„Worauf sie sich verlassen können“

Teil III Hindernisse auf dem Weg,
Seminar zu Grundfragen des christlichen Glaubens
von Eckard H. Krause.

Zusammengefaßt aus einem Tonmitschnitt von Pirko Silke Lehmitz
Februar 2003 Gemeinde Bugenhagen
Gesamtmitschrift (9 Dina 4 Seiten)

Gottesbilder

Jeder, der über diese Erde geht hat ein Bild von Gott, was es einem schwer macht zu glauben, weil man nicht offen ist, etwas neues zu erfahren oder Gott wirklich, wie er ist, kennen zulernen. Es gibt zwei extreme Gottesbilder:

1.Der ferne Gott

Da ist das Bild „eines Brüder überm Sternenzelt muß ein guter Vater wohnen“. Wenn man in die Natur guckt und sieht, welche Gesetzmäßigkeiten dort ablaufen, so kann man sehen, daß immer der Stärkere das Schwächere frißt“, so einen Vater kann es nicht geben bzw. er wäre mir mir so egal, dem würde ich nicht eine Stunde meines Lebens weihen und schon gar nicht jeden Sonntag eine Gottesdienstzeit.

2.Der fordernde Gott

Das andere Bild von Gott, der fordernde Gott. Ein Gott, der so wie ein Oberschutzmann darauf achten, daß sie sich immer opportun verhalten. Ein Gott, der Gesetze erläßt, die so schwer sind, daß sie keiner einhalten kann und sich höllisch darüber freut, wenn er jemanden beim Übertreten erwischt.

Ein Gott, der einer höheren Gerechtigkeit zu dienen scheint, und sie zwingt, seine Gebote zu halten, und irgendwann, wenn sie sie übertreten, kommen sie in die Hölle oder wenn sie brav sind, kommen sie  in den Himmel. Ein Gott, der mir Angst macht.

Und das Schlimme ist, sie haben für beide irgendwo in der Bibel, schöne Stellen. Und beides ist nicht wahr. Er ist weder der ferne Gott, noch ist er der fordernde Gott.

3.Woher kommen diese Gottesbilder?

Es ist einfacht in solchen billigen Kategorien Dinge abzuhandeln. Aber tatsächlich hat es etwas mit Erfahrungen zu tun, die wir machen.

a)Erfahrungen
Beim Thema Leid machen die meisten Menschen ihre subjektiven Gotteserfahrungen und diese projizieren sie dann auf Gott, woraus  ein furchtbares Gottesbild in ihnen lebt. Entweder ein Gott der ferne ist , der geschlafen hat, als sie Leid erfuhren, der nichts verhindern kann, dem es gleichgültig ist, der irgenwo im Sternenzelt lebt, oder einen Gott, der sagt: „Dir zahle ich es heim!. An der Stelle werden die Gottesbilder verbaut.

b)Unsere Leiderfahrung verbaut uns unser Gottesbild
Auch ich habe auf die Frage, was wirklich Leid ist und woher es kommt keine befriedigende Antwort.

(1) Gott ist nicht für alles Leid der Welt verantwortlich
Es ist nicht fair, Gott für das Leid dieser Welt verantwortlich zu machen. Das Leiden ist handgemacht und zwar durch Menschenhand. Und dann zu sagen:“Gott, wie kannst du das zulassen!“, ist unverschämt und zynisch.

(2) Gott will das Leiden nicht
Wie ist das mit dem Leiden, mit dem persönlichen Leiden? Der Gott der Bibel, der Vater Jesu Christi, an die Christen glauben, will das Leiden nicht. Im Schöpfungsbericht wird etwas von dem Willen Gottes ausgesagt. Doch da kommt Leid nicht vor. Gott hat das Leid nicht geschaffen.

Da wo Gott Gott sein darf, und nicht von uns daran gehindert wird, gibt es das Leiden nicht. Jesu hat, wo immer er konnte, das Leiden gelindert oder weggenommen. Wenn es stimmte, daß Gott das Leiden schickt etwa, um zu strafen, zu disziplinieren, dann müßte es irgendeine Stelle in der Bibel geben, wo ein Leidender zu Jesus kommt und sagt: „Herr, nimm mir dieses Leiden.“ und Jesus sagt: „Nee, Du hast noch zwei Jahre. Vater hat’s verhängt.“ Aber es gibt so eine Stelle nicht.

(3) Warum nimmt Gott das Leiden nicht?
Wenn Gott das Leiden nicht will, warum nimmt er es nicht einfach? So makaber es klingt, es hat etwas mit der Liebe Gottes zu tun, daß er es nicht nimmt.

Es gehört zu ihrer Liebe, daß sie ihren Kindern die Freiheit geben und sie wissen sehr wohl, daß diese Freiheit, auch die Freiheit zum Leiden und zum Leiden zufügen in sich birgt. Denn Liebe ohne Leiden heißt Tod. Nein, alles was in dieser Welt ist, muß leiden.

(4) Wie geht Gott mit dem Leiden um?
Dieser Gott, an den wir Christen glauben, ist herabgestiegen, mitten hinein in den Hexenkesseln von Leid und Sterben und hat alles Leiden dieser Welt an sich selbst ertragen. Niemand, der über diese Erde ging, hat mehr gelitten, als der, der es nie nötig gehabt hätte, wäre er im Brüder überm Sternenzelt Himmel geblieben.

Dieser Gott ist kein Gott Brüder überm Sternenzelt. Er ist ein heruntergekommen Gott. Im wahrsten Sinne des Wortes. Um ihret- und meinetwillen heruntergekommener Gott. Das fasziniert mich an diesem Gott so. Gott leidet mit. Das ist die erste Botschaft. Und wenn sie meinen, mit ihrem Leiden ganz alleine zu sein, das Zimmer hinter sich zumachen, das Licht ausmachen und in die Kissen heulen, und meinen, sie sind ganz allein und von Gott und aller Welt verlassen: Gott ist der an ihrer Seite, eine handbreit, und der sich die Augen aus dem Kopf heult und das Leiden mit ihnen teilt. Sie können im Leiden, besondere Nähe, Liebe, Wärme und Herzlichkeit Gottes erfahren. Denn er nutzt das Leiden, um sich ihnen in besonderer Weise zu offenbaren.

4.Wie ist das Wesen Gottes wirklich?

Das Wesen Gottes ist in Christus beschrieben. Gott kommt auf den Menschen zu, weiß natürlich, daß das Absolute, das Einmalige, das Fremde immer Angst macht. Er spielt und kokettiert nicht mit dieser Unheimlichkeit und Macht, die er ausübt in seiner Erscheinung. Sondern er geht auf den Menschen zu, und sagt: „Du, hab’ bitte keine Angst!“. Gott will, daß wir keine Angst haben, und Gott will das die Beziehung zwischen ihnen und ihm richtig Freude macht.

Jesus hat nie Macht gebraucht, und schon gar nicht Macht mißbraucht. Sondern als sie ihn brutal zusammenschlugen, anspuckten, folterten und ihn schließlich nackend an Kreuz hingen, und sich über ihn lustig gemacht haben, hat er seine Hände nicht geballt zur Faust, um aller Welt Rache zu schwören, die sich an ihn vergreift, sondern die Arme blieben ausgestreckt und die Hände wie zum Segen:“Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Gott kommt gewaltfrei. Die einzige Macht, die Gott anwendet, ist die Macht der Bitte. Nicht ein ferner Gott, nicht ein fordernder Gott, sondern ein Gott, der ihnen ganz nahe wird, der kommt, damit sie Freude haben, sich nicht fürchten brauchen, heil werden, und sein Zeichen ist Herzlichkeit.

Gottesbilder

Jeder, der über diese Erde geht hat ein Bild von Gott. Und das macht es ihnen so schwer zu glauben, sie sind ja gar nicht offen, etwas neues zu erfahren oder Gott wirklich, wie er ist, kennen zulernen. Wenn immer ich mit Leuten rede, die wissen es ja schon. Und ich will ihnen gerne mal sagen, welche idealtypischen Gottesbilder es in Deutschland gibt. Ich will mal Extreme aufzeigen und sie werden sofort sagen:“Das ist aber nicht mein Bild!“, richtig, ist auch nicht ihr Bild, diese zwei extremen Gottesbilder, die in unserer Gesellschaft leben.

1.„eines Brüder überm Sternenzelt muß ein guter Vater wohnen“, der ferne Gott

Das eine ist das Bild, das ist besonders auch in Deutschland sehr verbreitet, „eines Brüder überm Sternenzelt muß ein guter Vater wohnen“. Nichts gegen unser Klassiker, sie haben schöne Verse gemacht, aber ich würde sagen. „He, guckt doch mal genau hin!“.  Brüder überm Sternenzelt muß… . Für mich ist das überhaupt nicht zwingend, daß da einer wohnen muß und schon gar kein guter Vater. Wenn ich in die Natur gucke, und sehe, welche Gesetzmäßigkeiten hier ablaufen in dieser Natur, dann erinnert mich das eher an Nitsche, der sagt: „Das Schwache muß gestoßen werden, damit es fällt. Es überlebt immer das Stärker und das Stärkere frißt immer das Schwächere“. Und wenn ich von dieser Natur her auf einen guten Vater schließen soll, dann würde ich sagen, vor diesem Vater graut mir.

Und so ein Vater der  Brüder überm Sternenzelt irgendwo fernab im Himmel auf einer Wolke Nr. 7 sitzt, den ich ab und zu mal spüre, wenn ich auf dem Gipfel des Berges stehe stehe und in die schneebedeckte Hügellandschaft schaue und dann so erhabene Gefühle bekomme, da muß doch was … Das hält nur auf dem Gipfel. Es hat überhaupt nichts mit unserem Alltag zu tun. Und wenn ich am Sonntagmorgen durch den Wald gehe und von ferne die Glocken klingeln und die Hirsche röhren, wissen sie diese Jägermeisterromantik, dies hat überhaupt nichts mit meinem Leben zu tun. Und so ein Gott Brüder überm Sternenzelt weit ab thronen sitzt, der ist mir so egal, dem würde ich nicht eine Stunde meines Lebens weihen und schon gar nicht jeden Sonntag eine Gottesdienstzeit. Der soll meinetwegen überm Sternenzelt sein, aber wenn er mit mir und meinem Leben nichts zu tun hat, wenn er mir nichts geben kann und ich von ihm nichts verlangen kann, er von mir nichts fordert und er mir nicht begegnet, dann soll er bleiben wo der Pfeffer wächst.  Brüder überm Sternenzelt.

2.Der fordernde Gott

Das andere Bild von Gott, das unter uns lebt, ist nicht der ferne Gott, sondern der fordernde Gott. Ein Gott, der so wie ein Oberschutzmann darauf achten, daß sie sich immer opportun verhalten. Ein Gott, der Gesetze erläßt, die so schwer sind, daß sie keiner einhalten kann und sich höllisch darüber freut, wenn er jemanden beim Übertreten erwischt. Und schon im Kinderherzen wird dieser Gott groß gemacht:“Paß auf kleines Auge,was Du siehst und kleine Hand, was du tust, und kleiner Mund was du sprichst, denn der Vater im Himmel hat acht auf dich!“ Sehr lieb gemeint, dieses Lied, aber „big brother ist watching you!“ Und er sieht alles. Und er trägt alles ins Buch des Lebens ein. Und irgendwann wird dieses Buch geöffnet. Und irgendwann kriegt er uns alle. Ein Gott, der einer höheren Gerechtigkeit zu dienen scheint, und sie zwingt, seine Gebote zu halten, und irgendwann, wenn sie sie übertreten, kommen sie in die Hölle oder wenn sie brav sind, kommen sie  in den Himmel. Ein Gott, der mir Angst macht.

Ich erinnere mich, ich darf die Geschichte sagen, ich erzähle immer die gleiche Geschichte seit 20 Jahren, um nicht aus der unmittelbaren Gesprächssituation von gestern oder vorgestern erzählen zu müssen, aber ich könnte tausend Beispiel gebrauchen: Kommt eine Frau zu mir, ich kenne sie, sie hat viele Probleme, und will sich mal das Herz erleichtern, erzählt von ihren Problemen, von ihrem Mann, der Alkoholiker ist, von dem Sohn, der kriminell ist, und es war wirklich ein Elend, und als sie aufhört, fing ich an, wollte sie gerne trösten, und ich bin inzwischen alt genug, nicht mehr mit dumme leichtfertigen Sprüchen zu trösten. Da sagt sie: „Ach, wissen sie, Herr Pastor, lassen sie es! Ich weiß ja warum es mir so geht!“. Und da erzählte die Frau, und jetzt möchte ich nicht mit ihnen über Moral reden, da erzählte die Frau, daß sie vor 30 Jahren ihr erstes Kind abgetrieben hat. Und seitdem wartet sie darauf, daß Gott sich rächt. Großer Gott wir loben dich. Herr wir preisen deine Stärke. Merken Sie, da muß man krank bei werden.

Ich kenn so viele „Christen“, die aus Angst vor Gott, seine Gebote halten, die Bibel lesen, in die Kirche gehen. Grauenvoll. Und das Schlimme ist, sie haben für beide irgendwo in der Bibel, schöne Stellen. Und beides ist nicht wahr. Er ist weder der ferne Gott, noch ist er der fordernde Gott.

3.Woher kommen diese Gottesbilder?

Woher kommen eigentlich diese Bilder. Sicherlich auch durch leichtfertige Predigten der Kirche. Es ist einfach, in solchen billigen Kategorien Dinge abzuhandeln und dafür möchte ich mich auch entschuldigen bei ihnen. Das wird sicherlich nicht in ihrer Gemeinde so sein. Aber allenthalben ist es so.

a)Erfahrungen
Nein die Dinge haben eine viel tiefere Ursache. Es hat etwas zu tun mit einem Stichwort, das sie gleich eingeblendet sehen, das heißt Erfahrung. Wissen Sie was Erfahrungen sind? Erfahrungen macht man sich. Es sind gedeutete Erlebnisse. Das Erlebnis ist etwas objektives, und dann mache ich meine subjektiven Erfahrungen. Und an einer Stelle, vor allem, machen Menschen sich ihre subjektiven Gotteserfahrungen – wissen sie wo das ist? – Thema Leid. Und bevor ich das Thema noch angehen, möchte ich dies sagen, Erfahrungen werden ein Teil ihrer persönlichen Persönlichkeit. Sie können leichter einen Arm ablegen, als eine Erfahrung. Und die Alten sind ja immer so stolz auf ihre Erfahrungen und meinen immer, daß sie dadurch klug geworden sind. Nein, Erfahrungen verändern, das stimmt, aber klüger machen sie nicht automatisch.

Erfahrungen werden ein Teil meiner Persönlichkeit und sie wissen manchesmal gar nicht, warum sie so reagieren wie sie reagieren, das hat was mit ihren Erfahrungen zu tun.

Erfahrungen sind stärker, als ihre Vernunft. Wenn sie immer sagen. „Ich meine..“ dann ist das nicht aufgrund ihres Nachdenkens, sondern aufgrund ihrer Wasser und Bauch, sagt man heute neudeutsch. Achten sie mal darauf. Und wenn sie mit dem Leid bestimmte Erfahrungen gemacht haben, und das auf Gott projizieren, dann lebt in ihnen ein furchtbares Gottesbild. Entweder ein Gott der ferne ist oder ein Gott, der geschlafen hat, als sie Leid erfuhren, der nichts verhindern kann, dem es gleichgültig ist, der irgenwo im Sternenzelt lebt, während sie mit Krebs im Krankenhaus liegen. Oder einen Gott, der sagt: „Dir zahle ich es heim!. Und die Krankheit jetzt, die du hast, das Unglück, das du hast, das ist meine Rache, dafür, daß du meine Gebote nicht gehalten hast.“ An der Stelle werden die Gottesbilder verbaut. An Leiderfahrung. Deshalb müssen wir noch einen kurzen Augenblick über Leid reden.

b)Unsere Leiderfahrung verbaut uns unser Gottesbild
Ich muß ihnen gestehen, ich habe auf die Frage, was wirklich Leid ist und woher es kommt keine befriedigende Antwort. Ich habe vieles gelesen, kenne mich in der theologischen und philosophischen Literatur zum Thema Leid relativ gut aus und weiß, es ist keine Antwort darunter, die mich in meinem Intellekt befriedigt. Eine Antwort werde ich ihnen deshalb heute Abend auch nicht geben können. Aber ich habe Fährten gelegt, die mich selbst zu Ruhe gebracht haben, in dieser Frage und die möchte ich ihnen gerne aufzeigen. Spuren.

(1) Gott ist nicht für alles Leid der Welt verantwortlich
Das erste: Es ist unfair Gott für alles Leid dieser Welt verantwortlich zu machen. Das hilft jetzt nicht dem, der im Augenblick, in einem tiefen Leid steckt, das ist mir klar, für seine Ohren muß das zynisch klingen. Aber ich werde es mal generell dennoch sagen.

Es ist nicht fair, Gott für das Leid dieser Welt verantwortlich zu machen. Das Leiden ist handgemacht. Und wenn jetzt gleich im Irak tausende und abertausende Menschen sterben, Millionen auf der Flucht sind, dies ist nicht Gotteswille, sondern der Wille von Herrn Bush und ein paar Ölmilliardiären. Das muß man einfach deutlich sagen. Und wir sehen es, daß das Leid auf uns zukommt. Es gibt immer noch Leute, die Krieg für ein Mittel der Politik halten. Wenn es dort zum Leiden kommt und wenn die Bilder über unsere Fernsehschirme flimmern, dann soll niemand sagen: „Wie kann Gott das zulassen!“. Dies wollen Menschen, die ihr Recht haben wollen, die ihren Profit haben wollen, die ihre Ehre haben wollen und denen es eigentlich egal ist. Und dann zu sagen:“Gott, wie kannst du das zulassen!“, ist unverschämt und zynisch.

Wir haben dich gesucht in den Ruinen,
in jedem Granattrichter,
in jeder Nacht,
wir haben nach dir gerufen Gott,
wir haben nach dir gebrüllt, geweint, geflucht,
wo warst du lieber Gott,
wir kennen dich nicht mehr so recht,
du bist ein Märchenbuch, lieber Gott,
heute brauchen wir einen anderen.

(2) Gott will das Leiden nicht
Wie ist das mit dem Leiden, mit dem persönlichen Leiden? Das erste, was ich ihnen sagen möchte ist, der Gott der Bibel, der Vater Jesu Christi, den Gott, an den ich glaube, an die Christen glauben, will das Leiden nicht. Es ist eine leichtfertige Redeweise, wenn wir sagen, Gott schickt das Leiden. Gott will das Leiden nicht. Und ich möchte ihnen das gerne Begründen. Wenn sie einmal in dieses schöne Buch der Bücher, in die Bibel gucken, dann wird in wunderschöner Sprache in mythologischer Sprache, etwas von dem Willen Gottes im Schöpfungsbericht ausgesagt. Und lesen sie mal nach, da kommt Leid nicht vor. Er hat das Leid nicht geschaffen. Und wenn sie mal das Letzte Buch der Bibel lesen, ein sehr kompliziertes Buch, Offenbarung heißt es, da gibt es so ein paar schöne helle Stellen, zum Beispiel das 20. /21. Kapitel: “Sieh’ da die Hütte Gottes bei den Menschen, er wird bei ihnen wohnen, er selbst wird ihr Gott sein und sie werden sein Volk sein, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und kein Leid wird mehr sein, kein Tod, kein Schmerz, kein Geschrei.“

Da wo Gott Gott sein darf, und nicht von uns daran gehindert wird, gibt es das Leiden nicht. Gott will das Leiden nicht. Und wenn das stimmt, was Christen glauben, daß in der Person Jesu, Gott sich offenbart hat, wie er wirklich ist und er wirklich will, dann müßten selbst die Kritiker Jesu zugeben, wo immer er konnte, hat er Leiden gelindert oder weggenommen. Wenn es stimmte, daß Gott das Leiden schickt etwa, um zu strafen, zu disziplinieren, dann müßte es irgendeine Stelle in der Bibel geben, wo ein Leidender zu Jesus kommt und sagt: „Herr, nimm mir dieses Leiden.“ und Jesus sagt: „Nee, Du hast noch zwei Jahre. Vater hat’s verhängt.“ Aber es gibt so eine Stelle nicht. Im Gegenteil, da wo seine Jünger ihn fragen, Herr wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, wird Jesus zornig und sagt:“Es hat weder dieser noch seine Eltern gesündigt. Er ist hier, damit an ihm die Herrlichkeit Gottes offenbar wird.“ Gott wehrt sich gegen das Leiden. Und sich mit dem Leiden versöhnen, einfach nur so, ist nicht der Wille Gottes.

Das Leiden hat etwas mit der Trennung des Menschen von Gott zu tun. Die Bibel nennt das Sündenfall. Darüber müssen wir noch einmal reden. Das machen wir an den Abenden auch noch. Aber es ist nicht der Wille Gottes. Das hat etwas mit Trennungsschmerz zu tun.

(3) Warum nimmt Gott das Leiden nicht?
Wenn Gott das Leiden nicht will, warum nimmt er es nicht einfach? So makaber es klingt, es hat etwas mit der Liebe Gottes zu tun, daß er es nicht nimmt.

Ich will ihnen ein Beispiel sagen. Ich will ihnen sagen, wie sie ihre Kinder vor Leid bewahren können. Ich habe zwei großgezogen, ich weiß, was es heißt. Also wir waren noch so altmodisch und unsere Kinder sind im Laufstall groß geworden. „Ja, das macht man heute nicht mehr!“, habe ich von meiner Tochter gelernt. Hat gut geklappt damals. Zugegeben nicht lange. Aber da ging es auch los, mit dem Leiden. Für unsere Kinder und für uns. Heiße Kochplatte, mit Fahrrad auf dem Kopf gefallen, Treppe heruntergefallen   und so weiter. Ich dachte mir einfach, man müßte dieses Laufställchen ein bißchen länger … Also wenn der Knabe 16 ist sollte man schon ein bißchen Metall einbauen… Mit 18 müßte man auch oben was darauf machen. Und wissen sie was, sie könnten ihr Kind vor allem Leid bewahren. Sie hätten am Ende einen Affen erzogen.

Es gehört zu ihrer Liebe, daß sie ihren Kindern die Freiheit geben und sie wissen sehr wohl, daß diese Freiheit, auch die Freiheit zum Leiden und zum Leiden zufügen in sich birgt. Die Menschen, die schreien: „Wie kann Gott das zulassen“, sind genau die,  die sich von ihm emanzipieren. Wir wollen uns von Gott nichts sagen lassen, aber wenn wir leiden, dann ist er angeklagt. Haben sie mal jemanden erlebt, dem es gut geht, und der da steht und sagt. „Wie kann Gott das zulassen?“. „Alles ich! Hab’ ich alles selbst gemacht!“ Aber so wie es schlecht geht… Es ist ein Stück der Liebe Gottes, daß er ihnen die Freiheit gibt und in dieser Freiheit ist Leiden inbegriffen und in dieser Welt. Und wenn Udo Jürgens seiner Tochter gesungen und gedichtet hat: „ Ich wünsch’ Dir Liebe ohne Leiden“, dann hat er ihr den Tod an den Hals gewünscht. Denn Liebe ohne Leiden heißt Tod. Nein, alles was in dieser Welt ist, muß leiden. Und das wir vom Leiden nicht befreit sind, hat mit unser Freiheit was zu tun. Diese Freiheit hat etwas mit der Liebe Gottes zu tun. Nur so als eine Fährte.

(4) Wie geht Gott mit dem Leiden um?
Wenn Gott das Leiden nicht nehmen kann, sonst würde er uns töten oder unsere Freiheit nehmen, wie geht er dann mit dem Leiden um? Das erste, was ich begriffen habe ist, daß unser Gott kein apathischer Gott ist, d.h. ein leidensunfähiger Gott ist. Der saß nicht im Himmel, wie Borchert glaubte und Beckmann sagte und wie die Klassiker schreiben Brüder überm Sternenzelt, sondern dieser Gott, an den wir Christen glauben, ist herabgestiegen, mitten hinein in den Hexenkesseln von Leid und Sterben und hat alles Leiden dieser Welt an sich selbst ertragen. Ich bete keinen Gott an, der irgenwo im Feuerkranz tanzt! Sondern ich rede mit einem Gott, der immer eine Handbreit neben mir ist, der weiß, was es heißt, zu leiden und in dieser Welt im Leiden kaputt zu gehen. Niemand, der über diese Erde ging, hat mehr gelitten, als der, der es nie nötig gehabt hätte, wäre er im Brüder überm Sternenzelt Himmel geblieben. Unser Gott ist ein Gott, der so am Leiden Anteil nimmt, an deinem Leiden, an meinem Leiden, daß er daran selber zu Tode gekommen ist. Haben sie jemanden, der schon mal für sie gestorben ist, um ihnen zu zeigen: „Ich bin an deiner Seite. Und auch der Tod kann uns nicht scheiden.“?

Dieser Gott ist kein Gott Brüder überm Sternenzelt. Er ist ein heruntergekommen Gott. Im wahrsten Sinne des Wortes. Um ihret- und meinetwillen heruntergekommener Gott. Das fasziniert mich an diesem Gott so. Gott leidet mit. Das ist die erste Botschaft. Und wenn sie meinen, mit ihrem Leiden ganz alleine zu sein, das Zimmer hinter sich zumachen, das Licht ausmachen und in die Kissen heulen, und meinen, sie sind ganz allein und von Gott und aller Welt verlassen: Gott ist der an ihrer Seite, eine handbreit, und der sich die Augen aus dem Kopf heult und das Leiden mit ihnen teilt. Das finde ich eine irre Nachricht. Ich dachte immer, er ist der erhabene, der Herrgott. Nein, er weint mit ihnen, jedes Leid.

Der andere Gott, der das Leid nicht gemacht hat, läßt uns mit diesem Leiden nicht allein, sondern er hilft uns tragen. Es ist so, als wenn eine Hand unter unsere Last greift. Da wo wir glauben, daß er nicht ist, der es schickt. Luther hat einmal so gesagt: Gott, der das Leiden nicht will, weil es aber in der Welt ist, beginnt er das Leiden zu nutzen. Das muß ich ihnen erklären. Sehen sie, Gott glauben wir Christen, ist wie ein Vater oder eine Mutter, und nun haben viele von ihnen und auch ich Kinder erzogen. Würden sie jemals die Hand ihres Kindes nehmen und sie auf eine heiße Kochplatte drücken, um ihren Kind zu sagen: „So fühlt es sich an.“? Sie werden ihrem Kind sagen:“Du faß da nicht an, tut weh!“ Aber wenn das Kind es am Ende getan hat, was werden sie tun? Na, nun sind sie nicht ganz so nett. Zuerst einmal werden sie sagen: „ Hab ich es Dir nicht gesagt?“ Das ist die erste Reaktion. Aber die zweite Reaktion ist, sie werden das Kind auf dem Arm nehmen, pusten, heile heile Gänschen trösten. Es gibt Kinder, die sich selbst verletzten, um endlich die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu erfahren.

Und wenn sie sich mal an ihre Kindheit erinnern, es waren Leid und Trost, die sie eindrücklich behalten haben. Wenn Menschen glauben können, daß Gott auf ihrer Seite ist im Leiden und nicht der ist, der es verhängt oder verschickt, dann könnten sie im Leiden, besondere Nähe, Liebe, Wärme und Herzlichkeit Gottes erfahren. Denn er nutzt das Leiden, um sich ihnen in besonderer Weise zu offenbaren. Und dann kann ein Mensch auch mal sagen: „Gott ich danke Dir, daß Du mir das Leid geschickt hast“. Er will es nicht, aber er nutzt es.

Und Luther geht gar so weit und sagt, der Tod, der Inbegriff allen Leidens,  ärgste Feind Gottes, muß Gott dienen, weil er nun einmal da ist, zwingt Gott ihn unter seine Herrschaft und er wird, dieser ärgste Feind zum Scharnier für die Ewigkeit.  In dir ist Freude in allem Leide. Gott will das Leiden nicht, das Leiden ist in der Welt, weil wir in der Gottesferne leben. Gott kann das Leiden nicht einfach wegnehmen, weil er unsere Freiheit und unser Leben nehmen würde, aber er kommt in unser Leid, stellt sich an unsere Seite, trägt mit und leidet mit, tröstet und macht das Leid sich damit Untertan. Wenn sie ein solches Bild von Gott haben, dann kann keine Leiderfahrung dieser Welt, ihnen suggerieren, daß Gott ein ferner Gott ist, leidensunfähig, und auf Wolke 7 sitzend, oder, daß Gott ein strafender Gott ist, Lust hat, sie endlich einmal am Kanthaken zu kriegen und fertig zu machen. Und wenn in der Bibel auch mal solche Sätze stehen, sie beschreiben nicht das Wesen Gottes. Wir sind ja nicht gottgläubig, sondern Christen. Das Wesen Gottes ist in Christus beschrieben.

4.Wie ist das Wesen Gottes wirklich?

Ich hätte Lust ihnen aus so vielen Geschichten eine Ahnung zu vermitteln, wie dieser Gott, der Vater Jesu Chrsti, wirklich ist. Ganz anders als die vielen Bilder, die in uns leben. Ich mußte mich entscheiden und diese Geschicht, die ich ihnen vortrage, hat eine Vorgeschichte, die ich ihnen erzählen werde. Eines der bekanntesten Abschnitte der Bibel, des neuen Testaments, jedenfalls für uns ältere ist Lukas 2, diese wunderschöne Weihnachtsgeschichte.

Da gibt es eine Passage: Über den Hirten auf dem Feld öffnet sich der Himmel, und Engel kommen herunten. Nun müssen sie nicht an Engel glauben, das kriegen wir später. Ich habe mal gehört, Gott schickt immer dann Engel, wenn er sicher gehen will, das die Botschaft auch richtig ankommt. Der Himmel geht auf und die Hirten haben natürlich Angst. Klar, wenn so was supranaturalistischen erscheint, wenn etwas unheimlich Großes auf uns zu kommt, das macht immer Angst.

Dann kommt sozusagen eine göttlicher Regierungserklärung. Wenn unsere Politiker Regierungserklärungen halten, dann müssen sie nie richtig hinhören, es wird doch immer ganz anders. Bei Gott ist das anders: Wenn er etwas sagt, das ist so. Das geschieht so. Und diese göttliche Regierungserklärung, wird ausgerechnet den Hirten auf dem Felde, also Menschen, mitgeteilt, die eigentlich gar nicht kompetent sind. Das hätte man irgendwo im Tempel in Jerusalem machen müssen und nicht bei den Hirten, das waren damals so die Outcats, die am Rand der Gesellschaft waren, mit denen man eigentlich nichts zu tun haben wollte. Die waren nicht richtig sauber und nicht richtig religiös. Zu denen öffnet sich der Himmel und Engel kommen herab, und teilen mit, was Gott ist und was er vor hat. Und auf diese engeliche Botschaft möchte ich sie gerne noch einen Augenblick aufmerksam machen. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie und sie fürchteten sich, wie das so ist. Und der Engel des Herrn sprach zu ihnen:“Fürchtet Euch nicht!“. Gott kommt auf den Menschen zu, weiß natürlich, daß das Absolute, das Einmalige, das Fremde immer Angst macht. Er spielt und kokettiert nicht mit dieser Unheimlichkeit und Macht, die er ausübt in seiner Erscheinung. Sondern er geht auf den Menschen zu, und sagt: „Du, hab’ bitte keine Angst!“. Gott will auf sie zukommen und sagen:“Bitte, fürchte dich nicht. Ich will dir keine Angst machen.“.

Und ich sehe so viele Menschen, die nur in Angst vor Gott leben, wenn sie denn überhaupt glauben. Ich bin auch Vater zweier Kinder und ja, meine Kinder haben Ehrfurcht vor mir. Wissen sie, was das ist? Ehrfurcht heißt zum Bespiel, daß es nicht gleichgültig ist, ob ich etwas sage oder irgend ein Fremder, was sagt. Wenn Vater was sagt, dann hören sie schon genauer hin. Das ist Ehrfurcht. Sie wissen, daß ist mein Vati. Aber wenn meine Kinder Furcht vor mir hätten, dann wäre etwas falsch gelaufen. Und wenn sie nur aus Furcht zu Besuch kämen, oder aus Furcht mir was schenken würden,  daß ich ihnen was entziehen könnte, das würde mich unendlich traurig machen. Und diese Frömmigkeit, die in Furcht vor Gott lebt, das ist nicht eine Steigerung von Frömmigkeit, so ganz fromm. Das ist Gottlosigkeit. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die Vollkommene Liebe treibt die Frucht aus.

Nein, Gott kommt auf sie zu. Auf jeden von ihnen, auch auf den Gottlosesten, wenn sie so wollen. Kommt und stellt sich vor ihnen hin und sagt:“Hab’ bitte keine Angst“.

Und dann geht’s weiter: „Siehe ich verkündige euch ein großes Problem, oder so ähnlich.“ Nein, da steht MEGA, Megafreude, richtig Spaß soll es machen. Die Beziehung zwischen Mensch und Gott soll schön sein: „ Ihr sollt euch auf die Schenkel klopfen und daran freuen, immer wenn ihr an mich denkt, immer wenn ihr mit mir in Beziehung tretet. Ich will jedenfalls an euch Spaß haben. Laßt uns eine Freude miteinander haben.“

Ich war mal in einem Kirchenvorstand mit dem hatte ich eine Vortragsreihe vorbereitet. Ich habe denen ein Thema vorgeschlagen: Kirche, die wieder Spaß macht. Oh, da machten die Herren Kirchenvorsteher aber ganz dunkle Gesichter. Nein, daß ginge nicht: Spaß und Kirche. Tiefe Freude, wissen sie so tiefe, so ganz tiefe. So daß man kaum rankommt. Und wenn man dann so in unsere Gottesdienst geht, das mag hier ganz anders sein, hat man auch wirklich das Gefühl, man geht in einen Kühlschrank. Wo die letzen Eisheiligen aufbewahrt werden. Ich würde gerne mal Menschen anderer Kultur, die unsere Sprache nicht verstehen in unsere Gottesdienste einladen und fragen, was empfindet ihr? Was drücken wir aus? Was lebt in uns? Die kommen auf alles mögliche, aber auf Freude nicht. Und wenn sie eine Umfrage halten und sagen:“Was verbinden sie mit Freude?“, sie bekämen eine Menge Antworten, doch auf Kirche kommt keiner.

Glauben sie es mir, da ist was falsch gelaufen. Ich meine nicht Spaßgesellschaft. Ich weiß auch viel von Leid. Wir haben darüber gerade geredet. Freude ist mehr als nur Spaß. Aber es spürt man Menschen an, wenn die zusammen Freude habe. Das ist schiefgelaufen. Gott will, daß wir keine Angst haben, und Gott will das die Beziehung zwischen ihnen und ihm richtig Freude macht. Große Freude, Megafreude. Und sie ahnen schon, da ist was schief gelaufen im ihrem Gottesbild, in meinem, in der Tradition unsere Kirche, und wir werden dahin zurückfinden, da bin ich mir sicher. Große Freude. Und das soll allem Volk gelten. Nicht einer kleinen elitären Gruppe. Nicht abgegrenzt, ihr nicht,  wir, katholisch,  evangelisch, ganz fromme und nicht so Fromme, Charismatiker und Normale. Nein, allem Volk. Jesus hat nie ausgegrenzt. Es durfte kommen, wer wollte. Gott ist nicht so ein Lokalheiliger, der für eine ganz besondere Truppe zuständig ist, sondern alle Welt , jeder Mensch, rot , grün und was sie alle sind, selbst die brauen, sind alle Objekte der Sehnsucht Gottes. Und Gott heult sich die Augen nach ihnen aus. Alles Volk und sie gehören dazu. Ihnen gilt das. Freude, angstfreie Beziehung, sie sind das Objekt der Sehnsucht Gottes. „Denn Euch ist heute..“, so geht’s dann weiter der Richter geboren? Nein! Sondern? Der Heiland. Ja, Gott ist Erhalter, ist Erschöpfer, Herrgott, Richter. Er ist alles auch. Aber das ist das Wesen der Offenbarung Jesu: Gott kommt in Jesu auf Menschen zu und sagt: „ Ich komme und will Heilmachen. Ich komme auf diese Erde, ich renne dir hinterher. Nicht, weil ich dich fertig machen will, nicht weil ich dich ertappen will, sondern ich frage dich, du dein Gott kommt, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist, ist etwas in deinem Leben, was ich Heilmachen kann? Darum komme ich. Ich komme auf dich zu, nicht um etwas zu wollen, sondern ich komme, um dich zu beschenken. Sag mir, was kaputt ist. Ich mache es heil. Ich heile physische Krankheiten, ich heile psychische Krankheiten, ich heile soziale Beziehungen, ich heile kaputte Gottesbeziehungen, es ist mein Beruf. Ich komme in diese Welt. Ich steige herab, und will nichts anderes, als Heilung.“ Und die Menschen laufen weg.

Wenn sie die Leute fagen, was Kirche ist, dann werden sie hören:“Die haben immer das Gefühl, die wollen etwas von uns, die wollen etwas, die wollen es besser machen, die wollen Geld haben, die wollen, daß wir moralischer werden, die wollen irgendwas“. Der Herr der Kirche, Jesus, kam auf Menschen zu und wollte nichts, er wollte einfach nur, heile machen. Und Menschen, die sich auf ihn eingelassen haben, haben es auch erfahren in ihrem Leben. Und diejenigen, die wegrennen, haben immer nur angst.

Fürchte Dich nicht, große Freude allen Volk. Heil. Das lassen wir auf der Zunge zergehen. Dann spüren sie wie weit, wie weit, wir uns von dieser Schönheit entfernt haben. In unserem persönlichen Fühlen, auch vielleicht denken, auch vielleicht ein bißchen in unserer Tradition. Und das Zeichen, das Gott gibt, ist kein Petersdom. Ist kein Landeskirchenamt, ist nicht Macht, ist nicht Gewalt, ist nicht Eindruck schinden. Sondern das Zeichen, daß Gott gibt, ist ein hilfloses Kind. Er legt sozusagen sich uns in den Schoß. Und es strahlt uns an und sagt: „ Kannst Du überhaupt denken, daß ich etwas böses mit dir vorhabe?“ Er macht sich auf uns angewiesen. Er bittet geradezu um unsere Führsorge. So kommt Gott in ihr Leben. Nicht mit Gewalt, nicht mit Druck, sondern mit der Bitte:“Lach mich an! Hab mich lieb. Nimm mich an Dein Herz“. Diese Kind ist irgendwann einmal erwachsen geworden, ja. Aber er hat nie Macht gebraucht, und schon gar nicht Macht mißbraucht. Sondern als sie ihn brutal zusammenschlugen, anspuckten, folterten und ihn schließlich nackend an Kreuz hingen, und sich über ihn lustig gemacht haben, hat er seine Hände nicht geballt zur Faust, um aller Welt Rache zu schwören, die sich an ihn vergreift, sondern die Arme blieben ausgestreckt und die Hände wie zum Segen:“Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

Gott kommt gewaltfrei. Und jeder kleine Konfirmant kann sagen:“Geh raus. Ich will dich nicht!“. Gott geht und wirft kein Stein hinterher. Du bleibst souverän. Die einzige Macht, die Gott anwendet, ist die Macht der Bitte. Merken sie? Nicht ein ferner Gott, nicht ein fordernder Gott, sondern ein Gott, der ihnen ganz nahe wird, der kommt, damit sie Freude haben, sich nicht fürchten brauchen, heil werden, und sein Zeichen ist Herzlichkeit.