sie noch lieber weiterspielen würde.

Wenn alle schön sauber sind und in ihren Schlafanzügen stecken, gehen wir gemeinsam nach draußen auf den Balkon oder wir stehen einfach an der Balkontüre, wenn es uns zu kalt ist.  Alena klingelt am Windspiel nach ihren Geschwistern, damit sie angeflogen kommen und bei uns sitzen.

Wir zünden Kerzen an, für jedes Kind eine eigene. Alena hält dann oft noch für ihre Geschwister eine Wunderkerze Richtung Himmel, oder wir brennen Räucherstäbchen an.

Dann sagt Alena meist folgendes Gedicht für ihre Geschwister auf:

Wenn kleine Englein schlafen gehen,
dann kann man das am Himmel sehen,
für jedes Englein leuchtet ein Stern
und Eure sehen wir besonders gern.

Oft singt sie dann noch ein Lied, daß sie selbst zusammengereimt hat:

Funkle funkle kleiner Robin und die Stella noch dazu. Schwesterlein hier auf der Erde winkt auch immer wieder zu.

Funkle funkle kleiner Robin und die Stella noch dazu, seid ihr auch so weit von mir, in Gedanken seid ihr hier.

Danach folgt die Gutenachtgeschicht.

Wenn die Geschichte zuende ist, klingelt Alena nochmal an ihrem Windspiel. Das hat sie sich so angewöhnt und ich bin froh, daß auch sie für sich eine Möglichkeit gefunden hat, wie sie mit ihren toten Geschwistern lebt.

Hinterher gehen Timmy und Alena dann ins Bett und im Bett beten wir dann noch, was uns gerade einfällt.

Aber bis heute hat Alena noch nicht vergessen, Gott um einen schönen Traum von Robin und Stella zu bitten.

 Mone
http://www.robink.de.tt/

Meine Rituale

Vor dem Tod von Tobias,  habe ich sie belächelt, die Rituale, als Überbleibsel, altmodisch und nicht mehr zeitgemäß.

Aber nach seinem Tod, habe ich sie entdeckt. Sie waren für mich die Tür, die mich wieder ins Leben führte, etwas an das ich mich halten konnte, wenigstens etwTobistern34as, was wieder etwas Struktur in mein Leben brachte.

Ein Ritual haben wir vom Trauerseminar mitgenommen, es war, so glaube ich, das erste: Bei jedem gemeinsamen Essen von Kai und mir oder wenn wir einfach beisammen saßen, zündeten wir Tobias‘ Stern an. So war er auch sichtbar immer bei uns. An diesem Ritual habe ich auch gelernt, daß sie sich verändern können, denn heute zünden wir den Stern noch oft, aber nicht mehr immer an. Aber die besondere Bedeutung hat er auch weiterhin für uns.

Ein weiteres Ritual ist erst nach der Geburt unseres zweiten Sohnes entstanden. Ich habe für Pascal ein Mobile aus Holz gebastelt, bestehend aus Schmetterlingen. Jeden Abend, wenn wir Pascal ins Bett bringen pusten wir, inzwischen pustet auch Pascal ganz eifrig mit, und ich bitte dann immer Tobias schön auf Pascal aufzupassen, wenn er schläft.

Für Tobias habe ich eine Kerze im Taufgottesdienst angezündet

Heute hatte ich mal wieder die Gelegenheit, in unserer Gemeinde im Gottesdienst anläßlich einer Kollekte für die Verwaisten Eltern etwas zu erzählen. Ich habe das bereits zwei mal gemacht und nutze es immer, um auf die besondere Problematik aufmerksam zu machen. Da heute auch zwei Kinder getauft wurden, habe ich mir einen Wunsch erfüllt, den ich schon lange hatte: Ich habe heute im Gottesdienst an der Osterkerze eine Kerze für Tobias angezündet und dazu das folgenden erzählt:Tobiaskerzealtar

Taufen sind immer etwas ganz besonderes für mich. Auch unsere beiden jüngsten Jungs sind hier in der Gemeinde im Gottesdienst getauft worden. Unser erster Sohn Tobias ist leider nicht getauft worden. Er konnte nicht getauft werden, da er bei der Geburt gestorben ist.

Leider habe ich im Krankenhaus keine Betreuung erfahren, sonst hätte man mir gesagt, daß ein Pastor ihn zumindest hätte segnen können, was mir damals und heute sehr viel bedeutet hätte. Aber damals vor 5 Jahren haben allen um mich herum nur geschwiegen und so getan, als wäre nichts geschehen. Damit sich hier etwas ändert und Gott sei Dank hat sich hier schon vieles verbessert, bin ich inzwischen bei den Verwaisten Eltern aktiv, die nicht nur Betroffen betreuen, sondern auch involvierte Berufsgruppen wie z.B: Hebammen, Ärzte und Rettungssanitäter informieren und schulen. Damit diese Arbeit weitergeführt werden kann, möchte ich Sie um diese Kollekte bitten, denn es ist für unseren Verein, der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert sehr schwer private Spender oder gar Sponsoren zu bekommen.

Einige werden sich sicherlich schon gewundert haben, daß auf dem Altar drei Kerzen stehen, obwohl wir ja nur zwei Täuflinge heute haben, aber jedes Jahr, wenn wir am Tauftag unsere jüngsten Söhne, ihre Taufkerzen anzünden, dann merke ich wieder, wie etwas fehlt… Die Taufe oder den Segen nachholen das kann ich nicht mehr, aber ich möchte aus diesem Grund heute eine Kerze für Tobias hier an der Osterkerze entzünden, so wie die Taufkerzen von Pascal und Gideon hier zum ersten Mal entzündet wurden, damit am nächsten Tauftag auch eine dritte Kerze für Tobias brennt.

Dann zündete ich die selbstgemachte und mit seinen Namen verziert Kerze an und ging auf meinen Platz zurück. Es war außerdem wieder mal so schön, die Gelegenheit zu nutzen und ganz offiziell den Namen von Tobias auszusprechen. Eigentlich etwas selbstverständliches, aber wie viele andere verwaiste Eltern es auch kennen, insbesondre diejenigen Eltern, die ein Kind still geboren haben, werden die Namen immer totgeschwiegen.

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de 25.05.2003

Abschiedsritual

Nach fast zwei Jahren hieß es nun Abschied nehmen. Aber zwischenzeitlich waren wir ja Profis geworden im Abschied nehmen. Unsere Babygruppe, wir alle hatten ein Kind in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren, bestand fast zwei Jahre. Zusammen sind wir gemeinsam durch die tiefsten Täler und die größte Dunkelheit gegangen, aber auch gemeinsam im hellen Sonnenschein. Wir haben gemeinsam geweint, aber auch gemeinsam viel gelacht. Jeder wurde von der Gruppe aufgefangen.

Es war kein einfacher Weg, den wir gegangen waren. Wir und auch    Gabi hat es uns nie leicht gemacht. Dafür haben wir aber viel geschafft – eben Trauerarbeit geleistet – und so viel bekommen. Viele Themen haben wir dabei erarbeitet: “Glaube”, “unsere Mütter und unser Mutter- bzw. Vatersein”, “Geschenke unserer Kinder”, “Die Wichtigkeit von Rituale” und einiges Mehr.

Auch außerhalb der Gruppe waren wir viel zusammen. Wir haben die ersten Geburtstage unserer gestorbenen Kinder begangen.

Inzwischen waren 7 Folgebabys geboren. Die ganze Gruppe hat die Schwangeren durch ihre Ängste getragen, aber auch die Freude nach den Geburten geteilt.

Aber nun im Oktober 1999 wollten wir unseren Abschied feiern. Ja, von was eigentlich? Sicher nicht von unseren Kindern, denn die werden immer in unseren Herzen bleiben. Jeder nahm persönlich von etwas Abschied: Von dem Schmerz, der Angst, der Dunkelheit oder Einsamkeit oder anderen Dingen. Viele Stunden zuvor hatte wir den Tag vorbereitet, gemeinsam geplant und gebastelt. Bis es endlich stand, unser Abschiedsritual.

Abschied1nWir trafen uns an einem Sonnabend in einem Musikraum einer Schule, den wir zuvor etwas hergerichtet hatten. Natürlich stand unsere Eisenbahn mitten auf dem Tisch. Unsere Eisenbahn, die uns von Beginn an durch unsere Gruppenabenden begleitet hat. Sie besteht aus einzelnen Holzgleisen, die man zusammenlegen kann. In die Gleise werden kleine Stifte gesteckt, an denen jeweils ein großes Herz, das mit dem Namen eines Kindes und dessen Geburts- bzw. Todesdatum beschriftet ist, befestigt wird.

Abschied2
Gravierte Windlicht

Zunächst aber hatten wir uns bei Gabi für die liebevolle Begleitung mit einem Windlicht bedankt, auf das wir alle Namen unserer Kinder mit deren Daten graviert hatten. Außerdem hatten wir den Satzbeginn :“Liebe Gabi, vielen Dank für…” graviert, den jeder mit einer eigenen Zeile ergänzte.

Liebe Gabi,
vielen Dank …

daß durch Dich neue Zuversicht zurückkehrt
Claudia

daß Du mich
getragen,
angestoßen
begleitet und
ins Licht geführt hast
Pirko

dafür, daß Du meine Tränen ertragen hast.
Monika G.

für ein Stück Wegbegleitung
Susanne B.

für die neuen echten Freunde
Anja

für offene Ohren
Sabine

für die Hilfe, die eignen Gefühle zuzulassen.
Bernd

daß Du mich nach dem dritten Mal erlöst hast.
Kai

daß ich wieder träumen darf
Annette

daß ich die Säbel rasseln lassen durfte
Ulrike

daß Du für mich ein Licht warst
Heinz

daß Du die Gruppe geschlossen hast
Susanne S.

für das Licht in der Dunkelheit
Wiebke

daß Du mit meiner Art umgehen konntest
Monika Z

Dann begannen wir, wie immer mit einer Einführungs runde, in der jeder sagen konnte, was ihn zur Zeit bewegte. Wir wußten alle, wenn Ulrike unser Ei, das dann immer rum ging und festlege, wer dran war, bekam, ihr erst einmal die Tränen in die Augen schossen. Wir hätten es vermißt, wenn es nicht so gewesen wäre. Jeder zündete dann ein Licht an, auch das war inzwischen zum Ritual geworden.

Wir hatten uns für diesen Tag drei Abschnitte überlegt. Als erstes wollten wir etwas mitnehmen von diesem Tag und zwar ganz konkret. Als zweites wollten wir etwas wegschicken oder besser loslassen und als drittes einen Ausklang finden, der uns wieder zurück in den Alltag bringt.

Mobile
Mobile

Wir begannen daher als erstes mit unserem Mobile, das wir zuvor gemeinsam gebastelt hatten. Gabi hatte uns erklärt, daß durch den Tod unserer Kinder uns und unsere Beziehungen zu unseren Partner bzw. Kindern aus dem Gleichgewicht gebracht worden seien, wie ein Mobile, das ein Anhänger verloren habe. Trauerarbeit sei es nun, das Mobile wieder ins Gleichgewicht zu bekommen, wenn auch vielleicht ganz anders als vorher. Auf den obersten Schmetterling wurde jeweils der Name unseres Kindes geschrieben und darunter die Namen der Restfamilie. An deren Anhänger schrieb dann jeder die Geschenke, die wir von unseren Kindern erhalten haben, wie z.B. “Dankbarkeit”, “Einblick”, “Gefühle” usw. Jeder, der Lust hatte las sein Mobile vor.

abschiff
Selbstgebastelte Korkschiffe mit den Wünschen

Danach suchte sich jeder eines der kleinen Korkschiffe aus, die wir ebenfalls vorher selbst gebastelt hatten. Auf das Segel dieser Schiffe schrieb jeder, von was er persönlich Abschied nehmen wollte. Wir gingen dann gemeinsam zum Alsterlauf, zündeten das kleine Teelicht auf dem Boot an und ließen es zu Wasser. Es war ein schönes Bild, wie die Schiffe langsam fortschwammen. Lange blieben wir auf der Brücke und sahen ihnen nach.

Als wir zurück waren, beendeten wir unser Ritual mit einem Tanz, der ein wunderbarer Abschluß war, denn dann gingen wir zum “gemütlichen” Teil über, nämlich dem gemeinsamen Grillen und Feiern.

Ich glaube, Gabi war ein wenig stolz auf ihre Gruppe, die diesen Tag so ganz allein gestaltet hat und die ihr damit bestätigte, daß sie nicht nur gelernt hatten, wieder selber zu laufen, sondern auch wieder Ziele zustreben und ihren Weg allein weiter zu gehen.

© Pirko Lehmitz, www.Stillgeboren.de

Trauern hat seine Zeit

Abschiedsrituale beim frühen Tod eines Kindes

Von Michaela Nijs

Auszüge zusammengstellt von Pirko Silke Lehmitz

1.Ritual, Definition und Wirkung

 a) Definition für ein RitualNijs
Die amerikanische Psychotherapeutin T. Rando definiert ein Ritual als ein spezifisches Verhalten oder eine spezifische Handlung , die bestimmten Gefühlen und Gedanken des/der Vollziehenden als Einzelner oder als Gruppe symbolischen Ausdruck verleiht. Das Hinaus-Setzen von emotionalen Erlebnisinhalten kann für einen Trauernden befreiend wirken, insbesondere, wenn der Tod eines geliebten Menschen mit traumatischen Erfahrungen verbunden war. Oft fehlen die Worte, um den Schmerz mitzuteilen; dann können Symbole und symbolische Handlung helfen, ohne Worte ein Brücke zu anderen Menschen zu schlagen. Rando weist in ihrer Definition auf ein weiters Charakteristikum von Ritualen hin: sie können einmal stattfinden, wie zum Beispiel eine Beerdigung, sie können jedoch auch wiederholt werden oder über eine gewisse Zeit fortlaufen vollzogen werden. Dies zeigt die vielfältigen möglichen Variationen von Ritualen.

    b) Gebrauch des Begriffes Ritual in diesem Buch
Ein Abschiedsritual ist eine bewußt vorbereitete und vollzogene symbolische Handlung, die Gefühle und Gedanken des Trauernden ausdrückt. Diese Handlung ist individuell gestaltet, ihr Inhalt wird geprägt durch die Bedürfnisse und Überzeugungen des trauernden Menschen. Elemente aus überlieferten Ritualen können enthalten sein, eine symbolische Handlung kann auch ohne Anlehnung an Traditionen gestaltet werden. Bei der Vorbereitung und dem Vollzug des Abschiedsrituals dient keine Suggestion oder Manipulation durch andere Menschen statt, das Ritual wird in Freiheit vollzogen. Es kann ein einmaliges Geschehen sein, es kann in derselben Form mehrmals wiederholt werden oder ein fortlaufenden Charakter haben. Die symbolische Handlung ist herausgehoben aus der Routine des Alltags und kann mit Erfahrungen des Außer-Gewöhnlichen verbunden sein. Ein Ritual spricht den ganzen Menschen an, indem es die Aktivität von Körper, Seele und Geist fördert. Ein Ritual wirkt auf verschiedenen ebenen interaktiv. Der Vollzug einer symbolischen Handlung kann eine heilende Wirkung für den Vollziehenden haben.

    c) Rituale als Orientierungshilfe
Wenn ein trauernder Mensch vor dem Vollzug eines Abschiedsrituals ein Ziel beschreibe kann, das er unter andrem auch mit Hilfe des Rituals erreichen möchte, kann dieses Ziel eine Orientierung in schwierigen Zeiten bieten. Klare Ziele für Rituale bedeuten nicht, daß quantitativ erfaßbare Leistungen als eine Zieldefinition dienen. Es geht um eine generelle Wegrichtung, nicht um Stationen, die erreicht werden sollen. Eine Mutter kann sich zum Beispiel entscheiden, daran zu arbeiten, wie sie das Gedenken an ihr gestorbenes Kind mehr in ihr Leben integrieren kann. Diese Mutter hat ein klares Ziel: sie möchte ihre Erfahrungen mit dem Leben einbeziehen. Dieses Ziel läßt jedoch offen, welche Wege und Um-Wege gewählt werden und wie die Wegstationen aussehen werden. Das Ziel gibt Orientierung, und gleichzeitig läßt es den Menschen in seinen Entscheidungen frei. Zu diesem frei-lassenden Element der Rituale kommt noch ein weiterer wesentlicher Aspekt hinzu: die Kreativität, das schöpferische Gestalten. Gerade bei den Abschieds-Ritualen, die im vorliegenden Buch dargestellt werden, ist das kreative Element sehr wichtig. Wählt eine Mutter zum Beispiel den fortlaufenden Brief an ihr verstorbenes Kind als seinen möglichen Weg zur besseren Integration ihrer Erfahrungen, dann wird sie nicht jeweils zu Beginn des Schreibens genau definieren, was sie schreiben will. Da das Scheiben ein kreativer Prozeß? Ist, wird sie möglicherweise Gefühle verbalisieren, die ihr vorher nicht bewußte waren, oder sie Zusammenhänge zwischen früheren Erlebnissen und gegenwärtigen Situationen erkennen, die sie auf einer Intellektuellen Ebene vorher nicht hatte sehen können. Sich dem Fluß des Schreibens anzuvertrauen, ohne dabei die Kontrolle durch das Ich zu verlieren – das ist schöpferische Gestaltung von Abschiedshandlungen.

    d)Heilende Wirkung
Beim Vollzug eines Rituals erfolgt ein Rückbezug auf das, was nährt und heilt. Diese Nährende verstehe ich im übertragenden Sinn als eine Quelle der Lebenskraft, vielleicht auch als einen imaginativen Ort, an dem ein Mensch sich rückbesinnen kann auf seine wahren Lebensimpulse. Die Annahme dieser kraftspendenen und damit heilenden Wirkung von Ritualen gehört zu den Grundlagen des vorliegenden Buches.
Die amerikanische Psychotherapeutin Achterberg beschreibt die Wirkungen, die Rituale für den einzelnen und für die Gemeinschaft haben können: „Rituale dienen als Wegweiser und Verhaltensmaßstäbe in Krisenzeiten, wenn Körper, Geist oder Seele angegriffen sind. Der Akt des Rituals ermöglicht es den Menschen, Erfahrungen miteinander zu teilen und einander sichtbar zu unterstützend. „Die wesentliche psychologische Wirkung des Rituals liegt darin, daß es Menschen durch schwierige Zeiten geleitet, Sterbend, Schwerkranke, Menschen in emotionalen Krisen. Das Ritual liefert eine Landkarte für das unsichtbare, unbekannte und nicht vermessen Territorium, das sie durchschreiten“.
Als weitere Wirkungen von Ritualen nennt Achterberg die Minderung des Gefühls der Entfremdung von der eigenen Gemeinschaft und die Verminderung von Depressionen und Angst. Die Aufhellung von Depressionen hängt damit zusammen, daß im Ritual die eigene Aktivität des Menschen gefordert ist. Gelingt der Schritt, die Impulse aus dem Denken in eine Handlunge umzusetzen, dann ist der Teufelskreis der depressiven Lähmung durchbrochen.
Ein Mensch kann Hoffnung in einer Krisenzeit erleben, wenn er spürt, daß er sein Hier und Jetzt gestalten kann. Genau diese Gestaltung des „hic et nunc“ geschieht im Ritual, der Fokus der Aufmerksamkeit ist auf die Gegenwart gerichtet. Das mach dem Trauernden Mut, daß er auch in Zukunft in der Lage sein wird, sein Leben zu ergreifen.

    e) Auseinandersetzung im Tun
Es gibt zwei wichtige Elemente einer symbolischen Handlung. Das erste Element ist die Erfahrung, daß die Auseinandersetzung im Tun geschieht. Der aktive Prozeß des Ergreifens hilft, die Realität des Todes anzuerkennen und so einen ersten Schritt zu Integration zu leisten. Das zweite Element ist das Bemühen, die eigenen Erfahrungen in ein Form zu bringen. In einem schöpferischen Prozeß entsteht etwas Sichtbares. Inneres kann zu einer äußeren Gestalt werden, kann ausgedrückt werden.

2.„Mementoes“: Erinnerungsstücke

Wenn ein Erwachsener oder ein älteres Kind sterben, gibt es viele besondere Gegenstände, die mit Erinnerungen an den Verstorbenen verbunden sind. Ganz anders ist die Situation, wenn ein Kind tot zur Welt kommt, oder um die Geburt herum stirbt. Dann haben die Eltern und die Geschwister oft nur sehr wenige „mementoes“. Manche Familien haben keinen einzigen Gegenstand, der sie an das gestorbene Kind erinnert.

    a) „Mementoes“ als Begleiter in der Trauer
„Mementoes“ können auch Gegenstände sein, die mit positiven Erfahrungen während der Trauerprozesses verbunden sind. Manchmal sind es Geschenke von Menschen, die die Eltern unterstützt haben. Gerade in Krisenzeiten können solche Übergangsobjekte stabilisierend wirken.

    b) Neu geschaffene „Mementoes“
„Mementoes“ müssen nicht Gegenstände sein, die schon im Besitz der Eltern waren, als das Kind starb. Es können ebenso Dinge sein, die nach dem Tod des Kindes geschaffen und gestaltet wurden. Gerade Eltern, die kaum Gegenstände habe, die sie an eine gemeinsame Zeit mit dem Kind erinnern, erleben es oft als sehr hilfreich, wenn sie selbst etwas gestalten können, oder wenn sie nach Symbolen und Bildern für ihre Erfahrungen suchen können.

    c) Kerze als Symbol des Gedenkens
Die Kerze ist ein Symbol, das die Menschheit schon sehr lange bei Feiern und besonderen Anlässen verwendet. In der christlichen Tradition steht die Kerze in einem engen Zusammenhang mit Weihnachten und Ostern. Aber auch für viele Menschen, die keine Beziehung zur christlichen Überlieferung haben, ist das Anzünden einer Kerze eine wichtige symbolische Handlung, diene besondere, außergewöhnliche Zeit markiert. Kerzen bringen Wärme und Geborgenheit, die Flamme wird auch als ein Symbol der Liebe gesehen.

Ein Vorschlag als ein Symbol für die Verwendung von Kerzen in einem Ritual wäre es, eine Kerze während der Geburt eines toten Kindes brennen zu lassen und diese Kerze den Eltern dann zu schenken. Hier kann man das Licht verstehen im Sinne einer Begleitung schon während der Geburt, eines Empfangens des toten Kindes mit Kerzenlicht auf dieser Welt und einer besonderen Kerze, die die Eltern durch ihre Trauerzeit begleiten kann. Dieser Vorschlag ist inzwischen von einigen Hebammen aufgriffen worden. Sie erzählten, daß sie positive Rückmeldungen von Eltern bekommen hätten, denen sie eine Kerze mit nach Hause gegeben hatten.  Sie berichteten auch, daß sie selbst gespürt hätten, wie sich die Atmosphäre im Kreißsaal verändert, wenn eine Kerze brennt.

    d)Das Fehlen von gemeinsamen Erinnerungen
Gerade in bezug auf die soziale Interaktion wird deutlich, daß die Situation nach dem perinatalen Tod eines Kindes ein ganz andre ist als die nach dem Tod eines Erwachsenen. Wenn ein Kind um die Geburt herum stirbt, gibt es beinahe keine gemeinsamen Erinnerungen, die die Eltern mit Freunden und Verwandten teilen können. Eltern eines früh gestorbenen Kinde können eben nicht sagen: „ Weißt du noch, wie unser Sohn zum erstem Mal gesessen hat?“ Solche geteilten und mitgeteilten Erinnerungen erleichtern den Trauerprozeß – und sie fehlen beim frühen Tod eines Kindes.

3.Jahrestage und andere wichtige Gedenktage

    a)Meilensteine auf dem Weg durch die Trauer
Jahrestage können ein Anlaß sein, auf das vergangene Jahr zurückzublicken, vielleicht auch auf die Zeit seit dem Tod des Kindes. Dieser Rückblick kann hilfreich sein, denn während des Durchlebens des Prozesses sehen die Eltern ihre Schritte in Richtung Heilung manchmal nicht. Dies können im Überblick viel deutlicher wahrgenommen werden.
Nicht nur der Todestag des Kindes, sondern auch andere Tage können für die Eltern die Funktion von Meilenstein den haben: der errechnete Geburtstermin; in folgenden Schwangerschaften die Schwangerschaftswoche, in der das Kind gestorben ist; der eigene Geburtstag, an dem die Eltern sich erinnern, daß das Kind fehlt; und viele ganz individuelle Tage.

b)Muttertag und Vatertag
Diese Tage können besonders für Eltern, die keine lebenden Kinder habe, schwierige und traurige Tage sein. Fragen der Identität der Eltern können in dieser Zeit besonders drängend werden. In einer Veröffentlichung einer amerikanischen Selbsthilfegruppe beschreibt eine Mutter ihre Gedanken zu diesen Gedenktagen: „ Verständlicherweise sind dies zwei Tage, die von unsrer Gesellschaft bestimmt worden sind, um den Status der Elternschaft zu ehren, wie das sprichwörtliche Salz in der unseren Wunde. Für diejenigen von uns, die keine überlebenden Kinder haben, bringen diese beiden Feiertage auch viele Fragen a die Oberfläche. Wird irgend jemand, anerkennen, daß wir Eltern sind? Werden wir uns selbst erlauben, anzuerkennen, daß wir Eltern sind? Sind wir Eltern? Natürlich sind wir es! Töchter und Söhne hören nicht auf, Töchter und Söhne zu sein, wenn ihre Eltern sterben. Wir sind Mütter und Väter, deren Kinder gestorben sind.“

4. Namensgebung

a) Anerkennung des Kindes als Individualität
Der Name eines Menschen steht in engem Zusammenhang mit der Anerkennung seiner Individualität, seiner Persönlichkeit. Die fragen nach der Identität und den Wesen eines Menschen sind häufig verbunden mit dem Namen, der er trägt. Wistinghausen beschreibt diese Beziehung zwischen dem Namen und dem Wesen eines Menschen folgendermaßen: “Der Name deutet nicht nur auf den Menschen, sondern er bedeutet den Menschen. Das persönliche Wesen Mensch lebt und webt geheimnisvoll in den Lauten des Namens und äußert sich in ihnen.“
Um ein Gegenüber persönlich ansprechen zu können, müssen wir seinen Namen kennen. In diesem Sinne kann der Name auch als eine Voraussetzung für Begegnung gesehen werden.
Es erscheint uns selbstverständlich, einem lebend geborenen Kind einen Namen zu geben. Die Frage nach dem Namen ist meist auch ein der ersten Fragen, die Eltern kurz nach der Geburt eines lebenden Kindes von Freunden und Verwandten gestellt werden.
Dieser selbstverständliche Umgang mit dem Namen geht verloren, wenn das Kind tot geboren wird oder kurze Zeit nach der Geburt stirbt. In dieser Situation werden Eltern nur selten gefragt, wie ihr Kind heißt. Dabei kann die Namengebung gerade beim frühen Tod eines Kindes für die Eltern und für alle anderen Beteiligten wichtig Signale setzen. Wenn Eltern einem totgeboren oder perinatal gestorbenen Kind einen Namen geben, machen sie damit deutlich, daß ein Mensch gestorben ist, daß es nicht um den Verlust eines Schwangerschafts-Produktes geht. Diese Anerkennung der Individualität des Kindes gehört wesentlich zu einem würdevollen Umgang mit früh gestorbenen Kindern. Fast alle Mütter, die in einer Untersuchung befragt wurden, hatten ihren verstorbenen Kindern einen Namen gegeben. Viele hatten jedoch diesen Namen noch nie einem anderen Menschen gegenüber ausgesprochen. Die selbstverständlich frage nach dem Namen kann den Eltern helfen, die Schwelle zu überwinden, zum ersten Mal den Namen ihres Kindes andren mitzuteilen.
Da die Eltern so wenige konkrete Erinnerungen an ihr Kind habe, kann die Namensgebung ihnen oft helfen, anzuerkennen, daß sie um einen konkreten Menschen trauern. Der Name kann auch zu einem Symbol für die Existenz des Kindes werden. Gerade bei mehrfachen Verlusten ist es sehr wichtig, zu differenzieren – die einzelnen Verluste zu benennen, um dann trauern zu können. Nachdem Frau S. den Namen ihres Sohnes ausgesprochen hatte, konnte sie um dieses Kind trauern. Es bekam eine Gestalt, während vorher alles wie in einem schwarzen Strudel vermischt gewesen war. Mit dem Mitteilen des Namens sind zwei Erfahrungen verbunden: das Kind bekommt eine Identität, durch diese Identität ist es nicht ersetzbar.

   b) “Endlich was in den Händen haben” – Zur Bedeutung von Dokumenten
Gerade wenn Eltern ihr totes Kind nicht gesehen haben, suchen sie oft nach “Mementoes”, die auf die auf die Existenz ihres Kindes hinweisen. In einer solchen Situation können formale Schriftstücke, die für Außenstehende sachlich und kühl wirken, eine wichtige Rolle spielen

Der Baum

Ein Kapitel für Pirko 😉

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Gärtner stellten den Baum in das Loch
LarasBaum2kl
Nika schüttet Erde auf das Bäumchen

Einige Zeit nachdem Lara beerdigt war, fand ich für mich heraus, dass ich gerne einen Platz haben wollte, an dem ich Lara nahe sein konnte und der für mich aussagen konnte, dass für mich das Leben noch nicht zu Ende war. Der Friedhof kam nicht in Frage, da ich Lara 800 km entfernt bei meiner Mutter beigesetzt hatte. Und auch heute noch, wo ich wieder in der Nähe des Friedhofs lebe, bin ich kaum dort.

Wie ich darauf kam, weiß ich heute nicht mehr, aber ich beschloss, ein Bäumchen für sie zu pflanzen. Dass das in Hamburg möglich war, erfuhr ich schnell.

Ursprünglich wollte ich gerne an meinem Lieblingsplatz an der Außenalster m einen Baum haben. Ich traf einen Gärtner, der mir die Möglichkeiten aufzählte.

Ich hätte dort an der Außenalster eine Trauerweide pflanzen können oder ein japanisches Kirschbäumchen an einem Spielplatz, der in einem anderen Stadtteil lag.

Schlussendlich entschied ich mich für das Kirschbäumchen. Es erschien mir hoffnungsträchtiger und die Idee meiner Lara an einem Spielplatz zu begegnen, gefiel mir auch immer besser.

Immer wieder, wenn ich dort saß oder sitze, sehe ich im Geiste ein Mädchen dort spielen, dass nur ich sehen kann. Meine Lara!

Ich kaufte also diesen Baum. Der Gärtner grub noch das Loch und stellte den 2,5 m hohen Baum in das Loch dann waren wir allein.

Ich hatte ein paar Leute eingeladen, bei mir zu sein, die mir wichtig waren, die Lara gekannt hatten oder die mir jetzt eine Hilfe waren auf meinem Trauerweg.

Wir gruben den Baum ein und ich las noch einen Brief an Lara vor. Dann banden wir den Brief an Heliumballons und ließen einzelne Ballons mit dieser Gruppe zusammen steigen. Es war wahnsinnig schön.

Ich denke, das ganz ging wahnsinnig schnell, aber umso wichtiger war es für mich, das zu tun!

Für Lara

Gepflanzt nur für Dich
kleine Lara
ein Baum der Liebe
dessen Äste in den Himmel ragen
wie unsere Arme voll von Sehnsucht
getränkt mit unseren Tränen
mögen seine Wurzeln
sich tief in die Erde graben
wie Du Dich in unsere Herzen

Pirko Silke Lehmitz
18.03.1998

Und bis heute bin ich gerne bei meinem Bäumchen, wenn er im Frühjahr blüht. Leider schaffe ich es nicht jedes Jahr, aber es ist ein wertvolles Wissen, dass dort mein Baum steht und den Kindern dort Freude bringt! Eine japanische Kirsche wird im Schnitt 60 Jahre alt. Ich hoffe, sehr, dass auch mein Bäumchen so lange lebt!

Monika G.
6.1.2008

Mementos aus dem Forum

Auf meine Frage im Forum der Schmetterlingskinder, ob Ihr auch so viele ErinnerunSchmetterlingskindergsstrü cke an Eure Kinder habt, wurde die nachfolgenden Beiträge gepostet.

Eva Maria Langenbach 26-06-2003, 08:46 Uhr 

Liebe Pirko,
so viele Sachen wie Du habe ich nicht von unserem Bernhard.
Ich habe ein Foto von ihm, eine kleine Elfe und eine Kerze
neben meinem Bett im Regal stehen. Ich hatte eine Spieluhr
für ihn vor der Geburt gekauft (eine Sonne) die liebt unsere
Anna Lena über alle maßen. Und das Album mit den Fotos,
die Geburts-, u. Sterbeurkunde, Ultraschallbilder, die
Beileidskarten von Freunden, habe ich in einem grossen
roten Herz aus Pappmache, welches meine Tochter Kathrin
für mich zum Muttertag gebastelt hat aufbewahrt. Dann
haben wir noch eine Kerze, die Kathrin für Bernhard gestaltet
hat. Mehr Erinnerungsstücke gibt es in unserem Haus nicht –
ich glaube mein Mann würde es auch nicht ertragen, wenn
er überall schmerzlich erinnert würde.
Liebe Grüsse
Eva-Maria mit Julia, Christian, Kathrin,
Marie, Anna Lena und Alexander an der
Hand und Sternchen Bernhard ganz tief

 

Simone und Andi 25-06-2003, 22:41 Uhr

Liebe Pirko,

ich finde das so wie ihr es habt genau richtig und superschön!

Bei mir ist auch überall etwas – zumindest fällt es mir jetzt so richtig auf, wo Du Deine Erinnerungsstücke aufzählst.

An dem Platz, an dem Robin gestorben ist, haben wir eine Glasvitrine aufgestellt. In den beiden Schubladen bewahre ich die Kleider auf, die so richtig „Robin“ waren – der Taufanzug, der erste Strampler, seine ersten Schuhe…

In den Regalen sind dann seine Lieblingsspielsachen eingeräumt, Keramikfiguren vom Friedhof, die Taufkerzen der Kinder und einiges mehr…

In der Küche, habe ich ein kleines Eckchen neben der Balkontüre, wo zwei Kerzen stehen – eine für Stella, eine für Robin – die brennen abends immer.

Im Wohnzimmer habe ich einen kleinen schlafenden Engel sitzen – er sieht original aus wie Robin, hat ne brauen Latzhose an (darin sah Robin so süß aus) und schläft auf einem großen Sack voller Spielsachen…

Dann sind da noch die Schmuckblätter mit den Namen der Kinder – von Stella habe ich ja nur im Mutterpaß „missed abortion“ stehen – mehr nicht – wegen 40 g… Darum hab ich darin so ne ARt Geburtsurkunde gesehen gibt es bei http://www.tollenamen.de

Alena und Tim haben im Kinderzimmer auch ihre Erinnerungsstücke – Alena braucht neben ihrem Bett das Foto von Robin – und sie hat von mir damals eine Kette bekommen, mit einem kleinen Engelchen als Anhänger – ihr Robin eben… den legt sie nicht ab…

Timmy schläft immer mit Robins Säffi (Schäfle) ein, weil Robin doch jetzt nicht mehr nach Säffi gucken kann, sagt er, deshalb guckt er für Robin nach Säffi…

Im Schlafzimmer hängt ein Poster von Anne Geddes – „George als Engel“ – erinnert mich irgendwie auch an meine beiden…

Ich glaube mehr gibt es nicht…

Liebe Grüße, Mone

http://www.robink.de.tt

 

Heike Q 26-06-2003, 07:14 Uhr

Liebe Pirko,

wenn Du nicht danach gefragt hättest, wäre es mir gar nicth soo aufgefallen, wie viele Erinnerungsstücke wir bei uns in der Wohnung verteilt haben.

Das ganze KiZi ist noch so eingerichtet wie wir es für Ilias fertig gemacht hatten. Auf der Wickelkommode liegt der dunkelblaue Anzug mit passendem HAlstuch. Das habe ich noch am 28.0502 feritg genäht und hingelegt, damit Hassan sofort sieht, was ich wieder tolles für Ilias gemacht habe. Die passende Mütze ist nicht mehr fertig geworden. ICh werde sie auch nicht mehr nähen. An Kleidungsstücken habe ich sehr viel für Ilias gemacht. Auch die alte Wippe habe ich neu bezogen (aus den Resten eine Hose genäht), zwei Autositze neu bezogen, einen HImmel mit passsendem Schlafsack genäht. Auf dem Kühlschrank steht ein Bild von ihm, den Rahmen habe ich selbst bemalt. Im Esszimmer auf dem Sideboard zwei Bilder von ihm, die meine Freundin mir noch ins Krankenhaus brachte. Sie hatte die Photos überarbeitet, weil sie so schlecht geworden sind. Daneben eine Kerze, die eine andere Freundin ihm in die Kapelle neben den Sarg gestellt hat. Auf dem Highboard zwischen ganz vielen Kerzen ein kleines Bild von Hassan, Ilias und mir.

Und überall in der Wohnung findet sich immer ein Ausdruck von seinen Grabbildern. Seit einigen Tagen liegt das Album von Ilias auf dem WoZiTisch. Hassan hat zum ersten mal darin gestöbert. Er konnte es noch nicht früher. Nun schaut er immer wieder hinein. Ich denke, dass HAssan mit seiner Trauer gerade dort ist, wo ich vor einem Jahr war.

Ach, und auf der Arbeit habe ich drei Bilder von Ilias stehen. Damit auch jeder sehen kann, dass ich ein Kind habe!!! Wenn es die Saison mit sich bringt, habe ich immer frischen Gartenblumen vor seinen Bildern stehen!

Liebe Grüße von

Heike

mit Ilias ganz tief im Herzen und Hoffnungsschimmer Novembersonne im Bauch (ET 27.11.2003)

http://www.totgeburt.net/html/ilias.html

Diana30  25-06-2003, 22:59 Uhr

Liebe Pirko!

Jetzt wo ich Deinen Beitrag lese fällt auch mir auf das Ich sehr viel habe in der Wohnung was mich an unsere Kim-Nova erinnert.

In der Küche hängt mein selbstgemaltes Bild von Kim-Nova im Mutterleib,US_Bilder dabei und Gedichte,alles in einem Rahmen.

Im Wohnzimmer habe ich im großen Fenster eine schöne Lichterkette von meiner Mutter bekommen,wo lauter kleine Schmetterlinge dranhängen,wenn man sie einschaltet leuchten ganz sanft die Fühler.

Im kleinen Fenster habe ich Schmetterlinge hängen aus bunten Tonpapier und auf dem Sims eine Schmetterlingskerze,die jeden Abend brennt.

Im Glasschrank steht ein Schmetterlingbild von „Anne Geddes“

Nun will ich noch irgendetwas machen für den ET am 10.07.03

Ach ja und im Garten habe ich einem Schmetterling,der bei leichten Wind mit den Flügeln schlägt.

Ich finde es schön das ihr auch so viele schöne Sachen in der Wohnug habt.

Liebe Grüße

Diana mit Silvio an der Hand und Kim-Nova im Herzen

CLAUDIA_JANETSMAMA 26-06-2003, 13:04 Uhr

Liebe Pirko ,

deine Frage kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt .

Ich bin gerade dabei alle Erinnerungsstücke / plätze zu fotografieren .

Da ich einen Elefantenschritt in meiner Trauer vorhabe ….aber das ist eine andere Sache

In unserem Schlafzimmer habe ich meine Kuschelecke , ein Tischchen mit Bildern , Gedichte , Kuscheltiere , Kerzen u.s.w. . Mit der Zeit haben sich viele Kleinigkeiten dort gesammelt .

In meinem Kleiderschrank gehört 1 Fach , Janet , dort sind die Kleider die ich ihr während der SS gekauft habe .

1 Fach im Wohnzimmerschrank gehört ebenfalls Janet , mit Bilder , Engel , Federn u.s.w.

Unser Steingarten ist voll von Deko die ich von Janet´s grab nahm um neu zu dekorieren .

Wenn Janet einen Blumenstrauß auf´s Grab bekommt bleibt die hälfte des Straußes daheim und steht im Wohnzimmer .

Auf der Fensterbank stehen die Sonnenblumen , die wir in HD für unsere Engelchen gepflanzt haben .

Vor der Haustür begrüßt der erste Engel von Janet´´s grab unsere Besucher .

Meine beiden großen haben jeh ein Foto und Gedichte b,z.w. Stofftiere von Janet in ihrem Zimmer .

Im Auto fährt unsere Engel mit als Schutzengel , hängt am Spiegel

Meine Mutter hat ein Mützchen von Janet unter ihrem Kopfkissen , mein Vater eine „ Janet Kerze „ und ihr Bild eingerahmt in einem Sternenrahmen steht in ihrem Wohnzimmerschrank

Bei meiner Schwester steht das Foto von Janet ebenfalls auf dem Wohnzimmerschrank mit Kerze und Engel .

Das gleiche bei meinem Bruder , meine Schwägerin hat noch ein Mobile gebastelt mit lauter Bärchen und Janet´s Namen das hängt im Kinderzimmer ihrer Mädchen .

Du siehst Janet hat überall ihre Spuren hinterlassen ….. obwohl viele meine Sie wäre nie wirklich da gewesen …..

Liebe grüße

Von Claudia

JanetsP.S. Wegen dem Posting das du auf deine HP nehmen möchtest wollte ich Dir noch mein Okay geben

Silli Silvia 27-06-2003, 23:16 Uhr 

Liebe Pirko,

das ist wirklich ein sehr schönes Posting…..

Ja auch wir haben einige Erinnerungsstücke an unseren Justin angesammelt.

Im Wohnzimmer habe ich eine Ecke für ihn eingerichtet, auf dem Tisch steht ein Foto von Justin mit einem Sonnenblumenrahmen und mit Window Color habe ich einen kleinen Pinguin, der mit seiner Hand winkt und seinen Namen „Justin“ draufgemalt.

Dann steht dort noch ein silberner Engel, der die Arme verschrenkt mit schönen großen Flügeln und drei kleine Engel von Mila mit Teelichthaltern und ein Engel, der einen großen Stern hält, auch von Design Mila. Er hängt an Justins Bild…

Eine kleine Sternendose mit einem kleinen Engel drauf zu seinem Geburtstag im Okt. letzten Jahres. Habe ich von einer Freundin bekommen.

Ein kleines Bergkristallkreuz und eine beschriebene Fliese zum hinstellen mit einem schönen Psalmspruch.

An der Wand hängt ein weiteres Foto von Justin und daneben ein Bild von seinem Grab. Den Bilderrahmen habe ich außen herum mit Window Colormotiven bemalt. Ein kleiner Käfer, ein Schmetterling, Wolken, Sterne, eine Wiese……Blumen…..

In unserer Vitrine steht ebenfalls ein großes Bild von Justin, davor ein Teddy aus Bergkristall und eine kleine Silberdose als Mond. Den habe ich 2001 von einer Freundin zu Justins 3 Geburtstag bekommen.

Auf unserem Wohnzimmerschrank steht noch ein Foto von Justin und noch ein paar Engel, die ich so bis jetzt gesammelt habe. Einen liegenden kleinen Sandsteinengeljungen. Ein kleiner Engel auf einem Stern als Kerzenhalter und dahinter zwei schöne Karten mit einem kleinen Sternenkind von Mili Weber. Ein weißer Stein mit Justins Namen aus Dänemark vom Strand 1999.

Einige Muscheln, die wir dieses Jahr aus Büsum mitgebracht haben.

Wir haben ein Fotoalbum von Justin angefertigt. Das steht ebenfalls im Schrank und meine ganze Büchersammlung zum Thema Tod, Trauer etc…

In der Küche habe ich auch ein Foto von Justins Grab über dem Türbogen hingehängt.

Im Schlafzimmer steht neben meinem Bett auch ein Foto von Justin und meinen anderen beiden Kindern.

Dann habe ich Justins Spieluhr in meinem Bett liegen, ohne die ich gar nicht einschlafen kann. Ich muss sie immer auf mein Ohr legen. Verrückt oder?

Es ist eine Mondspieluhr mit einem kleinen Stern. Sie spielt das Lied LaLeLu.

Die erste Zeit konnte ich diese Melodie gar nicht hören.

Habe sie lange Zeit nicht aufgezogen und mich manchmal richtig erschrocken, wenn Miles sie aufgezogen hat und mir kamen die Tränen.

In Jeremis Kinderzimmer, das vorher Justins Kinderzimmer war, steht ebenfalls eine kleine Fotosammlung. In dem Rahmen passen insgesamt 6 Bilder. Links bin ich mit Miles, als er so 3 Jahre alt war und rechts ist Justin mit seinen 10 Tagen.

Ich habe gerade festgestellt, das ich seit Justins Tod sehr auf Engel stehe. Hab‘ gar nicht so wahrgenommen, das ich doch so viele Engel besitze.

Die Kleidung, die Justin anhaben sollte habe ich aufgehoben und die ganzen Trauerbriefe, die Weihnachtskugeln vom ersten Jahr 1998. Ein paar gestrickte Söckchen für ihn von einer Nachbarin.

Sein erstes Geburtstagsgeschenk, ein kleines Spielkamel mit Kind von Duplo mit der Musik LaLeLu. Das Alles liegt in einem kleinen Karton.

Dann habe ich noch eine kleine Laterne für ihn, die wir zu seinem ersten Geburtstag bekommen haben.

Und die Sachen, die auf seinem Grab stehen, bzw. liegen.

Ein kleiner Bagger, ein Schmetterling. Eine kleine Biene, deren Flügel sich drehen. Zwei kleine Schafe und einige Anhänger für sein kleines Bäumchen. Eine große Holzsonnenblume und seine Grablaterne.

Dann habe ich noch ein silbernes Medaillon mit den Bildern meiner drei Kinder.

In meiner Handtasche habe ich ein kleines Foto in einem kleinen Herzrahmen immer bei mir und in meiner Brieftasche sind ebenfalls zwei Fotos von Justin.

Ja…..es hat sich doch so einiges angesammelt.

Sicherlich gibt es noch einige Dinge mehr, die ich vielleicht gar nicht so auf den ersten Blick wahrnehme.

In meinem Herzen wird er für immer mein kleiner Justin sein und irgendwann werde ich ihn wieder in meine Arme schließen können, da bin ich mir sicher.

Liebe Grüße

Silvia

(Sternchen ** und Justin in meinem Herzen,

Miles und Jeremi-Jalil an meiner Hand)

,,Ich sehe deine Tränen“

Den Anfang dieses Tages bildete, wie bereits im letzten Jahr, ein öffentlicher ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Tübinger Stiftskirche. Dieser stand unter dem Thema ,,Ich sehe deine Tränen“.

Besonders überrascht hat uns die große Zahl der Gottesdienstbesucher. Ungefähr 500 Eltern, Kinder, Angehörige, Klinikmitarbeiter und Interessierte folgten unserer Einladung, so dass selbst die große Tübinger Stiftskirche sehr gut besetzt war.

Das Thema ,,Ich sehe deine Tränen“ hatten wir uns ausgesucht, weil es für Trauernde zum einen wichtig ist, dass andere sie in ihrer Trauer wahrnehmen. Zum anderen wollten wir damit auch verdeutlichen, dass Hinsehen wichtig und ,,heilende“ Trauer etwas Aktives ist . Nicht Rückzug und Erstarrung helfen die Situation lindem, sondern ein aktives Auseinandersetzen mit dieser schlimmen Erfahrung und das ,,Veröffentlichen“ von Emotionen.

In der ersten Aktion konnten die Gottesdienstbesucher anhand der angefertigten ,,Tränen“ aus Papier symbolisch ihrer Trauer Ausdruck verleihen. Das in Regebogenfarben gehaltene Papier sprach viele der  Eltern und Kinder an, diese bunten Tränen zu gestalten. Es war sehr schön zuzusehen, wie viele von diesem Angebot Gebrauch machten und wie viele Bilder und Texte auf dem bereitgelegten Papier entstanden. Hier wurden auch Fragen gestellt und die eine oder andere Antwort gegeben. Die Bewegung tat gut und lockerte die anfängliche Schwere in der Stiftskirche merklich auf. Die gestalteten Papiertränen konnte dann jeder an langen, von der Empore herabhängenden Schnüren mithilfe eines kleinen Bändchens befestigen. Hierdurch entstand ein großer Vorhang aus Tränen, einem Wasserfall ähnlich, der in der gesamten Stiftskirche sichtbar war. Er brachte zum Ausdruck, dass Tränen zur Trauer dazu gehören und verdeutlichte die Verbundenheit mit allen Anwesenden nach dem Verlust eines Kindes bzw. eines Bruders oder einer Schwester.

Therapeutische Aspekte der Trauer

aus Eltern trauern über den Tod ihres Kindes
Erstveröffentlichung: Heiliger Dienst, Jahrgang 55 (2001)
Christine Fleck-Bohaumilitzky

  • Therapeutische Hilfen für Trauernde sind vor dem Hintergrund der neuzeitlichen Entwicklung zu sehen, dass Trauernde heute von Seiten der Gesellschaft kaum noch angemessene Hilfen erhalten. Der Trauernde ist weitgehend auf sich gestellt, ohne durch Trauerrituale bei der Bewältigung von Verlusterlebnissen unterstützt zu werden.
    Der Tod des anderen führt unausweichlich zur Erfahrung der eigenen existentiellen Bedrohtheit.
  • Trauerrituale ermöglichen die Kontrolle von Emotionen, das heißt, sie schaffen Raum, Gefühle auszuleben ohne dass der Trauernde befürchten muss, diesen Gefühlen völlig ausgeliefert zu sein. Sie erleichtern, die auftretenden Gefühle wahrzunehmen, sie anzunehmen, ihnen Gestalt zu geben und sie gesellschaftlich akzeptiert auszudrücken. [z.B. Kleidung, religiös-liturgische Riten,…]
  • Ebenso bewirken Trauerrituale eine Reduzierung von Angst: Sie helfen den Hinterbliebenen, sich ihrer bisher gesellschaftlich definierten Position, die nun nicht mehr existiert, bewusst zu werden. Ebenso sind sie ein Schritt hin auf eine neue, bisher im eigenen Erleben noch nicht vollzogene Orientierung.
  • Der Verlauf des Trauerprozesses wird wesentlich beeinflusst von der Reaktion der Angehörigen, der professionellen Helfer und anderer Personen, wenn die Hinterbliebenen ihre Gefühle der Trauer zum Ausdruck bringen. Als ungünstig erweisen sich normalerweise Ratschläge, besonders, wenn sie durch Unverständnis und das Fehlen von Mitgefühl geprägt sind. Ebenso hinderlich für den Trauerprozess sind Erwartungen an Hinterbliebene, aufbrechende Gefühle doch tunlichst unter Kontrolle zu halten, sich zu beherrschen. Die Aufforderung: „Lass doch das Vergangene und wende dich endlich der Zukunft zu!“, ist häufig zu hören. Sie ist wenig hilfreich, behindert den Trauerprozess, besonders dann, wenn Gefühle der Trauer nicht zum Ausdruck gebracht werden können und das Entwickeln und Realisieren von Plänen und Aktivitäten für die Zukunft noch nicht möglich ist.